Direkt zum Inhalt

Doch kein Social-Media-Verbot? Anfrage der Linksfraktion zum aktuellen Stand der Regierung

Von ms - 19.05.2026 - 10:30 Uhr
Kein Social-Media-Verbot in Deutschland?
Foto: IMAGO / dts Nachrichtenagentur
ANZEIGE
Loading audio player...

Wird es doch kein angedachtes Social-Media-Verbot in Deutschland geben, dass in diesem Jahr sowohl von Abgeordneten der SPD und Union als auch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Grundsatz befürwortet wurde? Ein erstes kurzes Statement des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt den Kritikern jetzt Hoffnung, darunter dem queeren Jugendnetzwerk Lambda. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige in Deutschland bleibt umstritten.
  • Erste Aussagen des Familienministeriums geben Kritikern eines Verbots neue Hoffnung.
  • Eine Expertenkommission der Bundesregierung betont, dass marginalisierte Jugendliche besonders stark von Social Media profitieren.
  • Queere Verbände warnen davor, jungen Menschen wichtige digitale Schutz- und Austauschräume zu nehmen.
  • Konkrete Handlungsempfehlungen der Kommission sollen Ende Juni vorgestellt werden.

Jugendliche profitieren von Social-Media

Der queerpolitische Sprecher der Linken, Maik Brückner, hatte beim Ministerium angefragt, ob der Bundesregierung inzwischen Erkenntnisse vorliegen, welche negativen Folgen ein angedachtes Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren haben könnte, wie es in Australien bereits umgesetzt und in Frankreich noch für dieses Jahr geplant ist. Mareike Lotte Wulf, Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums, erklärte dazu: „Die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend eingesetzte Expertenkommission ´Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt´ fasst in ihrer am 20. April 2026 veröffentlichten Bestandsaufnahme unter anderem zusammen, dass (digitale) Verbundenheit insbesondere für Jugendliche in isolierten Lebenssituationen einen hohen Stellenwert hat und marginalisierte Jugendliche überdurchschnittlich stark von Social Media profitieren.“ 

Ob diese ersten Erkenntnisse politische Konsequenzen haben, ist noch ungewiss. Wulf betont weiter: „Im Übrigen wird den Handlungsempfehlungen der Expertenkommission ´Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt´ nicht vorgegriffen.“ Konkrete Handlungsempfehlungen werden derzeit noch erarbeitet und sollen voraussichtlich Ende Juni dieses Jahres vorgelegt werden. Zahlreiche Fachverbände in der Jugendarbeit, Lehrer- und Schülerverbände sowie auch queere Vereine haben sich inzwischen gegen ein Verbot ausgesprochen. 

Verbände sind gegen ein Verbot 

Das queere Jugendnetzwerk Lambda erklärte zuletzt im März dieses Jahres, dass ein Pauschalverbot die Lage von LGBTIQ+-Jugendlichen in Deutschland verschlechtern würde und an der Lebensrealität der Betroffenen vorbeigeht. „Digitale Räume sind für queere Jugendliche unverzichtbar. Queere Jugendliche werden schon früh mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Die Phase der Selbstfindung geht häufig mit vielen Fragen, Unsicherheiten und dem Versuch einher, die eigene Identität einzuordnen. Gleichzeitig erleben viele queere Jugendliche Ablehnung, Unverständnis und Diskriminierung. Nicht selten kommen diese auch aus dem direkten sozialen Umfeld, etwa der Familie, dem Freundeskreis oder der Schule. Deshalb sind Räume, in denen queere Jugendliche Unterstützung, Austausch und Gemeinschaft erleben können, von zentraler Bedeutung“, so Lambda.  

Brückner betont Regulierung der Anbieter

Zur Antwort der Bundesregierung erklärte Brückner: „Letztes Jahr habe ich Kanzler Merz zur Lebenssituation queerer Jugendlicher befragt. Damals sagte er, er wolle alles dafür tun, dass diese gut und sicher leben können. Zuletzt hat er sich für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche starkgemacht. Dabei geht aus einer aktuellen Bestandsaufnahme der durch die Bundesregierung eingesetzten Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" hervor, dass marginalisierte Jugendliche überdurchschnittlich stark von Social Media profitieren (…) Queere Jugendliche haben genug Ärger: Queerfeindlichkeit in Schule und Familie, queere Jugendzentren sind von Schließung bedroht. Man darf den Kids nicht noch zusätzlich ihre digitalen Räume nehmen. Stattdessen braucht es eine strenge Regulierung von Social-Media-Plattformen, die Durchsetzung geltender Gesetze gegenüber Tech-Konzernen und gute digitale Bildung."

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

FalterTipp Pop: Ebow – Cool, queer und gesellschaftskritischtazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesndQueer | Razzia in Casa Kuá schüchtert Berliner trans* Community eintazRazzia in queerem Community-Ort: Alles wegen ein paar TablettenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heiße Heated Rivalry-Stars

TV-Serie räumt Nominierungen ab

Die „Heated Rivalry“-Stars Hudson Williams und Connor Storrie sind bei den Grindr Awards gleich mehrfach für ihre sexy Körper nominiert.
Ferran Torres leicht bekleidet

Fußballstar polarisiert mit Fotos

Spaniens Fußballstar Ferran Torres sorgt mit einer freizügigen Unterwäschekampagne für Aufsehen – und entfacht erneut Diskussionen in sozialen Medien.
Türklinke im Hintern

Kuriose Fälle in Notaufnahmen

Mehr als 1.500 Briten suchten binnen eines Jahres in England wegen Fremdkörpern im Hintern eine Notaufnahme auf. Ärzte warnen vor Verletzungsgefahren.
Alfie Watts übers Coming-Out

Familie reagierte mit Ablehnung

„Race Across the World“-Gewinner Alfie Watts spricht über die Ablehnung seiner Familie nach seinem bisexuellen Coming-Out und besondere Unterstützung.
Antidepressiva machen schwul

Neue Theorien aus Russland

Russlands Duma-Abgeordneter Vitali Milonow behauptet, Antidepressiva könnten Homosexualität auslösen, und fordert strengere Verschreibungsregeln.
STI-Welle in Italien

Sehr starker Anstieg bei Männern

In Italien steigen die Meldungen sexuell übertragbarer Infektionen deutlich. Besonders betroffen sind Männer, die Sex mit Männern haben.
Streit um UN-Menschenrechtsrat

Ausschluss von Anti-LGBTIQ+-Länder?

Fünf Staaten, die Homosexualität bestrafen, wurden jetzt in den UN-Menschenrechtsrat gewählt. Die African Human Rights Coalition übt scharfe Kritik.
Sportstreit in Nebraska

Trans* Verbot vor Abstimmung

Das Oberste Gericht Nebraskas lässt eine Abstimmung über ein Verfassungsverbot für trans* Sportlerinnen im Mädchen- und Frauensport zu.
Trauer um Coos Huijsen

Vorreiter der Community ist tot

Der Niederländer Coos Huijsen bekannte sich 1976 als erster Parlamentarier weltweit öffentlich zu seiner Homosexualität. Nun ist er gestorben.