Ende der Party Tucson Pride stellt nach fast 50 Jahren Betrieb ein
Entsetzen in der ganzen LGBTIQ+-Community Amerikas: Der Tucson Pride, die älteste und größte Pride-Organisation der Region, stellt ihre Arbeit ein. Dies gab der Vorstand der Organisation jetzt bekannt. Die Schließung erfolgt nach fast 50 Jahren, in denen das Event die queere Gemeinschaft im Süden Arizonas unterstützt hatte. Der Riss innerhalb ist groß, denn das Ende des altehrwürdigen CSDs steht auch für eine generelle Kehrtwende in den USA.
Kein Geld mehr für den Pride
In einer Facebook-Mitteilung nannte die Organisation keine spezifischen Gründe für das Aus. Laut dem Arizona-Nachrichtennetzwerk Lookout hatte der Tucson Pride jedoch mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Insbesondere rückläufige Sponsoren- und Spendengelder sowie Schulden aus dem Pride-Festival 2024 belasteten die Organisation. Zudem hatte der Tucson Pride 2021 vorübergehend seinen Status als gemeinnützige Organisation verloren. Das Problem von sinkenden Finanzeinnahmen und einem generellen Rückzug des Engagements großer Firmen ist derzeit weltweit bei CSDs zu bemerken, auch in Deutschland.
„Diese Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen“, hieß es in der Ankündigung. „Wir erkennen die tiefe Bedeutung an, die der Tucson Pride in unserer Gemeinschaft hatte.“ Auch ein für nächsten Monat geplantes Pride-Festival, das aufgrund logistischer und finanzieller Bedenken bereits von November 2025 verschoben worden war, wurde jetzt abgesagt. Alle Festivalgelder, einschließlich Anbietergebühren und Sponsoringbeiträge, sollen innerhalb der nächsten 90 Tage zurückerstattet werden.
Trauer und Wut über das Ende
Die Schließung von Tucson Pride stellt einen herben Verlust für die LGBTIQ+-Gemeinschaft der Stadt dar, wie mehrere Mitglieder gegenüber dem lokalen Fernsehsender Kold äußerten. Wolf Gaona, der 2024 den Titel „Mr. Tucson Pride“ gewann, erklärte, die Schließung sei das Ergebnis von Missmanagement. „Es ist sehr bedauerlich, dass das passiert. Aber ich habe es kommen sehen“, sagte Gaona. „Sie haben mir ins Gesicht gesagt: ‚Hey, wir werden das Zeug veröffentlichen. Wir werden dir unsere Finanzen zeigen.‘ Sie haben mir ins Gesicht gelogen.“
Colette Barajas, eine lokale Aktivistin, die seit der Gründung des Festivals an Pride-Veranstaltungen teilnimmt, bezeichnete das Event als „unbezahlbar“ für die LGBTIQ+-Community in Tucson. „Es war ein Ausdruck von Individualität. Es war verspielt, farbenfroh – die Musik, die Energie. Es war einfach unbeschreiblich“, so Barajas.
Tucson Pride wurde 1977 nach dem Mord an Richard Heakin, einem 21-jährigen schwulen Mann vor einer Bar in Tucson, gegründet. Seitdem fand das Festival jährlich statt, mit Ausnahme der Jahre 2020 und 2021 aufgrund der COVID-19-Pandemie. Trotz der Schließung von Tucson Pride setzen mehrere LGBTIQ+-Gruppen ihre Arbeit fort, darunter die Southern Arizona Senior Pride, die Eon Youth Lounge, die Southern Arizona Gender Alliance und das Tucson Interfaith HIV/AIDS Network.