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Bundesweite Videoberatung Coming Out Day Verein geht neue Wege

Von ms - 29.09.2025 - 10:00 Uhr
Bundesweite Videoberatung
Foto: iStock / miniseries
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Junge LGBTIQ+-Menschen können sich bei Sorgen jedweder Art seit Jahren an den Coming Out Day Verein wenden – bisher mittels Email oder Messenger. Ab heute nun auch bundesweit mit einer Videoberatung. Der Verein geht damit in Zeiten steigender Hasskriminalität und Mobbing gerade auch an Schulen neue Wege.

Mobbing und Gewalt 

Vorstand Sven Norenkemper erklärte dazu: „Lesbische, schwule, bisexuelle, inter- und trans* Jugendliche sind in der Zeit ihres Coming-outs meist einsam und allein, von der Außenwelt ausgegrenzt und oft ganz auf sich allein gestellt. Häufig kommen Mobbing und Gewalt in Schule und sogar im eigenen Elternhaus hinzu. Es fehlen Ansprechpersonen und Rollenvorbilder.“ Coming Out Day ist mit seinem neuen Angebot dabei deutschlandweit die erste Anlaufstelle, die ein kostenloses Videoberatungsprojekt für LGBTIQ+-Jugendliche anbietet.  

Finanziell unterstützt wird das Projekt mit dem Titel „Wir sind für Dich da!“ vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Damit werde auch die „gesellschaftliche Relevanz und das Potenzial des Projekts“ unterstrichen, so der Verein weiter. Das Angebot ist in einem ersten Schritt auf vier Jahre angelegt. 

Jugendliche im virtuellen Raum 

Zudem betont Norenkemper: „Das Videoberatungsprojekt nutzt die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation, um queere Jugendliche dort zu erreichen, wo sie sich häufig aufhalten – im virtuellen Raum. In einer Zeit, in der digitale Medien eine zentrale Rolle 
im Leben junger Menschen spielen, ist dieser Ansatz besonders vielversprechend. Die Videoberatung bietet gegenüber herkömmlichen Beratungsformen einige entscheidende Vorteile: Sie ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang, bietet Anonymität und Sicherheit, folgt einem Peer-to-Peer-Ansatz und ist flexibel in der Termingestaltung. Die Bedeutung dieses Projekts kann kaum überschätzt werden: junge LGBTIQ* bis 27 Jahren stehen oft vor besonderen Herausforderungen, die spezifische Unterstützungsangebote erfordern.“

Queere Menschen auf dem Land 

Gerade auch für homosexuelle und queere Jugendliche und junge Erwachsene im ländlichen Raum könne das neue Projekt so eine Lücke schließen. Wichtig ist dem Verein dabei auch, dass die sorgfältig ausgewählten und geschulten 14 Peer-Berater und Beraterinnen aus der Community kommen und sich damit sehr direkt in die Probleme anderer Gleichgesinnter hineinversetzen können. Gerade hier sei dabei authentische Unterstützung besonders wichtig. Termine können ganz einfach auf der Internetseite gebucht werden, die Gespräche finden zum vereinbarten Termin über einen eigenen Server (Jitsii) mit Sitz in Deutschland statt. Eine Beratung dauert 20 Minuten.

Jahrelange Zweifel und Unsicherheit

Abschließend betont Norenkemper die Wichtigkeit von Hilfsangeboten für junge queere Menschen: „Studien und Umfragen belegen, dass Jugendliche in Ihrem Coming-out weiterhin sehr verletzlich sind. LSBTIQ* Jugendliche haben ein fünf- bis siebenfach erhöhtes Suizidrisiko, depressive Verstimmungen in dieser Gruppe stiegen während der Pandemie auf 66,9 %, selbstverletzendes Verhalten auf 17,9 %. Jugendliche entdecken im Schnitt mit etwa 13 Jahren, dass ihre sexuelle Identität von der Mehrheit abweicht, aber erst mit 18 Jahren erzählen sie davon das erste Mal einer anderen Person. Bis zum Coming-out, bei dem man sich anderen Personen anvertraut, liegen entsprechend oft viele Jahre der Unsicherheit, des Versteckens und der Selbstzweifel. Das größte Problem dieser Jugendlichen ist, dass sie vermeintlich oder tatsächlich keinen anderen Menschen zum Reden haben.“

Mehr unter: www.comingoutundso.de

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