Angriff auf Jugendclub Zunahme von Vorfällen in Brandenburg
Am vergangenen Wochenende ist ein Jugendclub in Cottbus Ziel einer politisch motivierten Attacke geworden. Unbekannte Täter beschmierten die Außenwände des Hauses großflächig mit Botschaften, die eindeutig aus dem rechten Milieu stammen, darunter der Slogan „Cottbus bleibt deutsch“. Neben nationalistischen Slogans fanden sich auch herabwürdigende Aussagen gegenüber queeren Menschen und Frauen. Der Vorfall sorgt in der Region erneut für Unruhe – nicht zuletzt, weil ähnliche Attacken zuletzt vermehrt in Südbrandenburg registriert wurden.
Zunahme von Anfeindungen
Die Sprecherin des betroffenen Jugendzentrums Chekov, Carolin Andres, erklärte nach der Entdeckung der Schmierereien, die Täter hätten gezielt einen Ort ins Visier genommen, der sich offen gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung positioniere: „Die hinterlassenen Botschaften machen deutlich, dass der rechten Szene unser antifaschistischer und antisexistischer Einsatz ein Dorn im Auge ist. Wir lassen uns aber nicht einschüchtern, sondern machen weiter. Jetzt erst recht!“
Fachstellen und Initiativen in Südbrandenburg beobachten die jüngsten Ereignisse mit großer Sorge. Bereits in Städten wie Spremberg und Lauchhammer hatten Jugendtreffs in den vergangenen Monaten ähnliche Übergriffe gemeldet. Die Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“, ein Zusammenschluss von Kulturprojekten, selbstverwalteten Häusern und sozialen Einrichtungen, warnt mittlerweile vor einer deutlichen Zunahme solcher Anfeindungen. Insbesondere junge queere Menschen seien häufig auf Schutzräume angewiesen, die durch solche Angriffe massiv unter Druck gerieten.
Wichtigkeit von Safe Spaces
Eine Sprecherin der Initiative fordert angesichts der Entwicklung eine verlässliche finanzielle Unterstützung für die Jugendsozialarbeit sowie klare politische Maßnahmen gegen erstarkende rechte Strukturen. Angriffe auf Jugendclubs seien nicht einfach Sachbeschädigungen, so die Initiative, sondern ein Versuch, zivilgesellschaftliche Vielfalt und offene Räume einzuschüchtern.
Der angegriffene Club gehört zu den Gründungsmitgliedern des regionalen Bündnisses für sichere Orte. Seit vielen Jahren ist er ein zentraler Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene, die dort Kulturangebote, politische Bildungsarbeit und selbstverwaltete Projekte finden. Ein Sprecher des Bündnisses betont, dass gerade in einer zunehmend polarisierten gesellschaftlichen Stimmung Orte gebraucht würden, an denen demokratische Werte nicht nur vermittelt, sondern im Alltag gelebt werden. Weitere Vorfälle in der Region deuten darauf hin, dass sich die Situation zuspitzt. Die Ermittlungen zu dem aktuellen Angriff laufen, bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf konkrete Tatverdächtige.