LGBTIQ+-Musikgeschichte Billboard veröffentlicht neues Ranking der besten Songs
Das US-Musikmagazin Billboard hat erneut für 2026 ein aktuelles umfangreiches Ranking der aus Sicht der Musikredakteure „100 größten LGBTIQ+-Hymnen aller Zeiten“ veröffentlicht. Die Liste soll die musikalische Entwicklung der Community nachzeichnen – von den oft versteckten Botschaften früherer Jahrzehnte bis hin zu den offenen und selbstbewussten Statements der Gegenwart.
Das Wichtigste im Überblick
- Billboard hat eine Liste der „100 größten LGBTIQ+-Hymnen aller Zeiten“ veröffentlicht.
- Platz eins belegt Lady Gagas „Born This Way“ aus dem Jahr 2011.
- Die Auswahl umfasst Musik aus mehreren Jahrzehnten und Genres – von Disco über Punk bis Hip-Hop.
- Berücksichtigt wurde pro Künstler jeweils nur ein Song, um eine möglichst breite Vielfalt abzubilden.
- Die Liste versteht sich zugleich als musikalische Zeitreise und als Dokument queerer Geschichte.
- Neben Klassikern finden sich auch aktuelle Titel von Künstlern wie Chappell Roan, Lil Nas X und Billie Eilish.
Die musikalische Geschichte der Community
Nach Angaben des Magazins wurde bei der Auswahl besonderer Wert auf Vielfalt gelegt. Deshalb durfte jede Künstlerin und jeder Künstler nur mit einem einzigen Titel vertreten sein. Entstanden sei so ein Überblick über unterschiedliche Musikrichtungen wie Disco, House, Synth-Pop, Punk, Country und Hip-Hop. Die Liste vereint Verbündete der Community, queere Ikonen und musikalische Wegbereiter verschiedener Generationen. Angeführt wird das Ranking von Lady Gagas Hit „Born This Way“ aus dem Jahr 2011. Billboard würdigt den Song insbesondere wegen seiner klaren Botschaft von Akzeptanz und Selbstbestimmung.
Die Top Ten der Liste:
- Lady Gaga – „Born This Way“ (2011)
- Sylvester – „You Make Me Feel (Mighty Real)“ (1978)
- Diana Ross – „I’m Coming Out“ (1980)
- Sophie – „Immaterial“ (2018)
- Brandi Carlile – „The Joke“ (2018)
- Frank Ocean – „Chanel“ (2017)
- Madonna – „Vogue“ (1990)
- Against Me! – „True Trans Soul Rebel“ (2014)
- Cyndi Lauper – „True Colors“ (1986)
- Chappell Roan – „Good Luck, Babe!“ (2024)
Disco-Ära und neue Hymnen
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Disco- und House-Kultur ein, die über Jahrzehnte eng mit homosexuellen und queeren Räumen und Communitys verbunden war. Zu den prominent platzierten Klassikern gehören Donna Summers Song „I Feel Love“ auf Rang 13, Gloria Gaynors „I Will Survive“ auf Platz 11 sowie Thelma Houstons „Don’t Leave Me This Way“ auf Rang 19. Diese Titel stehen laut Billboard stellvertretend für eine Zeit, in der Clubs und Ballsäle wichtige Schutz- und Begegnungsräume für queere Menschen waren.
Gleichzeitig macht das Ranking deutlich, dass die Geschichte queerer Musik weitergeschrieben wird. So schafften es aktuelle Titel wie Chappell Roans „Good Luck, Babe!“ (Platz 10), Lil Nas X’ „Montero (Call Me By Your Name)“ (Platz 22) und Billie Eilishs „Lunch“ (Platz 24) in die Liste. Besondere Aufmerksamkeit erhält zudem die 2021 verstorbene Produzentin und Musikerin Sophie. Ihr Stück „Immaterial“ erreichte Platz vier und gilt als Anerkennung ihres Einflusses auf die moderne Popmusik sowie ihrer Bedeutung als trans Künstlerin.
Mehr als Tanzmusik
Obwohl tanzbare Pop- und Disco-Hits stark vertreten sind, berücksichtigt die Auswahl auch andere Facetten queerer Erfahrungen. Dazu zählen Tracy Chapmans „Fast Car“ auf Platz 15 sowie Brandi Carliles Folk-Rock-Ballade „The Joke“ auf Platz fünf. Auch Punk- und Queercore-Bands finden Berücksichtigung. So vertreten etwa Bikini Kill mit „Rebel Girl“ (Platz 48) und Pansy Division mit „Anthem“ (Platz 68) eine deutlich politischere und rebellischere Seite queerer Musik.
Billboard ordnet die Liste auch vor dem Hintergrund aktueller politischer Debatten ein. Insbesondere in den USA stehen Rechte von LGBTIQ+-Menschen zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund seien viele der ausgewählten Songs nicht nur Unterhaltung, sondern zugleich Ausdruck von Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und politischem Protest. Das Magazin betont, dass jede solche Rangliste zwangsläufig subjektiv sei und Diskussionen auslösen werde. Gleichzeitig könne sie als Ausgangspunkt dienen, um über jene Musik zu sprechen, die queere Menschen weltweit über Generationen hinweg geprägt, verbunden und begleitet hat.