Entschuldigung von Charles III Queere Aktivisten wünschen sich ein Signal für Commonwealth-Staaten
Vor der Westminster Abbey haben queere Aktivisten während des Commonwealth-Gottesdienstes für die Rechte queerer Menschen demonstriert, organisiert von der Peter Tatchell Foundation gemeinsam mit weiteren Partnerorganisationen. Unter den Teilnehmern befanden sich auch LGBTIQ+-Aktivisten aus Ländern wie Uganda und Bangladesch, die auf die Situation von homosexuellen Personen in ihren Heimatstaaten aufmerksam machen wollten. Im Kern fordern die Aktivisten eine offizielle Entschuldung von König Charles III.
Ein Sorry vom König
Der Commonwealth ist ein Zusammenschluss von derzeit 56 Staaten, die überwiegend ehemalige britische Kolonien sind. In mehr als der Hälfte dieser Länder – insgesamt 29 – sind homosexuelle Beziehungen bis heute strafbar. Die entsprechenden Gesetze gehen nach Ansicht der Aktivisten auf Regelungen aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft zurück. In sechs dieser Staaten können gleichgeschlechtliche Beziehungen noch immer mit lebenslanger Haft bestraft werden.
Die Demonstranten, darunter auch Peter Tatchell selbst, riefen König Charles dazu auf, sich öffentlich bei der LGBTIQ-Community zu entschuldigen und moralische Führungsstärke zu zeigen. In einem offenen Brief forderte Tatchell den Monarchen außerdem dazu auf, anzuerkennen, dass Großbritannien diese Gesetze eingeführt habe, und sein Bedauern über die daraus entstandenen Folgen auszudrücken.
Signal an andere Staaten
Nach Ansicht der Aktivisten könnte eine solche Erklärung auch ein Signal an jene Commonwealth-Staaten senden, in denen entsprechende Gesetze weiterhin gelten. Eine Entschuldigung würde verdeutlichen, dass die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen kein traditionelles moralisches Erbe dieser Länder sei, sondern auf die koloniale Vergangenheit zurückgehe. Gleichzeitig betonten die Initiatoren, dass damit keine politische Vorgabe an die betroffenen Staaten verbunden wäre, sondern ein Umfeld geschaffen werden solle, in dem diese ihre Gesetze eigenständig ändern könnten.
Auch die Organisation Human Dignity Trust sieht Handlungsbedarf. Im Vorfeld des Gottesdienstes wies sie darauf hin, dass einige Staaten wie Ghana, Nigeria oder Uganda die aus der Kolonialzeit stammenden Gesetze derzeit sogar weiter verschärften, darüber diskutierten oder bereits wie in Uganda drakonische Strafen bis hin zur Todesstrafe eingeführt haben. Ziel der beteiligten Organisationen ist es, die Abschaffung dieser Regelungen zu erreichen. Eine Stellungnahme von König Charles III. liegt bislang nicht vor.