LGBTIQ+-Literatur unter Druck US-Verlagsbranche hat Angst vor Anfeindungen
Die politische Stimmung in den USA beeinflusst zunehmend die Buchbranche, besonders die Veröffentlichung von LGBTIQ+-Geschichten. Inmitten eines Anstiegs von Buchverboten und der politischen Agenda der Trump-Administration sehen sich Autoren, Verlage und Literaturagenten mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontiert, homosexuelle und queere Bücher, insbesondere für junge Leser, zu veröffentlichen. Die Rückendeckung von Buch-Verboten in US-Bundesstaaten seitens des Supreme Courts Ende 2025 hat die Lage in den letzten Wochen nun noch weiter verschärft.
Immer mehr LGBTIQ+-Buchverbote
Viele Autoren und Verlage berichten, dass es immer schwieriger wird, queere und homosexuelle Literatur zu veröffentlichen. Die zunehmenden Buchverbote in den USA tragen nebst der politischen Gesamtstimmung zu dieser Entwicklung dazu bei, im Schuljahr 2025 wurden landesweit 6.870 Buchverbote ausgesprochen, ein Großteil davon betraf LGBTIQ+-Literatur. Laut der Schriftsteller-Organisation PEN America ist die amerikanische Buchzensur inzwischen „allgegenwärtig und weit verbreitet“, gerade LGBTIQ+-Bücher für Jugendliche und junge Erwachsene sind besonders stark betroffen. Die American Library Association (ALA) stellte dabei fest, dass sieben der zehn häufigsten verbotenen Bücher im vergangenen Jahr LGBTIQ+-Charaktere beinhalteten.
Verlage ziehen sich zurück
Die renommierte Literaturagentin Rebecca Podos erklärte unlängst, dass sie vor kurzem erstmals Absagen von Verlagen erhalten habe, die explizit angegeben hätten, dass es aufgrund der aktuellen Buchverbote und kulturellen Bedenken schwierig sei, queere Geschichten zu veröffentlichen. „Es fühlt sich an, als wäre dies der erste Schritt zurück, dass Verlage jetzt besorgt sind, nicht genug Leser zu erreichen, weil queere Inhalte zunehmend auf Widerstand stoßen“, so Podos.
Auch die bekannte queere Adult-Autorin Dahlia Adler berichtete online von Veränderungen in der Verlagslandschaft. Sie erklärte, dass Verlage dazu tendieren würden, „sich für sicherere, weniger kontroverse Bücher zu entscheiden, die nicht verboten werden“. Queere Geschichten würden von Verlagen zunehmend nicht mehr offensiv beworben, sondern eher, wenn überhaupt noch, im Verborgenen veröffentlicht, um der Kontroverse zu entgehen. „Ich habe das Gefühl, dass die Verlage nicht unbedingt aufhören, solche Bücher zu kaufen, aber sie schweigen lieber darüber, dass sie es tun.“
Vergleich mit Buchverbrennungen
Homosexuelle und queere Autoren warnen dabei auch vor den negativen Auswirkungen von Buchverboten auf die psychische Gesundheit junger Menschen, die mit ihrer Identität zu kämpfen haben. Owl Fisher, ein schwuler britischer Autor, erklärte: „Wenn du niemanden siehst, der wie du ist, oder nur negative Darstellungen von Menschen wie dir siehst, wirst du diese Schuld und Scham in dich aufnehmen. Das ist schädlich für die psychische Gesundheit.“ Fisher, der selbst in der Zeit von Section 28 aufwuchs – einer britischen Gesetzgebung, die homosexuelle Themen in Schulen verbot – verglich die aktuellen Zensurversuche mit den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten vor fast 90 Jahren. „Bücher mit LGBTIQ+-Themen zu verbieten, erinnert an die Zerstörung bedeutender Texte durch die Nazis.“