Direkt zum Inhalt

Mittelstopp gefährdet Therapie Kurz vor Welt-Aids-Tag: Großbritannien kürzt HIV-Hilfen

Von mr - 27.11.2025 - 21:30 Uhr
Kurz vor Welt-Aids-Tag: Großbritannien kürzt HIV-Hilfen
Foto: © IMAGO / Zoonar
ANZEIGE
Loading audio player...

Auch Großbritannien kürzt Mittel im Kampf gegen HIV/Aids.

 

Globale Alarmstimmung vor dem Welt-Aids-Tag

Kurz vor dem Welt-Aids-Tag sorgt eine Entscheidung aus London für internationale Besorgnis: Die britische Regierung hat angekündigt, ihre finanziellen Beiträge zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria um 150 Millionen Pfund zu reduzieren. Diese Kürzung schlägt Wellen — sie reiht sich ein in eine Entwicklung, in der bereits die USA unter der Führung von Donald Trump massive Einschränkungen der globalen HIV/Aids-Hilfen vornahmen. Fachleute sowie Aktivistinnen und Aktivisten fürchten einen dramatischen Rückschritt im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit.

 

Finanzierungskrise gefährdet lebenswichtige Versorgung

Der Globale Fonds gilt als zentrale Säule im internationalen Kampf gegen HIV/Aids. Durch seine Förderung erhalten Millionen Menschen Zugang zu Prävention, Diagnostik und Therapie — häufig in Staaten, in denen alternative Strukturen fehlen. Laut Schätzungen drohen durch die Kürzungen allein im subsaharischen Afrika Hunderttausende Menschen den Zugang zu überlebenswichtigen Medikamenten zu verlieren. Schon heute sind mehr als 39 Millionen Personen weltweit mit HIV infiziert; jährlich sterben weit über 600.000 Menschen an Aids-bezogenen Krankheiten. Tausende von Resistenzen gegen antiretrovirale Medikamente könnten sich durch mangelnde Behandlungsoptionen weiter ausbreiten. Internationale Studien zeigen, dass jeder Dollar, der jetzt gekürzt wird, in Zukunft weit höhere Folgekosten durch neue Infektionen und Krankheitslast erzeugt.

 

Stimmen aus der Praxis: Menschenleben in Gefahr

Der Hilferuf ist nicht ungehört geblieben: Eine von The Independent und internationalen Menschenrechtsorganisationen getragene Petition fordert Premier Keir Starmer eindringlich auf, die Mittelverknappung zu überdenken. Sie betonen: Der Kampf gegen HIV/Aids ist eine globale Aufgabe; kein Land könne sich durch Grenzschutz gegen das Virus abschotten.

 

Zukunft der HIV-Bekämpfung: Gefahr eines Rückfalls

Die angekündigten Finanzeinschnitte werfen einen Schatten auf das gemeinsame Ziel, AIDS bis 2030 als globale Bedrohung zu beenden. Internationale Gesundheitsexpertinnen warnen, dass man Gefahr laufe, in die Zeit vor den medizinischen Fortschritten zurückzufallen. Auf dem Spiel steht nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch das bisher Erreichte im Kampf gegen Stigmatisierung und gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit HIV. Die Entscheidung Großbritanniens stellt die Weltgemeinschaft vor die Frage: Wie kann nachhaltige Solidarität und Versorgung sichergestellt werden, wenn wirtschaftspolitische Interessen über das Gesundheitswohl Millionen von Menschen gestellt werden?

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Die Presse„Irgendwann hasste ich es, ein Mädchen zu sein“: Fußballerin sein im Iran [premium]tazMidtermwahlen in den USA: Ein bisschen mehr Regenbogenntv"Wo ist dein Problem?": Marco Schreyl erläutert sein Coming-outDER SPIEGELDemokraten-Erfolg bei den Midterms: Dies ist Amerikas neue GardeAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie stark empfindest du den Schönheitsdruck in der schwulen Community?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neonazis vernetzen sich

Homophobie verbindet Rechtsextreme

Ukrainischstämmige Neonazis vernetzen sich in Baden-Württemberg mit deutschen Rechtsextremen. Besonders LGBTIQ+ Menschen geraten ins Visier.
Sex-Knowhow in Italien

Junge Menschen wissen zu wenig

Eine neue Ipsos-Studie zeigt große Wissenslücken bei Italiens Jugend: Viele informieren sich über Sex nur noch mittels Google, KI und Pornografie.
Polyamorie in West Hollywood

US-Stadt schreibt Geschichte

West Hollywood führt als erste US-Stadt ein Register für polyamore Beziehungen ein und stärkt damit die Rechte nichtmonogamer Familien.
Chopins Liebe zu Männern

Polen will davon nichts wissen

Polen will von einem möglichen schwulen Komponisten Frédéric Chopin nichts wissen. Ein neuer Kinofilm berüht das Thema ebenso strikt nicht.
Umstrittene US-Forschung

Experten warnen vor Stigmatisierung

Die US-Regierung finanziert Studien über mögliche Zusammenhänge zwischen Transgeschlechtlichkeit und Gewalt. Fachleute sprechen von Pseudowissenschaft
Janosch ist tot

Tiger und Bär trauern

Kinderbuchautor Janosch ist mit 95 Jahren gestorben. Seine Geschichten über Tiger und Bär wurden auch als Plädoyer für LGBTIQ+-Lebensweisen gelesen.
LGBTIQ+ in Brasilien

Mehr Schutz für Community

Brasilien stärkt den Kampf gegen organisierte Kriminalität. Die Hoffnung ist groß, dass dadurch künftig auch LGBTIQ+-Menschen sicherer leben.
Gericht prüft Diskriminierung

Streit um katholische US-Vorschulen

Dürfen katholische Vorschulen Kinder von LGBTIQ+-Eltern ablehnen und trotzdem Steuergelder erhalten? Der Oberste US-Gerichtshof entscheidet.
Krise in Irland

Angst vor Mobbing an Schulen

Fast jeder zweite Schüler in Irland befürchtet Mobbing nach einem Coming-Out von LGBTIQ+-Mitschülern. Eine Aktionswoche soll gegensteuern.