Notlage in Seattle Stadt ist überfordert mit Zuzug vieler LGBTIQ+-Personen
Angesichts eines zunehmenden Zuzugs queerer Menschen aus konservativen Teilen der USA wird in Seattle über die Ausrufung einer zivilen Notlage diskutiert. Vertreter von LGBTIQ+-Organisationen warnen vor wachsendem Druck auf Wohnraum, Gesundheitsversorgung und soziale Unterstützungsangebote.
Das Wichtigste im Überblick
- In Seattle wird über die Ausrufung einer zivilen Notlage wegen des Zuzugs queerer und trans Menschen aus konservativen US-Bundesstaaten diskutiert.
- LGBTIQ+-Organisationen sprechen von einer Form „interner Vertreibung“.
- Hintergrund sind Gesetze und politische Entwicklungen in mehreren republikanisch regierten Bundesstaaten.
- Hilfsorganisationen und Community-Angebote in Seattle sehen sich zunehmend überlastet.
- Eine offizielle Notlage könnte zusätzliche finanzielle Mittel und bessere Koordination ermöglichen.
Ausruf einer zivilen Notlage
Die Seattle LGBTQ Commission wandte sich nun mit einem Schreiben an das Büro des Bürgermeisters, den Stadtrat und die städtische Rechtsabteilung. Darin heißt es, viele trans* Menschen würden derzeit aus Bundesstaaten wie Texas, Florida, Tennessee, Kansas und Idaho nach Seattle ziehen. Als Gründe nennt die Kommission Gesetze, die Rechte von queeren Menschen einschränken, Bedrohungen der persönlichen Sicherheit sowie Einschränkungen bei Gesundheitsversorgung und rechtlicher Anerkennung. Die Situation wird in dem Schreiben als Form der „internen Vertreibung“ beschrieben, auf die bestehende Hilfs- und Notfallsysteme nicht vorbereitet seien. Deshalb forderte die Kommission die Stadtverwaltung auf, eine zivile Notlage auszurufen.
Überlastet mit steigender Nachfrage
Seattle gilt in den Vereinigten Staaten seit Jahren als vergleichsweise sicherer Zufluchtsort für LGBTIQ+-Menschen, insbesondere für trans* Personen auf der Suche nach Stabilität und medizinischer Versorgung. Aktivisten erklären jedoch, dass gemeinnützige Organisationen und Community-Angebote inzwischen Schwierigkeiten hätten, die steigende Nachfrage nach finanzieller Soforthilfe, Wohnungsunterstützung, Transportmöglichkeiten, Rechtsberatung und geschlechtsangleichender Gesundheitsversorgung zu bewältigen. In dem Schreiben heißt es: „Von der Community getragene Maßnahmen allein reichen nicht mehr aus, um dieses akute Problem zu bewältigen.“
Eine anonyme Quelle erklärte gegenüber Seattle Gay News, dass eine offizielle zivile Notlage der Stadt Zugang zu zusätzlichen Finanzmitteln ermöglichen würde. Diese könnten genutzt werden, um auf die Bedürfnisse queerer Menschen zu reagieren, die innerhalb der USA ihren Wohnort wechseln mussten. Darüber hinaus könnte Seattle dadurch die Zusammenarbeit mit regionalen und bundesstaatlichen Stellen verbessern. Ziel sei es, die Stadt als „einen Ort der Sicherheit, Würde und Zugehörigkeit für Menschen, die Schutz suchen“ zu stärken – und zwar „mit mehr als nur symbolischer Sprache oder Gesten“.