Direkt zum Inhalt
Gefängnisstrafen für Homosexuelle

Türkei plant schärfere Gesetze Das geplante Anti-LGBTIQ+-Gesetz wurde jetzt vorgestellt

ms - 16.10.2025 - 15:30 Uhr
Loading audio player...

Seit Jahren ist die LGBTIQ+-Community dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ein besonderer Dorn im Auge, immer wieder werden Pride-Demonstrationen brutal unterdrückt und die Rechte von Homosexuellen und queeren Menschen angegriffen. Bereits im Sommer dieses Jahres warnte die ILGA Europe vor einem neuen geplanten Anti-LGBTIQ+-Gesetz, das hohe Haftstrafen für queere Menschen vorsieht. Nun hat die Regierung ihre Pläne diesbezüglich konkretisiert. 

Gesetze gegen die „öffentliche Moral“

Die türkische Regierung hat jetzt den Gesetzentwurf ihres elften Justizreformpakets vorgelegt. Ein neuer Paragraf sieht dabei vor, dass „jeder, der Einstellungen oder Verhaltensweisen, die bei seiner Geburt festgestelltem biologischen Geschlecht und der öffentlichen Moral widersprechen, öffentlich unterstützt, lobt oder fördert, mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu drei Jahren bestraft“ wird.  

Außerdem sieht der aktuelle Entwurf vor, dass der Artikel 225 über „Obszöne Handlungen“ im Strafgesetzbuch um eine neue Klausel ergänzt werden soll, die auch jene Ausdrucksformen von Geschlecht und Sexualität unter Strafe stellt, die die „öffentliche Moral“ schädigen. Dazu soll ein Verbot von „LGBTIQ+-Propaganda“ ähnlich wie in Russland oder Ungarn für alle Medien und die Öffentlichkeit eingeführt werden. Darunter fallen dann auch Verlobungs- oder Hochzeitszeremonien zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren – ihnen drohen dann bis zu vier Jahren Gefängnis.

„Auslöschung“ der Community 

Schwuler Sex in der Öffentlichkeit könnte künftig dann mit bis zu 16 Jahren Haft bestraft werden, „unsittliche Handlungen oder Exhibitionismus“ mit vier Jahren Gefängnis. Trans* Menschen sollen erst mit frühestens 25 Jahren eine geschlechtsangleichende Operation durchführen lassen können und auch dann nur mit einem psychologischen Gutachten. Das erklärte Ziel der Gesetzesänderungen sei es dabei, die „Erziehung körperlich und geistig gesunder Menschen zu gewährleisten und die Institution der Familie sowie die soziale Struktur zu schützen“. Gegenüber der türkischen Tageszeitung Turkiye Today erklärte ein schwuler Mann indes: „Sie wollen uns auslöschen, aber wir werden uns nicht beugen!“ 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Finanzmittel gefordert

Auszeichnung für queeres Engagement

Mit der Übergabe der „Goldmarie“ beim Queeren Neujahrsempfang 2026 wurden zwei herausragende Persönlichkeiten für ihr Engagement im geehrt.
Penisgate bei Olympia

Wenn die Beule zu groß ist

Penisgate! Der Intimbereich der Skispringer wird bei den Olympischen Winterspielen ab heute exakt vermessen, denn die Beule darf nicht zu groß sein.
Morde in Brasilien

Höchste Opferzahlen bei LGBTIQ+

Für Schwule und trans* Menschen bleibt Brasilien ein tödliches Pflaster mit hohen Mordraten. Weltweit die meisten trans* Personen werden dort ermordet
Homophobe Schmähungen

Neuer Vorfall im britischen Fußball

In England sorgen homophobe Beleidigungen bei einem Fußballspiel erneut für Schlagzeilen - einer von rund 1.400 gemeldeten Vorfälle der Saison.
Social-Media-Verbot

CDU-Plan für Deutschland

Die CDU will ein Social-Media-Verbot für alle Unter-16-Jährigen einführen. Dazu müssten die Daten aller Nutzer registriert werden.
Teilweise Kehrtwende

Behandlung queerer US-Jugendlicher

Zwei große US-Ärzteverbände sprechen sich jetzt gegen Operationen bei trans* Jugendlichen aus. Queere Verbände betonen einen Rückschritt für LGBTIQ+.
Historisches Urteil in Italien

Stärkung von Regenbogenfamilien

Historisches Urteil: In Italien hat ein Gericht erstmals die Mutterschaft einer nicht leiblichen Mutter nach ihrem Tod anerkannt.
Kehrtwende im Fall Kaiser

Fehler der Staatsanwaltschaft?

Nach dem bisexuellen Schiedsrichter Pascal Kaiser wird nicht mehr gefahndet. Ein Fehler bei der Staatsanwaltschaft sorgte für den medialen Tumult.
Antidiskriminierungsberatung

Ende des Angebots in Brandenburg

Die seit 2009 existierende Antidiskriminierungsberatung in Brandenburg wird geschlossen. Grund sind fehlende Gelder von der Bundesregierung.