OnlyFans-Creator als Aufklärer Moderne Gesundheitskampagnen im Wandel
OnlyFans-Creator und andere Produzenten von Erwachsenen-Inhalten übernehmen zunehmend derzeit eine Rolle in der queeren Gesundheitsaufklärung. Mit dem neuen Projekt „Q Collab“ setzt die Organisation Mpact Global auf Influencer und Content-Creator, um Themen wie HIV-Prävention, PrEP, mentale Gesundheit und Sexualität direkt an queere und homosexuelle Zielgruppen zu vermitteln
Das Wichtigste im Überblick
- Die Organisation Mpact Global startet mit „Q Collab“ eine neue Initiative zur sexuellen Gesundheitsaufklärung.
- Erwachsene Content-Creator sollen queerem und homosexuellem Publikum Informationen zu PrEP, HIV-Prävention und mentaler Gesundheit vermitteln.
- Nach Angaben der Organisatoren erreicht das Projekt in Europa und Lateinamerika mehr als sechs Millionen Menschen.
- Die Kampagne setzt bewusst auf offene Gespräche über Sexualität, Lust und Selbstbestimmung statt auf Angstbotschaften.
- Die Inhalte sollen im Juli bei der Internationalen AIDS-Konferenz in Rio de Janeiro weltweit veröffentlicht werden.
Enorme Reichweite
Nach Angaben der Organisatoren beteiligen sich Creator aus Europa und Lateinamerika mit einer gemeinsamen Reichweite von mehr als sechs Millionen Followern. Ziel sei es, Menschen dort anzusprechen, wo klassische Gesundheitskampagnen häufig nicht mehr durchdringen. „Traditionelle Kampagnen können manchmal institutionell oder losgelöst von den Lebensrealitäten der Menschen wirken“, sagte Creator Justin Jett. Als Content-Creator habe man bereits eine persönliche Verbindung zum Publikum aufgebaut. „Menschen sehen uns offen über unser Leben, unsere Körper, unsere Schwierigkeiten und Erfahrungen sprechen – dadurch besteht bereits Vertrauen.“
Die Initiative setzt dabei bewusst auf eine andere Tonalität als frühere HIV-Präventionskampagnen. „Zu oft waren HIV-Präventionskampagnen auf Angst oder Risiko fokussiert“, sagte Alex Garner. Jahrzehntelang habe es vor allem angstbasierte Botschaften gegeben, die sich teilweise als kontraproduktiv erwiesen hätten. Stattdessen wolle „Q Collab“ Sexualität mit Themen wie Lust, Nähe und Selbstbestimmung verbinden. „Sex dreht sich um Vergnügen, Intimität und Verbindung – und wir wollen Sexualität in den Mittelpunkt stellen“, erklärte Garner. Menschen sollten informierte Entscheidungen über ihre sexuelle Gesundheit treffen können, „ohne Schuld- oder Schamgefühle“.
Entstigmatisierung von Sexarbeit
Nach Einschätzung der Organisatoren eignen sich Creator aus dem Bereich Erwachsenenunterhaltung besonders für solche Kampagnen, weil sie bereits offen über Sexualität kommunizieren und große Reichweiten in queeren und homosexuellen Communitys besitzen. „Sie verfügen über einzigartige Fähigkeiten, online mit Menschen zu sprechen, Aufmerksamkeit zu erzeugen und gleichzeitig authentisch und sexy zu wirken“, sagte Garner.
Die Initiative versteht sich auch als Beitrag zur Entstigmatisierung von Sexarbeit. „Sexarbeit ist Arbeit“, sagte Garner. Sexarbeiter seien Teil der Community, deren Bedürfnisse und Probleme berücksichtigt werden müssten. Justin Jett verwies zudem auf bestehende Vorurteile innerhalb der Community selbst. „Es gibt immer noch Verurteilungen gegenüber Sexarbeitern oder Adult-Creatorn, obwohl queere Geschichte immer eng mit sexueller Befreiung und dem Hinterfragen gesellschaftlicher Normen verbunden war“, sagte er. Gleichzeitig beobachte er jedoch einen Wandel. „Viele Menschen beginnen zu verstehen, dass Adult-Creator vielschichtige Menschen sind“, sagte Jett. Viele seien gebildet, kreativ und führten ein Leben jenseits dessen, was Zuschauer online sähen.
Authentizität ist wichtig
Ein zentrales Element der Kampagne sei Authentizität. Laut Garner erhalten die Beteiligten keine fertigen Skripte. Stattdessen würden die Inhalte gemeinsam entwickelt. „Wir arbeiten mit den Adult-Content-Creatorn zusammen, damit sie die Fakten verstehen“, erklärte er. So entstünden Inhalte, die sowohl korrekt als auch glaubwürdig seien. Für Jett hat diese Offenheit auch persönliche Bedeutung. Er wuchs nach eigenen Angaben in einem konservativ-katholischen Umfeld in Mexiko auf, in dem Sexualität häufig mit Scham verbunden gewesen sei. „Authentizität beginnt mit Ehrlichkeit und Verletzlichkeit“, sagte er.
Viele Rückmeldungen seiner Follower zeigten ihm, wie wichtig offene Gespräche über HIV, PrEP oder psychische Gesundheit seien. Einige hätten ihm geschrieben, dass sie durch solche Inhalte erstmals Gespräche begonnen hätten, vor denen sie zuvor Angst gehabt hätten. Das Projekt brachte bereits Creator in Brasilien und Barcelona zusammen. Diskutiert wurden unter anderem Gesundheitsversorgung, Migration, Stigmatisierung, Arbeitsbedingungen und mentale Gesundheit. Zu den Beteiligten zählen unter anderem Gabriel Antonio, Markin Wolf, Léo, G del Diablo, Pixie Pixie, Faybian Grizzle, Tony Silver und Daniel Shoneye.
Der internationale Start der Kampagne ist für Juli bei der Internationalen AIDS-Konferenz in Rio de Janeiro geplant. Langfristig gehe es nicht nur um Aufklärung, sondern auch um stärkere Netzwerke innerhalb der queeren Community, sagte Garner. „Es geht darum, unsere Community zu erweitern, Stimmen sichtbarer zu machen und gemeinsam bessere Bedingungen für queere Menschen weltweit zu schaffen.“