Direkt zum Inhalt
„Woker Müll“

„Woker Müll“ Netflix-Serie um Schwule im US-Militär erhitzt die Gemüter

ms - 20.10.2025 - 15:00 Uhr
Loading audio player...

Das Pentagon hat sich jetzt mit deutlichen Worten gegen die Netflix-Serie „Boots“ ausgesprochen, die das Lebens eines heimlich schwulen Rekruten im Ausbildungscamp der US-Marines porträtiert. Die Geschichte sei nichts weiter als „woker Müll“. Offensichtlich liegen beim amerikanischen Verteidigungsministerium die Nerven blank. 

Entrüstung beim Pentagon

Das überrascht insofern, weil die Story auf den Memoiren von Greg Cope White beruht. In seinem Bestseller „The Pink Marine” beschrieb der ehemalige Soldat seine Zeit im Dienst der USA, als es noch illegal war, homosexuell bei den Streitkräften zu sein. Ein Realitätsbezug zur Grundgeschichte ist also durchaus gegeben. Trotzdem betonte der Pressesprecher des Pentagons, Kingsley Wilson, jetzt gegenüber Entertainment Weekly: „Unter Präsident Trump und Minister Hegseth kehrt das US-Militär zur Wiederherstellung des Kriegerethos zurück. Unsere Standards sind durchweg elitär, einheitlich und geschlechtsneutral, denn das Gewicht eines Rucksacks oder eines Menschen interessiert es nicht, ob man ein Mann, eine Frau, schwul oder heterosexuell ist. Wir werden unsere Standards nicht zugunsten einer ideologischen Agenda kompromittieren, im Gegensatz zu Netflix, dessen Führung ihrem Publikum und dessen Kindern ständig woken Müll serviert.“

Lob von Filmexperten und Publikum

Filmkritiker und Zuschauer sehen das offensichtlich anders. Die achtteilige Serie katapultierte sich binnen weniger Tage nach Erscheinen Anfang Oktober in vielen Ländern auf Platz 1 der aktuell meistgesehenen Serien – auch in Deutschland. Sogar weltweit ist „Boots“ unter den Top-6-Serien des Streamingdienstes. Netflix hat rund 302 Millionen zahlende Nutzer in mehr als 190 Ländern und ist bis heute Marktführer im Streaming-Bereich. 

Der britische Guardian feierte die Geschichte als „unglaublich kraftvoll“, der amerikanische Hollywood Reporter erklärte, die Serie sei „kritisch gegenüber der Anti-Schwulen-Politik des Militärs in den 1990er Jahren“, aber „in vielerlei Hinsicht auch respektvoll gegenüber dem Militär und eher positiv gegenüber den Aspekten der Brüderlichkeit im Leben eines Soldaten.“ Kurz gesagt, eigentlich dürfte das US-Pentagon zufrieden sein mit der Darstellung. 

Relevanz für Betroffene 

Dazu zeichnet sich immer mehr ab, welche große Relevanz die Serie gerade auch für homosexuelle und queere Soldaten im US-Militär hat, wie auch der schwule Hauptdarsteller Miles Heizer betonte: „Als die Dreharbeiten zur Serie begannen, hatten wir meiner Meinung nach nicht die Absicht, eine Botschaft zu vermitteln, die für die heutige Zeit so relevant ist. Aber dann, während wir die Serie drehten, begannen all diese Dinge zu passieren. Es ist sehr interessant, dass Boots ein Licht auf das wirft, was derzeit tatsächlich geschieht, obwohl die Serie im Jahr 1990 spielt. Das ist beunruhigend.“ Heizer bezieht sich dabei auf das Verbot von trans* Menschen im US-Militär

