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Schmutzkampagne in Ungarn? Vermeintlicher Sexskandal als Angriff auf die Opposition?

Von ms - 12.02.2026 - 14:00 Uhr
Schmutzkampagne in Ungarn?
Foto: IMAGO / NurPhoto
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In Ungarn sorgt eine mutmaßliche Schmutzkampagne gegen führende Vertreter der Opposition für politische Spannungen. Auslöser ist eine neu aufgetauchte Internetseite, die den Namen eines bekannten Oppositionspolitikers trägt – darauf ist ein Video mit einem leeren Raum zu sehen. Laut den ungarischen Medien kursiere allerdings ein angebliches Sex-Video aus diesem Raum, in dem Theaterregisseur und Politiker Márk Radnai und Oppositionsführer Péter Magyar bei einer „schwulen Orgie“ zu sehen sein sollen. Belege dafür wurden bisher nicht veröffentlicht.

Magyar geht auf Konfrontationskurs 

Magyar, Gründer der Oppositionspartei TISZA („Respekt und Freiheit“), reagierte noch am selben Tag in sozialen Netzwerken und äußerte die Vermutung, dass es sich um eine manipulierte Aufnahme handeln oder das Material mit geheimdienstlichen Methoden erstellt worden sein könnte. Zugleich wies er mögliche Erpressungsversuche zurück. „Ihr Feiglinge von Fidesz, nur zu, enthüllt alles, verfälscht es nach Belieben, ich werde mich weder erpressen noch bedrohen lassen“, so Magyar. Er habe nichts zu verbergen: „Ja, ich bin ein 45-jähriger Mann und habe ein regelmäßiges Sexualleben mit einer erwachsenen Partnerin.“

Mit Blick auf seine Familie äußerte sich der Politiker besorgt. Seine drei minderjährigen Kinder aus der Ehe mit der früheren Fidesz-Justizministerin Judit Varga würden offenbar nicht geschont. „Diejenigen, die ständig von christlichen Familienwerten sprechen, setzen Kinder rücksichtslos dieser Hetze aus“, erklärte er und warf der Regierung Doppelmoral vor.

Theaterregisseur wehrt sich ebenso

Auch Radnai, der stellvertretender Vorsitzender von TISZA ist, bezog Stellung zu den Unterstellungen. Er kenne den auf der Website gezeigten Raum nicht: „Ich bin in den letzten Jahren oft umgezogen, aber dieser Raum gehört zu keiner meiner Wohnungen.“ Seit Monaten kursierten immer wieder Gerüchte, mit denen versucht werde, ihn durch angebliche homosexuelle Beziehungen zu diskreditieren. „Ich bin nicht homophob“, betonte Radnai. „Ich habe deshalb bislang bewusst nicht auf diese Spekulationen reagiert.“ Es gebe kein privates Material, das irgendeinen öffentlichen Relevanzanspruch erfüllen könne. Alles, was veröffentlicht werde, könne er umgehend widerlegen.

Krise im Umkreis von Orbán

Queere Aktivisten vor Ort und vereinzelt einige Medien verweisen dabei auf den möglichen politischen Hintergrund: Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán verfolgt seit Jahren einen restriktiven Kurs gegenüber LGBTIQ+, der zuletzt 2025 im Verbot von Pride-Paraden gipfelte. Das 2021 verabschiedete  Anti-Homosexuellen-Gesetz schränkt überdies die „Darstellung von Homosexualität“ in Bildungseinrichtungen und Medien ein. Die Europäische Union leitete deshalb mehrfach Vertragsverletzungsverfahren ein, bisher ohne tatsächliche Konsequenzen. 

In diesem gesellschaftlichen Klima könne bereits die Andeutung gleichgeschlechtlicher Beziehungen zur politischen Waffe werden, heißt es von queeren Aktivisten online. Solche Strategien zielten darauf ab, politische Gegner persönlich zu beschädigen und einzuschüchtern, noch dazu so kurz vor den Parlamentswahlen im April in Ungarn. Das große Problem für Orbán derzeit: Seine Fidesz-Partei liegt in den jüngsten Umfragen bei gut 41 Prozent, während Magyars TISZA-Partei aktuell über 46 Prozent der Wähler hinter sich vereint. Bleibt es dabei, würde Ungarn einen neuen Ministerpräsidenten bekommen. So ist es gut denkbar, dass der vermeintliche Videosex-Skandal nur eine letzte verzweifelte Aktion Orbáns für den eigenen Machterhalt darstellt. 

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