Direkt zum Inhalt

Social-Media-Verbot Erfassung aller Nutzer in der Bundesrepublik

Von ms - 06.02.2026 - 10:00 Uhr
Social-Media-Verbot in Deutschland
Foto: iStock / Dragon Claws
ANZEIGE
Loading audio player...

Die CDU erwägt ernsthaft ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke. Ein Verbot für Minderjährige hätte dabei die Registrierung aller Nutzer von sozialen Medien zur Folge, auch von Erwachsenen. Eine Gefahr besonders für marginalisierte Gruppen wie die LGBTIQ+-Community.

Kinderschutz mittels Altersverifikation 

Grundlage ist ein Antrag des CDU-Landesverbands Schleswig-Holstein für den Bundesparteitag Mitte Februar. Darin wird gefordert, den Zugang zu offenen Plattformen für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren zu beschränken und eine verpflichtende Altersverifikation einzuführen. In dem Antrag heißt es: „Ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für offene Plattformen, flankiert durch verpflichtende Altersverifikation, setzt eine klare Schutzgrenze und trägt den besonderen Entwicklungsbedarfen junger Menschen Rechnung.“ 

Ziel sei ein wirksamer Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Hass und Hetze, psychischem Druck, Mobbing sowie dem Einfluss schädlicher Inhalte im Internet. Genannt werden unter anderem die Plattformen TikTok, Instagram und Facebook. Als Orientierung verweist die CDU auf internationale Beispiele. Das australische Modell könne als „Vorbild für eine ähnliche Gesetzesinitiative in Deutschland dienen“. In Australien ist die Nutzung sozialer Medien für Kinder bis 16 Jahre untersagt, Plattformbetreiber sperrten dort nach Angaben der Antragsteller knapp fünf Millionen Konten. Auch in Frankreich hat das Parlament ein Social-Media-Verbot bis zum Alter von 15 Jahren beschlossen.

Unterstützung erhält der Vorstoß von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. „Ich bin für Social Media ab 16. Kinder haben ein Recht auf Kindheit. Wir müssen Kinder auch in der digitalen Welt vor Hass, Gewalt, Verbrechen und manipulativer Desinformation schützen. In sozialen Netzwerken sind sie Inhalten ausgeliefert, die sie nicht einordnen und verarbeiten können“, so Linnemann. Er warnte vor „verheerenden Folgen“ intensiver Online-Nutzung. Kinder, die viel im Netz unterwegs seien, „leiden zunehmend an Depressionen und Vereinsamung, die soziale Kompetenz nimmt ab. Denn wer nur noch im Netz das Sozialisieren erlernt, verlernt es in der Realität.“

Mehr Verantwortung der Anbieter

Neben Altersbeschränkungen fordert die CDU eine stärkere Verantwortung der Plattformbetreiber. Verlangt werden „mehr Verantwortung und Transparenz auf Plattformen“. Algorithmen müssten nachvollziehbar gestaltet werden, damit „Nutzerinnen und Nutzer wissen können, warum ihnen bestimmte Inhalte angezeigt werden“. Zudem spricht sich die Partei für eine Digitalabgabe großer Online-Plattformen sowie für eine Klarnamenpflicht aus. Diese schaffe „mehr Verbindlichkeit, erleichtert Rechtsdurchsetzung und stärkt das Vertrauen in digitale Diskurse“. Über den Antrag sollen die Delegierten auf dem CDU-Parteitag entscheiden. 

Massive Kritik am Vorhaben

Innerhalb der Ampel-Koalition stößt der Vorschlag auf Widerstand. Die SPD lehnt ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren überwiegend ab. Sie hält einen solchen Schritt für realitätsfern, rechtlich schwer umsetzbar und sieht darin einen Ausschluss von digitaler Teilhabe. Stattdessen setzt die Partei auf eine strengere Regulierung der Plattformen und einen verbesserten Jugendschutz. 

