Konservative Schwule Gerüchte um eine neue Parteigründung in Italien
In Italien sorgt derzeit eine Debatte um eine angedachte „Partei der konservativen Gays“ für Aufsehen. Im Mittelpunkt steht dabei Francesca Pascale, die langjährige Ex-Lebensgefährtin des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und heutige Homosexuellen-Aktivistin.
Kämpferin für die Community
Pascale setzt sich seit vielen Jahren für die Rechte von Homosexuellen und queeren Menschen ein, gründete eine Vereinigung gegen Gewalt an Frauen und zur Förderung der Rechte nicht-heterosexueller Menschen. Privat ist sie seit Juli 2022 mit der Musikerin Paola Turci zivilrechtlich verbunden. In der italienischen Öffentlichkeit tritt sie heute als politisch und gesellschaftlich aktive Persönlichkeit auf, die trotz ihrer Vergangenheit in konservativen Kreisen insbesondere progressive Themen wie Gleichberechtigung und Menschenrechte unterstützt.
Auslöser der aktuellen Diskussion war ein ironisch formulierter Kommentar in der Huffington Post, der nahelegte, dass Pascale bereit sei für eine Parteigründung, sie selbst bestreitet indes bis jetzt alle Spekulationen. Der Begeisterung für diese Idee hat dies allerdings in Italien bisher offenbar nicht geschadet, noch dazu, wo Pascale sich derzeit trotzdem aktiv für homosexuelle Konservative einsetzt, im Juni ist sie bei einer Veranstaltung in Neapel zu Gast, die den Titel „Gay Conservatori“ trägt. Plant die Aktivistin also vielleicht doch mehr, als sie derzeit zugeben will?
Spannungen in der Community
Die Debatte fällt in Italien zumindest auf sehr fruchtbaren Boden, denn seit Monaten berichten italienische Medien immer wieder von deutlichen Spannungen innerhalb der LGBTIQ+-Community. Derzeitiger Fokus lieg auf dem Pride in Neapel, wo sich etablierte Organisationen wie Antinoo Arcigay Napoli und queer-aktivistische Gruppen scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen. Ein Streitpunkt dabei ist die Israel-Frage – während die schwul-lesbischen Verbände den Staat unterstützen, lehnen die queeren Gruppen diesen mehrheitlich ab.
Pascale selbst scheint zudem in Italien außerdem ein Grund für Streitigkeiten zu sein. Während Schwule, Lesben und Bisexuelle ihr zumeist zugetan sind, kritisieren queere Aktivisten ihre Politik. Pascale sind Bürgerrechte und individuelle Freiheiten wichtig, zudem stellt sie sich „gegen die sogenannte woke Propaganda“. Ist also doch die Planung einer Partei angedacht? Die Organisatoren der „Gay Conservatori“ betonten, dass derzeit zwar keine Partei existiere, aber: „Es wird nicht ausgeschlossen, dass sich diese Realität in Zukunft zu einer strukturierten politischen Formation entwickeln könnte.“