Direkt zum Inhalt
Trans* Jugendliche: Richtige Pronomen senken Suizidalität

Respekt stärkt Widerstand Trans* Jugendliche: Richtige Pronomen senken Suizidalität

mr - 22.12.2025 - 21:00 Uhr
Loading audio player...

Sichtbare Namen, weniger Suizidgedanken

Eine aktuelle Analyse beleuchtet einen entscheidenden Zusammenhang: Wird das richtige Pronomen und der bevorzugte Name von trans* und nichtbinären Jugendlichen berücksichtigt, reduziert sich deren Risiko für einen Suizidversuch erheblich. Eine groß angelegte Studie aus den USA unterstreicht, dass trans* und nichtbinäre Jugendliche zwischen 13 und 24 Jahren, deren Pronomen respektiert werden, um 31 Prozent seltener einen Suizidversuch unternehmen als solche, deren Identität nicht anerkannt wird. Besonders alarmierend: Etwa ein Viertel (23 Prozent) der Jugendlichen, die keinerlei Unterstützung im Umgang mit ihrem Namen oder Pronomen erfahren, berichten von Suizidversuchen im zurückliegenden Jahr. Dagegen liegt die Quote bei Jugendlichen, die umfassende Akzeptanz erleben, lediglich bei zehn Prozent. Diese neuen Daten bestätigen die Ergebnisse unabhängiger Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz, in denen ebenfalls eine erhöhte psychische Gefährdung bei mangelnder Bestätigung der Geschlechtsidentität festgestellt wurde.

„Es geht um Respekt und Würde“

„Pronomen zu respektieren, betont die Würde und das Selbstverständnis von Menschen – es ist ein Akt der Freundschaft und des Anerkennens“, so Steven Hobaica, leitender Wissenschaftler der Studie (Trevor Project, 2025).

Doch die Realität ist ernüchternd: Laut Umfrage wird weniger als die Hälfte (46 Prozent) der trans* und nichtbinären jungen Menschen im Alltag durch ihre Umgebung richtig angesprochen. Insbesondere jüngere Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren berichten seltener von dieser Wertschätzung (40 Prozent) als ältere Jugendliche von 18 bis 24 Jahren (51 Prozent). Auch gibt es Unterschiede innerhalb der Community: Trans* Jungen und Männer (52 Prozent) sowie trans* Mädchen und Frauen (48 Prozent) erfahren häufiger Akzeptanz als nichtbinäre Jugendliche (nur 37 Prozent).

Hindernisse und gesellschaftliche Erwartungen

Oft besteht Unsicherheit im Umgang mit geschlechtsneutralen oder neuen Pronomen. Die gesellschaftliche Vorstellung, dass Jugendliche zu jung sind, um ihre Identität zu kennen, wurde vielfach wissenschaftlich widerlegt. Internationale Organisationen wie UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation betonen, dass bereits Kinder ein positives Bewusstsein für ihre Identität entwickeln können. Missachtung oder Ablehnung kann gravierende Folgen für die seelische Gesundheit haben, wie zahlreiche psychologische Studien zeigen.

Ein Ort für Akzeptanz – ein Appell an Familien

Die Zahlen machen deutlich, wie lebenswichtig Respekt und Akzeptanz für trans* Jugendliche sind. Gerade jetzt im Winter ist die Unterstützung aus dem nahen Umfeld von unschätzbarem Wert. Es braucht keine Perfektion, sondern die Bereitschaft, zuzuhören und sich verständnisvoll zu zeigen. Familienangehörige, Freundinnen und Freunde können mit einfachen Zeichen der Anerkennung einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheit der Jugendlichen leisten. Bleibt also am Ende die Frage: Wie bereit sind wir als Gesellschaft, jungen trans* Menschen einen sicheren und unterstützenden Raum zu bieten?

 

Wenn Sie sich in einer seelischen Krise befinden oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Dort erhalten Sie rund um die Uhr kostenlos und anonym Hilfe. Weitere Informationen und Chat-Angebote finden Sie unter https://www.telefonseelsorge.de.

Österreich: Telefonseelsorge 142

Schweiz: Dargebotene Hand 143
 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Spin-Off von Heated Rivalry

Spekulationen über neue HR-Serie

Wird es ein Spin-Off der schwulen Hit-Serie "Heated Rivalry" geben, in der es um das schwule Paar Scott und Kip geht? Es gibt erste Anzeichen dafür...
US-Paralympionike Jake Adicoff

Zwei Goldmedaillen bei Olympia

US-Paralympionike Jake Adicoff hat bereits zwei Goldmedaillen bei Olympia gewonnen, am Wochenende will er zwei weitere gewinnen.
Präzedenzfall in den USA

Gefahr für alle trans* Menschen

Ein US-Bundesgericht hat nun ein Verbot von geschlechtsangleichender Medizin bei erwachsenen trans* Personen bekräftigt. Ein Präzedenzfall für die USA
Schuldspruch in Belgien

15 Jahre Haft für grausame Bluttat

Urteilsspruch: 15 Jahre Haft für drei junge Männer, die 2021 in Belgien einen schwulen 42-Jährigen mittels Grindr in eine Falle lockten und töteten.
Social-Media-Verbot

Bundespräsident Steinmeier dafür

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich jetzt nach Bundeskanzler Merz auch für ein Verbot von Social-Media für Jugendliche ausgesprochen.
Vorfreude auf den ESC 2026

Songs und Bühnenshow stehen fest

Kribbeln im Bauch dank ESC? Jetzt stehen die 35 Songs für 2026 fest und auch die Bühnenshow verspricht ein einmaliges Erlebnis in Wien zu werden.
Urteilsspruch in Augsburg

Haftstrafe für homophobe Schläger

Vier Männer wurden in Augsburg jetzt zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie brutal auf ein schwules Paar eingeschlagen hatten.
Missbrauch in der Kirche

93 Millionen Euro für die Opfer

Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten fünf Jahren rund 93 Millionen Euro an die Opfer von sexuellem Missbrauch bezahlt.
"Homosexuelle oft Mutigste"

Starke Rede von Ex-Bundespräsident

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ruft dazu auf, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft aktiver für Rechte der queeren Community, engagieren müsse.