Erst nach und nach wurde dem Team klar, wie besonders die Serie sein könnte, bestätigte auch der ebenso schwule Schauspieler Max Parker, der in „Boots“ einen heimlich schwulen, knallharten Ausbilder des Militärcamps spielt: „Ich erinnere mich, wie ich diese eine Szene gedreht habe und gebeten wurde, mein Hemd auszuziehen, wodurch meine Beziehung zu einem anderen Mann indirekt durch ein Tattoo sichtbar wurde. Nach den Dreharbeiten wollte ich das Set verlassen und da sah ich einige Leute der Crew herumstehen, die auf die Monitore schauten und weinten, weil sie sich in die Zeit zurückversetzt sahen, als es illegal war, schwul zu sein. Es hat einen Nerv bei ihnen getroffen, und da wurde mir klar: Deshalb ist es so wichtig, diese Geschichte zu erzählen. Sie klärt die Menschen auf und ist gleichzeitig eine unterhaltsame und erschütternde Serie.“ 

Sean Penn spricht von „Idioten“

Wie dünnhäutig hingegen das US-Verteidigungsministerium seit dem Amtsantritt von Donald Trump zu Beginn des Jahres ist, belegte im Juni auch die Umbenennung eines US-Marineschiffes, das den Namen des ersten offen schwulen Politikers der USA, Harvey Milk, getragen hatte. Amüsiert meldete sich zuletzt auch Sean Penn zu Wort, der Hollywoodstar bekam für seine Darstellung von Harvey Milk im gleichnamigen Biopic einen Oscar. 

Gegenüber dem Hollywood Reporter sagte er: „Diese Leute sind Idioten. Pete Hegseth scheint kein kluger, weiser oder sachkundiger Mann zu sein. Er wirkt klein und kleinlich. Ich würde ihm gerne einige LGBTIQ+-Leute vorstellen, die Kämpfer sind und ihr ganzes Leben lang kämpfen mussten, nur um offen als das leben zu können, was sie sind.“ Ob das Pentagon mit seiner jüngsten Kritik also wirklich punktet, ist sehr fraglich – eher fungiert die Häme als zusätzliche Werbung. Es ist gut möglich, dass Netflix aufgrund des anhaltenden Erfolgs eine zweite Staffel von „Boots“ in Auftrag gibt.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gefahren durch KI-Anwendungen

Jugendschutz warnt vor Missbrauch

Das Bundesjugendministerium warnt zusammen mit Jugendschutz.net vor KI-Anwendungen, die besondere Risiken für Jugendliche seien.
Apple verbietet Nacktheit

FaceTime-Nutzer werden bevormundet

Ein neues Apple-Update sorgt für viel Ärger. Erkennt FaceTime Nacktheit, wird die Verbindung gekappt, besonders oft offenbar bei homosexuellen Nutzern
Abschiebung nach Kamerun

Fall eines schwulen US-Gamer-Profis

In den USA sorgt der Fall des schwulen Gamer-Profis Ludovic Mbock für Aufsehen, der nach 18 Jahren grundlos nach Kamerun abgeschoben werden soll.
Absage von Pink Dot Hongkong

Größtes queeres Festival entfällt

Zum zweiten Mal in Folge wurde kurzfristig Hongkongs größtes LGBTIQ+-Festival Pink Dot abgesagt. Die offiziellen Gründe geben Anlass für Spekulationen
Klinik für Detransition

Texas setzt Trump-Agenda um

Eine der größten US-Kinderkliniken wird als erste ihrer Art eine Abteilung für Detransition einrichten. Kritiker warnen vor gefährlichen Folgen.
Notlage in Seattle

Queere Menschen suchen Zuflucht

Viele queere Amerikaner flüchten derzeit aus konservativen Bundesstaaten nach Seattle. Die Stadt ist überfordert und spricht von einer Notlage.
Studie zu sexuellem Missbrauch

Verstorbener Pfarrer aus Düsseldorf

Eine Studie der Missbrauchsfälle eines evangelischen Pfarrers in Düsseldorf belegt das Fehlverhalten der Kirche; Verantwortliche üben Selbstkritik.
Doch kein Social-Media-Verbot?

Experten betonen positive Folgen

Ist ein angedachtes Social-Media-Verbot für Jugendliche in Deutschland bald vom Tisch? Eine erste Anfrage der Linksfraktion legt das teilweise nahe.
Shigellose in der Community

Darminfekt unter schwulen Männern

Shigellose-Infektionen steigen unter schwulen Männern in den USA und Europa an, die Übertragung des Erregers erfolgt meist über spezielle Sexpraktiken