Wichtiger Appell an Meta Brillen-Gesichtserkennung bedroht LGBTIQ+-Community
Eine Koalition von mehr als 70 LGBTIQ+-Organisationen fordert Meta, die sogenannte „Name Tag“-Gesichtserkennungsfunktion auf den Ray-Ban-Smartglasses zu stoppen. Die Gruppen, darunter auch die American Civil Liberties Union (ACLU) und das Electronic Privacy Information Center (EPIC), warnen vor den Gefahren der neuen Technologie, die es potenziell Personen mit Missbrauchsabsichten, Stalkern und sogar Bundesbehörden ermöglichen würde, Personen in der Öffentlichkeit heimlich zu identifizieren.
Das Wichtigste im Überblick
- Über 70 LGBTIQ+-Gruppen fordern Meta auf, die Einführung der „Name Tag“-Gesichtserkennungsfunktion auf den Ray-Ban-Smartglasses zu stoppen.
- Die Funktion könnte es Stalkern, Kriminellen und Bundesbehörden ermöglichen, Personen in der Öffentlichkeit zu identifizieren und zu belästigen.
- Die Koalition verlangt von Meta, Fälle offenzulegen, in denen die Technologie für Stalking oder Gewalt bereits missbraucht wurde, und sich mit Datenschützern und Zivilgesellschaft zu beraten, bevor Biometrie-Technologie eingesetzt wird.
Gesichtserkennungsfunktion stoppen
Die „Name Tag“-Funktion soll es Nutzern der Smartglasses ermöglichen, Informationen über Personen in ihrem Blickfeld abzurufen. Eine Version der Funktion würde nur Personen identifizieren, mit denen der Träger bereits auf einer Meta-Plattform verbunden ist. Eine erweiterte Version würde es den Nutzern ermöglichen, jede Person zu identifizieren, die ein öffentliches Profil auf einem Meta-Netzwerk hat.
In einem Brief an Meta-Chef Mark Zuckerberg erklärt das Bündnis, dass das Gesichtserkennungsprogramm den betroffenen Personen keine Möglichkeit zur Verweigerung der Identifikation gebe. „Dieses primäre Problem des Name-Tag-Programms kann nicht durch Produktdesign-Änderungen, Opt-out-Mechanismen oder schrittweise Schutzmaßnahmen gelöst werden“, heißt es in dem Schreiben.
Offenlegung der Missbrauchs-Fälle
Die Gruppen fordern daher von Meta, alle Fälle offenzulegen, in denen die Technologie für Stalking, Belästigung oder häusliche Gewalt bereits missbraucht wurde. Zudem verlangen sie, dass das Unternehmen alle Gespräche mit Bundesbehörden, die mit Einwanderung und nationaler Sicherheit befasst sind, offenlegt. Schließlich fordern die Organisationen, dass Meta sich mit Zivilgesellschaft und unabhängigen Datenschutzexperten berät, bevor Biometrie-Technologie in ihre Geräte integriert wird. Biometrische Identifikation, wie sie in den Smartglasses verwendet wird, erkennt Personen anhand von biologischen oder Verhaltensmerkmalen wie Gesichtszügen oder Fingerabdrücken.
„Unethisches Produkt“
Die Koalition kritisiert auch, dass Meta versuche, die Gesichtserkennungstechnologie unter dem „Nebel“ der aktuellen politischen Lage einzuführen. Sie beschuldigen das Unternehmen, ein unethisches Produkt auf den Markt bringen zu wollen, ohne dass es genügend öffentliche Diskussion oder rechtliche Überprüfung gibt. „Menschen sollten ohne Angst durchs Leben gehen können, dass Stalker, missbrauchsbereite Täter oder Behörden ihre Identität in der Öffentlichkeit erkennen und sie auf Grundlage öffentlicher Daten verfolgen“, heißt es in dem Brief.
Die Koalition verweist überdies auf Studien, die zeigen, dass LGBTIQ+-Menschen deutlich häufiger Opfer von Gewalt und Diskriminierung werden. So werden sie laut der ACLU bis zu sechsmal häufiger von der Polizei in öffentlichen Räumen angehalten als die Allgemeinbevölkerung. Kritiker warnen daher, dass die Einführung solcher Technologien die Privatsphäre in öffentlichen Räumen zerstören könnte, was zu einer verstärkten Überwachung und Diskriminierung von vulnerablen Gruppen führen würde.