Appell der Drehbuchautoren Dank Rechtsruck in Europa werden queere Stoffe weniger
Eine Gruppe von Drehbuchautoren in Europa warnte jetzt vor zunehmender Selbstzensur infolge der wachsenden Macht rechter Parteien in Europa wie auch weltweit – die Folge davon seien weniger kritische Scripts oder Geschichten jenseits des klassischen Mainstreams wie etwas LGBTIQ+-Stoffe.
Angst bei TV-Sendern und Produzenten
Wie ein Bericht der Europäischen Drehbuchautorenvereinigung (FSE) zeigt, übt dies „einen paralysierenden Effekt“ auf Kreative aus, der bereits die Entwicklung von Film- und Fernsehprojekten beeinflusse. Die Autoren erklären, dass sich in den vergangenen zehn Jahren weltweit „ein grundlegender Wandel in politischen Überzeugungen und Werten“ vollzogen habe, der die Unterstützung für rechtsextreme Parteien deutlich erhöht habe. Besonders betroffen seien aktuell Regierungen in Kroatien, Tschechien, Finnland, Ungarn, der Slowakei, Schweden und Italien, die alleine oder in Koalition regieren.
Die FSE kritisiert so, dass kreative Entscheidungen zunehmend „subjektiv über das kreative, kommerzielle und Publikums-Potenzial von Projekten“ getroffen würden, „auch in frühen Entwicklungsphasen“. Laut dem Bericht seien viele TV-Sender und Produktionsfirmen inzwischen dazu gezwungen, Programme so anzupassen, dass sie keine Kritik von einflussreichen Rechtsextremen auf sich ziehen. „Die Risikostrategien führen dazu, dass sich Kreative von Geschichten fernhalten, die problematisch sein könnten, wie etwa Themen zu Migration oder LGBTIQ+“, heißt es.
Abhängigkeit von Förderinstanzen
Besonders kritisch wird das Vorgehen der ungarischen Regierung sowie der früheren polnischen Regierung hervorgehoben. Der Bericht betont so weiter: „Der paralysierende Effekt trifft auch die Kreativen selbst. Drehbuchautoren präsentieren Projekte nur noch denen, die sie für interessiert halten. Genres wie romantische Komödien, Abenteuer- oder Historienstoffe sind gefragt, während Geschichten über Migration oder LGBTIQ+-Themen oft zurückgestellt werden.“ Die FSE weist zudem auf die starke Abhängigkeit der europäischen Film- und Fernsehindustrie von öffentlichen Fördermitteln und staatlichen Agenturen hin. Diese Abhängigkeit erhöhe das Risiko, dass weniger Arbeitsmöglichkeiten für Drehbuchautoren verfügbar seien.
Die Situation sei in den USA noch kritischer. 2023 wurden dort weniger als die Hälfte der in Europa produzierten Spielfilme und rund 60 Prozent der Serien hergestellt. Der Bericht nennt die Trump-Administration als möglichen Einflussfaktor auf europäische Projekte und warnt vor einer Schwächung der rechtlichen und politischen Grundlagen des europäischen audiovisuellen Sektors. „Die Ablehnung der EU-Regulierungen durch die extreme Rechte, kombiniert mit der Skepsis der Trump-Administration gegenüber Vorschriften, die US-Unternehmen angeblich schaden, gefährdet die Grundlagen des europäischen audiovisuellen Sektors“.
Leugnung der Krise?
Die FSE bezeichnet zudem die Schließung des umbenannten Trump Kennedy Centers als „besorgniserregend für die globale Meinungsfreiheit“ und kritisiert die Äußerungen von US-Vize J.D. Vance, der die Meinungsfreiheit in Europa im Rückzug sieht. Die Organisation fordert ihre Mitglieder auf, Fälle von Zensur und umstrittene politische Entscheidungen zu dokumentieren, um europaweit Initiativen zur Sicherung der künstlerischen Freiheit zu unterstützen. „Wir leben in einer Zeit echter Krise. Aber Krisen lösen sich nicht, indem man ihre Existenz leugnet. Drehbuchautoren haben das Recht und die Verantwortung, der Erosion der Meinungsfreiheit zu widerstehen, sich gegen diejenigen zu stellen, die ihnen vorschreiben wollen, was, wie oder ob sie schreiben dürfen, und für die Bedeutung und Kraft ihrer Geschichten einzutreten.“