Meldestelle in Niedersachsen Attacken sind "Alarmzeichen für unsere Gesellschaft"
In Niedersachsen können queerfeindliche Vorfälle ab sofort erstmals über eine zentrale zivilgesellschaftliche Stelle gemeldet und dokumentiert werden. Das Queere Netzwerk Niedersachsen (QNN) hat dafür die Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit (MIQ) eingerichtet, wie das Sozialministerium und das Netzwerk mitteilten. Die Hasskriminalität gegen LGBTIQ+-Menschen hat sich seit 2020 im Bundesland fest versechsfacht.
Das Wichtigste im Überblick
- In Niedersachsen ist erstmals eine zentrale Meldestelle für queerfeindliche Vorfälle gestartet.
- Ziel ist es, Ausmaß und Formen von Queerfeindlichkeit sichtbar zu machen und Betroffene zu unterstützen.
- Sozialminister Andreas Philippi (SPD) spricht von einem „Alarmzeichen für unsere Gesellschaft“.
- Meldungen können anonym online oder per Handy erfolgen.
Transparenz bei Queerfeindlichkeit
Die neue Struktur soll dazu beitragen, Ausmaß und Erscheinungsformen von Queerfeindlichkeit transparenter zu machen und Betroffene bei der Suche nach Unterstützung zu begleiten. Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi (SPD) wertete die zunehmenden Angriffe als „Alarmzeichen für unsere Gesellschaft“.
Wenn Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität attackiert würden, habe dies Auswirkungen auf das demokratische Zusammenleben, erklärte Philippi. Die Meldestelle leiste einen wichtigen Beitrag, indem sie Vorfälle systematisch erfasse und zugleich einen geschützten, anonymen Raum für Betroffene bereitstelle. Auch das Queere Netzwerk Niedersachsen sieht erheblichen Handlungsbedarf. „Viele Vorfälle werden nicht angezeigt und bleiben unsichtbar“, sagte Vorständin Lisa Kühn. Mit der neuen Einrichtung werde eine niedrigschwellige Möglichkeit geschaffen, Erfahrungen zu melden und zu dokumentieren. Nur mit einem verlässlichen Lagebild ließen sich wirksame Präventionsmaßnahmen entwickeln.
Online oder per Telefon
Nach Angaben der Initiatoren können Vorfälle aus ganz Niedersachsen sowohl über ein Online-Formular als auch über ein spezielles Meldehandy gemeldet werden. Erfasst werden dabei sowohl Geschehnisse im Internet als auch im Alltag – von diskriminierenden Äußerungen bis hin zu körperlicher Gewalt. Die Meldungen können anonym abgegeben werden und werden unter hohen Datenschutzstandards ausgewertet, um Entwicklungen und Muster sichtbar zu machen. Betroffene haben zudem die Möglichkeit, im Zuge einer Meldung eine einmalige Verweisberatung zu weiteren Unterstützungsangeboten zu erhalten. Auf Wunsch sollen anonymisierte Berichte einzelner Vorfälle in einer Chronik auf der Website veröffentlicht werden. Die Meldestelle wird durch das niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung gefördert.