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Landesweite Zensur in den USA

Landesweite Zensur in den USA Werden an staatlichen US-Schulen LGBTIQ+-Bücher verboten?

ms - 14.04.2026 - 13:00 Uhr
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Landesweite Petition gegen Buchverbote in den USA: Nachdem der Ausschuss für Bildung und Arbeitsmarkt des US-Repräsentantenhauses den Gesetzesentwurf HR 7661 immer weiter vorantreibt, regt sich nun massiver Widerstand. Das angedachte Gesetz sieht vor, dass Bundesmittel für Schulen und Bibliotheken landesweit gestrichen werden, wenn in deren Beständen Materialien gefunden werden, die als „sexuell orientiert“ eingestuft werden. Der Gesetzesentwurf, der von seinen Unterstützern als „Stop the Sexualization of Children Act“ bezeichnet wird, zielt darauf ab, die Nutzung von solchen Materialien in öffentlichen Schulen ganz zu unterbinden. Dabei wird im Grundsatz alles im Bereich LGBTIQ+ als fragwürdig und sexuell eingestuft, vom Sachbuch bis zum seriösen Ratgeber. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der US-Ausschuss für Bildung und Arbeitsmarkt treibt den Gesetzesentwurf HR 7661 immer weiter voran, der den Einsatz von Bundesmitteln in Schulen verbieten soll, wenn dort angeblich „sexuell orientierte Materialien“ verfügbar sind.
  • Der Gesetzesentwurf zielt darauf ab, Bücher und Materialien aus Schulen zu verbannen, die als unangemessen angesehen werden, um Kinder vor „sexueller Orientierung“ zu schützen. Insbesondere im Fokus stehen dabei alle LGBTIQ+-Themen. 
  • Gegner des Gesetzes, darunter die American Library Association, warnen vor negativen Auswirkungen auf die Bildung und das Recht auf freie Lektüre. In einer gemeinsamen Petition mit queeren Verbänden fordern sie das Ende des Gesetzesvorhabens. 

US-Kongressausschuss unterstützt Gesetzesentwurf

Das Gesetz würde das „Elementary and Secondary Education Act von 1965“ ändern, welches die Hauptquelle für Bundesmittel im Bildungsbereich darstellt und darauf abzielt, die akademischen Ergebnisse von benachteiligten Schülern zu verbessern. Nach der letzten Sitzung des Ausschusses erklärte der Vorsitzende Tim Walberg aus Michigan: „Die Ausschussaktion bringt ein starkes Paket von vernünftigen Reformen voran, um Schüler, Steuerzahler und die Integrität unserer Institutionen zu schützen.“ Walberg fügte hinzu, dass das von der Kongressabgeordneten Mary Miller aus Illinois eingebrachte Gesetz „Kinder vor unangemessenem Inhalt im Klassenzimmer“ schützen werde.

Gegner warnen vor Einschränkung der Bildung

Im März 2026 äußerte bereits Sam Helmick, Präsident der American Library Association (ALA), scharfe Kritik an der Weiterentwicklung des Gesetzes und bezeichnete es als einen „umfassenden Versuch, die Bildung von Schülern zu ersticken und Mittel aus den Schulen des Landes zu stehlen“. Helmick erklärte, dass „Vertreter beider Parteien Bedenken über die vage, verwirrende und zu weit gefasste Sprache im Gesetz erhoben“ hätten und dass HR 7661 „nicht ein Gesetz des Landes werden sollte, einer Nation, die die Bürgerrechte schätzt und sich gegen staatliche Zensur stellt.“

Die ALA fordert die Bürger auf, ihre Abgeordneten zu kontaktieren und den „Right to Read Act“ zu unterstützen, der im Dezember sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat eingebracht wurde. Auch die Organisation EveryLibrary lehnt HR 7661 sowie jegliche bundesgesetzliche Regelung ab, die Bildungsfinanzierungen an die Einschränkung von Büchern und Materialien knüpft, die Schulen den Schülern zugänglich machen dürfen. Mehrere queere Verbände wie GLAAD haben sich in einer Petition der Kritik angeschlossen und fordern alle Mitglieder der queeren Community auf, aktiv gegen das Gesetzesvorhaben vorzugehen. 

Bildungspolitik oder Zensur?

Kritiker des Gesetzes weisen darauf hin, dass dieser Entwurf die US-Regierung in eine Position versetzen würde, in der sie entscheiden kann, was junge Menschen lesen dürfen. Dies würde durch die Drohung geschehen, Gelder zu kürzen, wenn bestimmte Themen oder Perspektiven in den Beständen von Schulen auftauchen. Laut Gegnern stellt dies keine Bildungspolitik dar, sondern einen Eingriff des Bundes in lokale Entscheidungsprozesse und eine direkte Herausforderung der Freiheit zu lesen.

Öffentliche Schulen und Bibliotheken sollten laut den Kritikern einen breiten Zugang zu Wissen, Ideen und unterschiedlichen Perspektiven bieten. Pädagogen, Bibliothekare und lokale Gemeinschaften seien am besten in der Lage, fundierte Entscheidungen über altersgerechte Materialien zu treffen. Ein zentraler Erlass aus Washington untergrabe dabei das professionelle Urteilsvermögen und schüchtere die intellektuelle Freiheit auf nationaler Ebene ein.

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