Auch zahlreiche Fachverbände wie unter anderem der Deutsche Lehrerverband, das Deutsche Kinderhilfswerk, die Bundesschülerkonferenz (BSK) oder auch die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) sprechen sich gegen ein Verbot für Jugendliche aus. Eine besondere Gefahr sehen queere Verbände darin, wie Nick Hampel vom queeren Jugendprojekt lambda.space bestätigt: „Ein Verbot von Social Media würde für viele queere junge Menschen Isolation und Einsamkeit bedeuten. Denn: Der digitale Raum ist inzwischen einer der wichtigsten Orte für queere Jugendliche, um sich zu vernetzen, auszutauschen und Freund*innen zu finden. Das liegt vor allem daran, dass es immer noch viel zu wenig Angebote im analogen Raum gibt.“

Angriff auf Grundrechte

Immer stärker kommt zudem die Kritik auf, dass eine Altersverifikation in der logischen Schlussfolgerung dann für alle Nutzer von sozialen Medien fällig würde – Anonymität würde damit der Vergangenheit angehören. Menschenrechtsverbände sehen einen solchen Schritt als gefährlich, insbesondere besteht auch hier ein erhöhtes Risiko für Gruppen wie der LGBTIQ+-Community, gerade auch für Menschen, die noch nicht geoutet sind. 

Auch von der politischen Opposition wird das Vorhaben kritisch gesehen, FDP-Politiker Wolfgang Kubicki erklärte: „Grundrechte gelten übrigens auch für Menschen unter 16 Jahren. Zudem treibt der Vorschlag Jugendliche geradewegs in unregulierte Foren und Chatgruppen, in denen Jugendschutz schlicht nicht existiert. Die CDU-Idee ist nicht nur unterkomplex, sondern gefährlich – und ein pauschaler, unverhältnismäßiger und nicht zu rechtfertigender Eingriff in die Grundrechte junger Menschen.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostHomophober Angriff in Berliner U-Bahnhof: Polizei sucht diese MännerNDR"Haltet euch fest": Frischer Roman über die Kraft des ZusammenhaltsWiener ZeitungTroye Sivan: Er ist gay! Gay! Gay! Gay!BILDKnutsch-Szenen auf dem Court - Wen küsst der Beckham-Spross hier?Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

177 Jahre nach seinem Tod

Die Debatte um seine Männerlieben

Am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin. Seine Briefe an Männer berühren bis heute – und sorgen weiter für Streit in der Forschung.
Teure Ausgrenzung

Japan verschenkt sein Potenzial

Lohneinbußen, Krankheit und fehlende Rechte: Ein neuer Bericht zeigt, welchen Preis Japan für die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen zahlt.
Revision nach Vergewaltigung

Trans* Polizistin ficht Hafturteil an

Trotz Geständnis und Verständigung: Maja S. legt Revision ein. Das Urteil aus Traunstein ist noch nicht rechtskräftig. Was jetzt geprüft wird.
Fahndung nach U-Bahn-Angriff

Schläge, Tritte und Beleidigungen

Zwei Männer sollen in Alt-Mariendorf einen 30-Jährigen homophob beleidigt und verletzt haben. Die Polizei veröffentlicht jetzt Fahndungsbilder.
Eine Sekunde für die Liebe

Schwule Männer im Zeitrausch

Die Schaltsekunde wird abgeschafft. Für schwule Männer beginnt damit eine neue Zeitrechnung – zwischen Grindr, Größenwahn und ganz großen Gefühlen.
Homophobie bei der WM

FIFA meldet Rekordzahlen

240.000 Hassnachrichten bei der Fußball-WM 2026: Besonders Frankreichs Nationalspieler wurden im Netz angefeindet, berichtet jetzt die FIFA.
Vom Eis zur Erotik

Ein verborgenes Fotoerbe

Roy Blakey war Eiskunstläufer und ein Pionier schwuler Fotografie. Nun erzählt seine Nichte von seinem außergewöhnlichen Leben und Werk.
Herbst für zwei

Kuscheln statt Sommerstress

Kalte Tage, warme Bäder und lange Abende: Warum der Herbst für schwule Männer die perfekte Zeit für Nähe zu zweit sein kann.
Überraschung bei „Whalefall“

Ein Wal, ein Vater, ein Geheimnis

Im neuen Survival-Thriller „Whalefall“ verändert eine kurze Frage die Vater-Sohn-Geschichte und eröffnet eine mögliche schwule Deutung.