Take That und schwule Jungs Neue Doku zeichnet die Anfänge in schwulen Clubs nach
Mit der Veröffentlichung einer neuen Dokumentation über Take That auf Netflix rückt auch das Verhältnis der britischen Popband zur schwulen Community wieder verstärkt in den Fokus, nachdem im letzten Jahr bereits Robbie Williams erklärt hatte, dass die Band und er ihren Erfolg maßgeblich schwulen Jungs zu verdanken haben. Die Gruppe, die in den 1990er-Jahren mit Hits wie „Pray“, „Relight My Fire“ und „Babe“ internationale Erfolge feierte, trat in ihren Anfängen in zahlreichen Schwulenbars auf – die britische Gay Community ebnete den Sängern den Weg zum Erfolg.
„Sie haben uns geliebt“
Take That bestanden ursprünglich aus Gary Barlow, Robbie Williams, Mark Owen, Jason Orange und Howard Donald. Nach dem Ausstieg von Williams 1995 löste sich die Band ein Jahr später auf, bevor sie 2005 ohne ihn zurückkehrte. 2010 kam es zu einer erneuten Wiedervereinigung mit Williams, später verließen sowohl er als auch Orange die Gruppe. Seither treten Barlow, Owen und Donald als Trio auf.
In der Netflix-Dokumentation erinnern sich die Musiker an ihre Anfänge in der schwulen Szene. „Sie haben uns geliebt“, so Mark Owen. Insgesamt galten die Bandmitglieder über Jahre hinweg als Verbündete der Gay Community. 2017 trat Take That kurzfristig auch beim Manchester Pride auf.
Schwulengerüchte und HIV-Engagement
Frontmann Gary Barlow engagiert sich seit 2014 als Schirmherr der Elton John AIDS Foundation. Zudem moderierte er mehrere Benefizveranstaltungen zugunsten der Organisation. Barlow trat außerdem bei der Woodside End of Summer Party auf, bei der Spenden gesammelt wurden, um 50.000 schwangere Frauen dabei zu unterstützen, eine HIV-Übertragung auf ihre Kinder zu verhindern.
Mark Owen erklärte bereits 1997 in einem Interview mit NME, es habe ihn nie gestört, für schwul gehalten zu werden. „Weil wir es eben nicht waren. Keinen von uns hat das interessiert, wir haben in Schwulenclubs angefangen, wir hatten damit kein Problem. Wir fanden das Geheimnisvolle gut – das hat uns in die Zeitungen gebracht“, so Owen.
Schwulenclubs als Safe Space
Robbie Williams äußerte sich wiederholt offen zu Spekulationen über seine sexuelle Orientierung. In einem Interview mit The Guardian im Jahr 2024 sprach er über einen Boulevardbericht aus dem Jahr 2004, in dem von einem angeblichen „geheimen schwulen Liebhaber“ die Rede war. „Ich habe alles getan – außer einen Schwanz zu lutschen“, so Williams. „Ehrlich gesagt habe ich noch nie jemanden getroffen, der so sehr schwul sein will wie ich. Man will ein Verbündeter sein und gleichzeitig seine eigene Authentizität und sein eigenes Leben schützen.“
Weiter sagte Williams: „Und wenn ich einen Schwanz lutschen will, dann mache ich das. Wer will mich verdammt noch mal davon abhalten? Meine Frau?“ Rückblickend beschrieb er die Zeit der Bandauftritte in Schwulenbars als prägend: „Es gab totale Akzeptanz, Humor und Ausgelassenheit. Und Sicherheit. Das nehme ich bis heute mit – es war ein unglaublich sicherer Ort, um aufzuwachsen.“
Donald und Orange
Howard Donald geriet 2023 indes in die Kritik, nachdem bekannt geworden war, dass er Beiträge in sozialen Netzwerken mit „Gefällt mir“ markiert hatte, die er später selbst als „abwertend gegenüber der LGBTIQ+-Community“ bezeichnete. Daraufhin wurde er vom Nottingham Pride Festival ausgeladen. Zu den Beiträgen zählten unter anderem Kritik an einer trans* inklusiven Kampagne gegen Periodenarmut, Forderungen nach finanziellen Konsequenzen für Disney nach einer Pride-Veranstaltung sowie Inhalte von Andrew Tate.
In einer Stellungnahme auf Instagram schrieb Donald: „Ich habe einen schweren Fehler begangen, indem ich Social-Media-Beiträge gelikt habe, die gegenüber der LGBTIQ+-Community abwertend waren, und dafür entschuldige ich mich zutiefst. Ich weiß, dass ich viele enttäuscht habe.“ Weiter erklärte er: „Ich bin sehr enttäuscht von mir selbst und es tut mir leid für jeden Schmerz, den ich durch meine uninformierten Handlungen verursacht habe. Ich habe offensichtlich viel zu lernen, und das hat für mich höchste Priorität.“
Über Jason Orange ist öffentlich bis heute wenig bekannt. Nach seinem Ausstieg aus der Band im Jahr 2014 erklärte er, es habe „keine Zerwürfnisse“ gegeben. Medienberichten zufolge zog er sich anschließend in die ländlichen Cotswolds zurück und arbeitet inzwischen sehr erfolgreich als Immobilienmakler.