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Forderung nach Freilassung
Foto: Change.org
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Forderung nach Freilassung Über 100 Organisationen machen mit "Free Betty" Druck auf Marokko

ms - 26.11.2025 - 13:00 Uhr
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Weit über einhundert Organisationen haben sich jetzt der "Free Betty"-Koalition angeschlossen, um die Freilassung der marokkanischen Aktivistin Ibtissame Betty Lachgar (50) zu fordern. Die LGBTIQ+-Aktivistin war wegen einem islamkritischen T-Shirt zu 30 Monaten Haft verurteilt worden. In einem Online-Post hatte Lachgar ein T-Shirt getragen, auf dem stand: „Allah ist lesbisch“. Ein Gericht in Marokko sah damit den Straftatbestand der Blasphemie gegeben.  

Isolationshaft ohne medizinische Betreuung 

Lachgar sitzt seit inzwischen 100 Tagen in Rabat, Marokko, im Gefängnis. Anlässlich des 100. Hafttages kritisieren jetzt mehr als einhundert Organisationen ihre Verurteilung und fordern ihre sofortige und bedingungslose Freilassung. Solange sie weiter in Haft ist, verlangen sie vorab humane Haftbedingungen und Zugang zu spezialisierter medizinischer Behandlung. Darüber hinaus kritisiert das Bündnis jene Gesetze, die bis heute in Marokko die Meinungsfreiheit einschränken.

Als Überlebende von Knochenkrebs benötigt die Aktivistin dringend eine Behandlung und eine Operation an ihrem Arm und ihrer Prothese, andernfalls droht der Verlust ihres ganzen Arms. Ihr linker Ellenbogen ist inzwischen vollständig verrenkt und sie leidet unter ständigen Schmerzen. Sie befindet sich darüber hinaus in Isolationshaft in einer kalten Zelle ohne Matratze oder Kissen. 

Andersdenken bleibt strafbar 

„Jetzt sind 100 Tage vergangen, seit meine Schwester, Ibtissame Betty Lachgar, eingesperrt wurde, nur weil sie für eine gerechtere Welt gedacht, gesprochen und gelebt hat. Hundert Tage der Isolation, des Schmerzes und der Ungerechtigkeit. Ihre Gesundheit verschlechtert sich. Sie ist erschöpft und hat erheblich an Gewicht verloren. Diese Strafe hat nichts mit dem zu tun, was sie getan hat, sondern damit, wer sie ist und was sie repräsentiert. In Marokko im Jahr 2025 kann das Andersdenken immer noch den Verlust der Freiheit kosten. Nicht meine Schwester steht vor Gericht, sondern die Freiheit selbst“, so Siham Lachgar, Bettys Schwester.

Mit einer großangelegten Unterschriftenaktion soll nun der Druck auf den Staat im Nordwesten Afrikas verstärkt werden, neben zahlreichen Menschenrechts- und Bürgerorganisationen beteiligen sich auch queere Vereine wie All Out und das Rainbow Refugee Committee an der Aktion.  

Verstoß gegen universelle Menschenrechte

In einer gemeinsamen Erklärung betont das Bündnis weiter: „Bettys Inhaftierung seit dem 10. August 2025 stellt einen schweren Verstoß gegen die universellen Menschenrechte dar. Sie wird ausschließlich wegen der friedlichen Ausübung ihrer Gedanken- und Meinungsfreiheit festgehalten. Ihre Verurteilung gemäß Artikel 267-5 des marokkanischen Strafgesetzbuches widerspricht Marokkos Verpflichtungen gemäß dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR).“ 

Und weiter: „Ihr wurde dringende medizinische Behandlung verweigert, und sie wird in Isolation gehalten, was den UN-Mindeststandards für die Behandlung von Gefangenen widerspricht. Die Behörden haben auch die weit verbreiteten Mord- und Vergewaltigungsdrohungen gegen sie nicht adressiert. Ibtissame Betty Lachgar ist ein Symbol des Widerstands gegen Unterdrückung und Gewalt. Ihre Freilassung ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit für sie, sondern für alle, die sich für die Rechte von Frauen, LGBT-Menschen und Minderheiten einsetzen.“

Bittere Lebensrealität für Homosexuelle

Homosexualität ist in Marokko bis heute illegal und kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden. Erste Versuche 2024, den Passus der „unzüchtigen oder unnatürlichen Handlungen“ zwischen gleichgeschlechtlichen Personen aus dem Strafgesetzbuch zu streichen, scheiterten. Der LSVD+ sprach mit Blick auf die Rechtsprechung im Königreich von einer  „gesamtgesellschaftlichen Ächtung“ sowie von „massiver Gewalt gegen queere Menschen“.  

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