Homophobe Schmähungen LGBTIQ+-Fanvertreter bei Fußball-Spiel verbal attackiert
Die Gründer einer LGBTIQ+-Faninitiative des englischen Fußballclubs Leeds United sind bei einem Premier-League-Spiel homophob beleidigt worden und mussten daraufhin das Stadion vorzeitig verlassen. Die verbale Attacke ereignete sich beim Auswärtsspiel von Leeds United gegen Brighton & Hove Albion am 1. November im Stadion des Südküstenclubs in Falmer – erst jetzt wurde der Vorfall publik.
Homophobe Beleidigungen
Andrew Tilly und Drew Harrison hatten 2017 die Gruppe „Marching Out Together“ gegründet, die als offizielle LGBTIQ+-Supporter-Organisation von Leeds United gilt. Nach Angaben von Tilly wurden die beiden während der Partie von einem anderen Zuschauer verbal angegriffen. „Da war ein Mann hinter uns mit seinem kleinen Sohn – schon schockierend, dass er mit seinem Sohn dort war –, der während des Spiels eine Reihe homophober Bemerkungen machte“, sagte Tilly im „Football vs. Homophobia“ Podcast. Zu den Äußerungen gehörten demnach Gesänge, in denen Brighton-Fans als „queere Bastards“ bezeichnet wurden, sowie Schmähungen gegen Brightons Stürmer Danny Welbeck.
Tilly zufolge sprach er den Mann auf dessen Verhalten an. „Ich habe ihn darauf angesprochen und gesagt, dass seine Bemerkungen inakzeptabel sind. Er war offensichtlich wütend und machte dann einfach mit seinen Gesängen weiter.“ Nach einem Tor für Brighton habe der Mann gefragt, warum Tilly nicht mitjubelte, und ihn als „einer von denen“ bezeichnet sowie weitere homophobe Bemerkungen gemacht. „Mein Freund fühlte sich so eingeschüchtert, dass er sagte, er wolle das Stadion verlassen. Also entschieden wir uns zu gehen“, erklärte Tilly weiter. Beim Verlassen des Blocks hätten mehrere umstehende Fans jedoch erklärt, dass sie nicht hätten gehen müssen. Diese beschrieb Tilly als „wirklich anständige Menschen“.
Meldung bei der Polizei
Ein Zuschauer habe sich später bei „Marching Out Together“ gemeldet, seine Empörung über den Vorfall ausgedrückt und angeboten, eine Zeugenaussage zu machen, um ein mögliches Stadionverbot für den betreffenden Fan zu unterstützen. Tilly meldete den Vorfall nach eigenen Angaben bei einem Polizeibeamten im Stadion, kontaktierte die Vorfall-Hotline von Brighton & Hove Albion und informierte zudem Leeds United sowie den Sicherheitsbeauftragten des Clubs. In den Monaten danach habe es jedoch kaum Rückmeldungen von der Polizei in West Yorkshire, der Polizei von Sussex oder von den Vereinen gegeben.
„Enttäuschend ist, dass das Menschen künftig davon abhält, Vorfälle zu melden“, sagte Tilly. „Wenn dem Ganzen nicht nachgegangen wird, was bringt es dann?“ Strafverfolgung sei in bestimmten Fällen angemessen, könne sich jedoch lange hinziehen und sei schwer durchzusetzen. „Für die Vereine ist es viel einfacher, Entscheidungen zu treffen.“
Fast 1.400 Vorfälle in einer Saison
Nach Angaben der Antidiskriminierungskampagne Kick It Out ist die Zahl gemeldeter Diskriminierungsvorfälle im englischen Fußball zuletzt stark gestiegen. In der Saison 2024/25 wurden demnach 1.398 Vorfälle im Profibereich, im Amateurfußball und in sozialen Medien registriert. Besonders stark nahmen Sexismus und Homophobie zu.
Der englische Fußballverband FA geht seit einigen Jahren verstärkt gegen homophobe Gesänge in Stadien vor. Bereits 2023 kündigte der Verband an, Vereine in der Premier League und anderen Ligen mit Geldstrafen oder formellen Disziplinarmaßnahmen zu belegen, wenn entsprechende Sprechchöre angestimmt werden. Wolverhampton Wanderers wurde im Juli 2023 als erster Club wegen homophober Gesänge seiner Anhänger sanktioniert, weitere Vereine folgten. Eine abschreckende Wirkung auf homophobe Fans scheinen die bisherigen Maßnahmen aber wenig zu haben.