Direkt zum Inhalt
Streit um Aufnahmeprogramm
ANZEIGE

Streit um Aufnahmeprogramm Forderung an das Innenministerium, gefährdete Afghanen wie LGBTIQ+-Menschen weiterhin aufzunehmen

ms - 10.07.2025 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Im Februar dieses Jahres hat der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen führende Personen der Taliban aufgrund der „brutalen Unterdrückung von LGBTIQ+-Personen“ erlassen, nun fordert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Konsequenzen von der Bundesregierung. 

Kritik an Dobrindts Vorgehensweise 

Nachdem das Aufnahmeprogramm für Afghanistan zum Stillstand gekommen ist und gleichzeitig die Lage für schwule, lesbische und queere Personen vor Ort immer lebensgefährlicher wird, dürfe die schwarz-rote Regierung jetzt niemanden mehr in das Land abschieben, erst recht nicht besonders gefährdete Afghanen, fordert Amnesty. Die Organisation betont dabei die Wichtigkeit von Visa für jene Personengruppe.

Theresa Bergmann, Asien-Expertin des Menschenrechtsvereins, erklärte dazu, dass die Haftbefehle ein erster Schritt seien, um die Taliban für ihre Grausamkeiten zur Rechenschaft zu ziehen. „Das Urteil zeigt, wie dramatisch die Menschenrechtsverletzungen der Taliban in Afghanistan nach dem Völkerrecht einzuordnen sind. Jede Abschiebung nach Afghanistan ist aktuell klar völkerrechtswidrig. Gleichzeitig haben wir mit Alexander Dobrindt einen Innenminister, der ohne Scham und Scheu mit den Taliban verhandeln und nach Afghanistan abschieben will – damit schickt er Menschen im schlimmsten Fall in den Tod.“ 

Höllische Erfahrungen in Afghanistan 

Der Menschenrechtsaktivist Ali Tawakoli, Gründer der Rainbow Afghanistan Organisation, hatte dazu gegenüber SCHWULISSIMO erklärt: Die Situation der LGBTIQ+-Gemeinschaft in Afghanistan hat sich in den letzten drei Jahren unter der Herrschaft der Taliban nicht nur verschlechtert, sondern sich zu einer beispiellosen humanitären Krise entwickelt (…) LGBTIQ+-Personen werden nicht nur ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt, sondern sind auch der extremsten Formen von Gewalt und Repression ausgesetzt sind. Diese Situation ist so erschreckend und grausam, dass viele dieser Menschen keine andere Wahl haben, als zu fliehen oder den Tod zu akzeptieren. Die LGBTIQ+-Gemeinschaft hat höllische Erfahrung durchlebt, die brutale Hinrichtungen im öffentlichen Raum, Steinigungen und körperliche sowie seelische Folter umfasst.“

Bundesinnenministerium prüft Aufnahmezusagen

Zu Beginn dieser Woche hatte das Berliner Verwaltungsgericht in einem Eilantrag zugunsten einer afghanischen Wissenschaftlerin entschieden, die aktuell mit ihrer Familie in Pakistan auf die Einreise nach Deutschland wartet. Die Bundesrepublik sei dazu verpflichtet, diese ehemaligen Aufnahmezusagen weiterhin einzuhalten, so der Richterspruch. Rechtsgültig ist die Einzelfall-Entscheidung allerdings noch nicht, gegen den Beschluss kann Beschwerde eingelegt werden. Auch ein Gutachten von Pro Asyl kam in diesen Tagen zu dem Schluss, dass Deutschland sich strafbar mache, wenn die Regierung diese Aufnahmezusagen nicht einlöse. Das Innenministerium erklärte indes, man wolle die Rechtslage eingehend prüfen – gegebenenfalls wird der juristische Streit darüber bei höheren Instanzen fortgesetzt werden. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Sexpositive Städte weltweit

Vancouver holt deutlich auf

Die sexpositivste Stadt weltweit bleibt auch 2026 Amsterdam, doch Vancouver auf Platz 2 holt stark auf. Die erste deutsche Stadt: Köln auf Platz 4.
Kirchen im LGBTIQ+-Check

Zwischen Akzeptanz und Ablehnung

Eine neue US-Rangliste zeigt: Während einige Kirchen LGBTIQ+-Menschen vollständig gleichstellen, halten andere an einer strikten Ablehnung fest.
Australiens Volkszählung

Erstmals wird LGBTIQ+ mitgedacht

Australiens neue Volkszählung 2026 erfasst erstmals LGBTIQ+-Daten. Aktivisten sehen darin einen wichtigen Schritt für mehr Sichtbarkeit.
Lehrer kämpfen für Schutz

Ohio verschärft LGBTIQ+-Regeln

Eine Lehrerin hat in Ohio eine Kampagne angestoßen und schult Pädagogen zu LGBTIQ+-feindlichen Gesetzen gegen Schüler.
Burnhams Kabinett im Fokus

Zwischen Gleichheit und Streit

Das neue britische Labour-Kabinett unter Andy Burnham steht wegen seiner Positionen zu LGBTIQ+-Rechten derzeit verstärkt im Fokus.
HIV-Hilfe unter Druck

US-Kürzungen mit massiven Folgen

Eine neue Studie sieht massive Folgen von US-Hilfskürzungen für HIV-Programme, über 1.700 Einrichtungen weltweit mussten bereits schließen.
World Pride in Amsterdam

Königlicher Auftakt für Vielfalt

Mit Besuch von Königin Máxima ist der World Pride in Amsterdam gestartet. Veranstalter und Politik warnen vor wachsendem Druck auf LGBTIQ+-Rechte.
Ermittlung gegen Bürgermeister

Streit um beleidigende E-Mails

Nach dem Streit um die Rettung des gestrandeten Buckelwals "Timmy" ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Timmendorfer Strands schwulen Bürgermeister.
Grindr-Fallen vor Gericht

Urteilsspruch in Frankreich

Sechs Männer sind nach Grindr-Fallen in Frankreich verurteilt worden. Trotz gezielter Angriffe erkannte das Gericht kein homophobes Tatmotiv an.