Mit 55 Jahren verstorben Ex-Fußballnationalspielerin Anouschka Bernhard ist tot
Die deutsche Fußballwelt nimmt Abschied von Anouschka Bernhard: Die frühere Nationalspielerin und langjährige Jugendtrainerin des DFB ist im Alter von 55 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Ihre Todesnachricht wurde über den offiziellen Kanal des DFB-Frauenteams bekanntgegeben. Bernhard hinterlässt eine Lücke im deutschen Frauenfußball, der sie als aktive Spielerin und Trainerin über Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat.
Größte Erfolge auf dem Spielfeld
Bernhard debütierte 1989 beim VfL Sindelfingen im Profibereich und wurde rasch eine feste Größe in der Nationalmannschaft. Mit 47 Länderspielen trug sie maßgeblich zum Erfolg der DFB-Elf bei. Ihr sportlicher Höhepunkt war das Jahr 1995: Sie wurde mit Deutschland Europameisterin und Vizeweltmeisterin. Auch auf Vereinsebene feierte sie große Erfolge, unter anderem mit zwei Bundesliga-Titeln und einem DFB-Pokalsieg für den FSV Frankfurt. Bernhard galt als defensivstarke und ebenso spielintelligente Abwehrspielerin.
Vorbild als Trainerin und Mensch
Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere blieb Bernhard dem Fußball treu. Zwischen 2011 und 2020 trainierte sie als DFB-Jugendtrainerin und gewann mit den U17-Juniorinnen vier Mal die Europameisterschaft. Ihr Engagement für die Entwicklung junger Talente brachte ihr großes Ansehen. Im Gedenken betont Heike Ullrich, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball, Bernhards Leistungen als außergewöhnliche Fußballerin, inspirierende Trainerin und wertvollen Menschen. Die große Betroffenheit der Fußballgemeinschaft verdeutlicht ihren bleibenden Einfluss.
Mut zur Sichtbarkeit
Bereits 2008 sprach Anouschka Bernhard in einer TV-Reportage offen über ihre Homosexualität. Sie setzte damit ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit von lesbischen Spielerinnen im Profifußball, zu einer Zeit, als Outings im Sport noch Ausnahme waren. Ihr offener Umgang inspirierte viele andere queere Sportlerinnen und Sportler, mit ihrer Identität selbstbewusster umzugehen. Bis heute bleibt die Akzeptanz für queere Identitäten in vielen Sportarten eine Herausforderung, wie aktuelle Studien zur Situation von trans* und lesbischen Personen im Leistungssport zeigen.
Ihr Vermächtnis lebt fort
Anouschka Bernhard bleibt als vielseitiges Vorbild in Erinnerung: professionell auf dem Feld, engagiert für die nächste Generation und mutig im öffentlichen Umgang mit ihrer Identität. Ihr Tod wirft die Frage auf, wie der deutsche Fußball künftig Engagement und Sichtbarkeit für queere Menschen weiter stärken kann. Aus dem großen Nachruf spricht Zuversicht, dass ihre Spuren – sportlich wie gesellschaftlich – nachhaltig wirken werden.