Abkehr von LGBTIQ+ Öffentliches Engagement bei US- und UK-Firmen sinkt deutlich
Die Zeiten, in denen große Unternehmen jedes Jahr im Juni ihre Logos in Regenbogenfarben färbten und ihre Unterstützung für die queere Community zum Pride Monat zeigten, scheinen größtenteils vorbei zu sein. Dies geht aus einer Analyse des britischen Guardian hervor, der die Social-Media-Aktivitäten der zehn größten britischen Unternehmen sowie der zehn größten US-Unternehmen mit Niederlassungen im Vereinigten Königreich in den letzten drei Jahren untersucht hat. Die Ergebnisse sind eindeutig. Erste Hinweise deuten darauf, dass die Entwicklung auch in Deutschland immer weiter um sich greift.
Rückgang beim Thema Pride
Trotz der aktuellen Bedeutung von Unterstützung und Sichtbarkeit für die LGBTIQ+-Community zeigt sich ein klarer Trend, befeuert offenbar durch Entwicklungen in den USA: Die derzeitige US-Regierung hat ihren Kampf gegen Diversitäts-Maßnahmen seit Trumps Amtsantritt vor einem Jahr massiv verschärft und setzt Unternehmen auch jenseits der US-Grenzen weiter unter Druck. Zuletzt ist so die Zahl der Social-Media-Posts von britischen Unternehmen, die das Wort „Pride“ oder entsprechende Hashtags beinhalteten, um 92 Prozent zurückgegangen – ein Trend, der auch bei den amerikanischen Firmen zu beobachten ist. Betrachtet wurden Posts auf Instagram, Facebook und X, die mit dem Pride Monat oder Pride-Veranstaltungen in Verbindung standen oder den firmeninternen LGBTIQ+ Netzwerken gewidmet waren.
Im Jahr 2023 veröffentlichten die zehn größten britischen Unternehmen noch 52 solcher Posts auf ihren offiziellen Social-Media-Kanälen. Ein Jahr später sank diese Zahl auf 27, was bereits einen Rückgang von 48 Prozent ausmachte. Im Jahr 2025 fiel die Zahl der Posts erneut um 85 Prozent, was einer Reduktion von 92 Prozent zwischen 2023 und 2025 entspricht. Bei den US-Unternehmen war der Rückgang ebenfalls deutlich, aber weniger stark ausgeprägt.
Stellungnahme der Unternehmen
Auf Rückfrage gaben einige Unternehmen an, dass ihre Social-Media-Posts nicht das vollständige Bild ihres Engagements für die queere Community widerspiegeln würden. Vielmehr gehe es darum, wie Inklusion und Diversität in der Unternehmenskultur tatsächlich umgesetzt werden. Viele große Unternehmen betonten zudem, dass sie sich weiterhin für Gleichstellung und die LGBTIQ+ Community einsetzen wollen – jedoch wohl nicht mehr auf den sozialen Medien und öffentlichen Plattformen.
Zu den größten britischen Firmen, die in der Analyse berücksichtigt wurden, zählen der Verbrauchsgüterkonzern Unilever, das Chemieunternehmen Linde, die Tech-Firma Arm Holdings, die Pharmaunternehmen AstraZeneca und GSK, der Tabakkonzern British American Tobacco, der Rüstungs- und Automobilhersteller Rolls-Royce sowie der Ölkonzern Shell. Auf der US-Seite waren unter anderem Alphabet, Amazon, Apple, Berkshire Hathaway, Broadcom, Eli Lilly, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla dabei.