Direkt zum Inhalt
Neue Ausweise in Kolumbien

Neue Ausweise in Kolumbien Trans* und nicht-binäre Menschen in Pässen

ms - 05.12.2025 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Kolumbien geht einen historischen Schritt in Richtung geschlechtlicher Selbstbestimmung: Menschen, die sich als trans* oder nicht-binär identifizieren, können diese Kategorien ab sofort im Feld „Geschlecht“ ihrer Ausweisdokumente auswählen. Die Nationale Registrierungsbehörde bezeichnet die Neuerung als „einen grundlegenden Schritt, um das Recht auf Identifikation für Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten zu gewährleisten“.

Landesweit neue Regelung

Mit der Maßnahme wird erstmals ermöglicht, dass Identitäten jenseits von Mann und Frau auch amtlich sichtbar werden. Wie Hernán Penagos von der Nationalen Registrierungsbehörde in Bogotá erklärte, wird das Verfahren in allen mehr als 1.200 Standorten angewendet. Vorausgegangen war ein Urteil des kolumbianischen Verfassungsgerichts, das erweiterte Geschlechtsmarker verlangt hatte. Technisch bedeutete dies umfassende Anpassungen: Datenbanken wurden aktualisiert, ebenso Druck- und Digitalsysteme, damit sowohl physische als auch digitale Dokumente die neuen Optionen „NB“ für nicht-binär und „T“ für trans* abbilden.

Bedeutender Schritt 

Die Neuerung betrifft Personalausweise ebenso wie Einträge im Personenstandsregister. Penagos spricht von „einem klaren Beispiel für die Demokratie, die Kolumbien braucht“ und kündigt an, angesichts der Wahlen 2026 dafür zu sorgen, dass alle Bürger ohne Diskriminierung ihre politischen Rechte ausüben können. Für trans* und nicht-binäre Personen bedeutet die Reform nicht nur eine symbolische Anerkennung: Sie können nun mit Dokumenten, die ihre Identität widerspiegeln, offizielle Verfahren durchlaufen, wählen und umfassend auf zivile Rechte zugreifen. Die Behörde verweist darauf, dass seit 2022 insgesamt 17 spezielle Identifikationsprogramme für die LGBTIQ+-Community stattgefunden haben – mit mehr als 750 ausgegebenen Dokumenten, darunter Personalausweise und Personenstandsregister.

Steigende Gewalt gegen queere Personen

Parallel zu diesem Fortschritt zeigt die Lage im Land weiterhin gravierende Risiken: Laut einem Bericht der Organisation Affirmative Caribbean wurden im Jahr 2024 in Kolumbien mindestens 164 Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität getötet – ein Anstieg von 3,8 Prozent gegenüber 2023. Trans* Frauen waren mit 18 Prozent besonders häufig betroffen.

Trotz dieser Gewalt gehört Kolumbien zu den fortschrittlichsten Ländern Lateinamerikas in Sachen LGBTIQ+-Rechte. Zwischen 2007 und 2008 stellte das Verfassungsgericht eingetragene gleichgeschlechtliche Paare heterosexuellen Paaren gleich – mit identischen Rechten bei Rente, sozialer Absicherung und Eigentum. 2011 folgte ein Gesetz gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung, 2016 legalisierte das Verfassungsgericht die gleichgeschlechtliche Ehe. Adoptionen sind sowohl für Einzelpersonen als auch für queere Paare erlaubt, und öffentliche Zuneigungsbekundungen stehen unter verfassungsrechtlichem Schutz.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Spin-Off von Heated Rivalry

Spekulationen über neue HR-Serie

Wird es ein Spin-Off der schwulen Hit-Serie "Heated Rivalry" geben, in der es um das schwule Paar Scott und Kip geht? Es gibt erste Anzeichen dafür...
US-Paralympionike Jake Adicoff

Zwei Goldmedaillen bei Olympia

US-Paralympionike Jake Adicoff hat bereits zwei Goldmedaillen bei Olympia gewonnen, am Wochenende will er zwei weitere gewinnen.
Präzedenzfall in den USA

Gefahr für alle trans* Menschen

Ein US-Bundesgericht hat nun ein Verbot von geschlechtsangleichender Medizin bei erwachsenen trans* Personen bekräftigt. Ein Präzedenzfall für die USA
Schuldspruch in Belgien

15 Jahre Haft für grausame Bluttat

Urteilsspruch: 15 Jahre Haft für drei junge Männer, die 2021 in Belgien einen schwulen 42-Jährigen mittels Grindr in eine Falle lockten und töteten.
Social-Media-Verbot

Bundespräsident Steinmeier dafür

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich jetzt nach Bundeskanzler Merz auch für ein Verbot von Social-Media für Jugendliche ausgesprochen.
Vorfreude auf den ESC 2026

Songs und Bühnenshow stehen fest

Kribbeln im Bauch dank ESC? Jetzt stehen die 35 Songs für 2026 fest und auch die Bühnenshow verspricht ein einmaliges Erlebnis in Wien zu werden.
Urteilsspruch in Augsburg

Haftstrafe für homophobe Schläger

Vier Männer wurden in Augsburg jetzt zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie brutal auf ein schwules Paar eingeschlagen hatten.
Missbrauch in der Kirche

93 Millionen Euro für die Opfer

Die katholische Kirche in Deutschland hat in den letzten fünf Jahren rund 93 Millionen Euro an die Opfer von sexuellem Missbrauch bezahlt.
"Homosexuelle oft Mutigste"

Starke Rede von Ex-Bundespräsident

Ex-Bundespräsident Christian Wulff ruft dazu auf, dass sich die Mehrheit der Gesellschaft aktiver für Rechte der queeren Community, engagieren müsse.