Direkt zum Inhalt

Scharfe Kritik in Heidelberg Queere Vereine und die Linke verurteilen Schändung der Magnus Hirschfeld-Gedenkplakette

Von ms - 06.05.2025 - 15:00 Uhr
Scharfe Kritik in Heidelberg
Foto: Queeres Netzwerk Heidelberg / Steffen Schmid
ANZEIGE
Loading audio player...

Scharfe und berechtigte Kritik wird jetzt in Heidelberg laut, nachdem am 30. April unbekannte Täter die Gedenkplakette zu Ehren des schwulen Sexualwissenschaftlers und Pioniers der LGBTIQ+- Forschung Magnus Hirschfeld brutal abgerissen und gewaltsam von der Hauswand an der Sandgasse entfernt haben. Nur noch drei der vier Wandschrauben erinnern aktuell daran. 

Trauriger Höhepunkt der Angriffe

Die Gedenktafel war erst Anfang Januar dieses Jahres zusammen mit Bürgermeisterin Stefanie Jansen feierlich eingeweiht worden. Das Queere Netzwerk Heidelberg betonte dazu jetzt: „Nach zahlreichen Angriffen gegen queere Fahnen, queere Orte und Symbole in den letzten Jahren ist die Zerstörung und gewaltsame Entfernung der Gedenkplakette ein trauriger Höhepunkt von queerefeindlichen Angriffen. Die Schändung dieses queeren Erinnerungsortes trifft uns sehr und macht uns fassungslos.”

Dabei könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Täter den Tag bewusst gewählt haben, der 30. April ist der Todestag von Adolf Hitler. Eine Sprecherin des Heidelberger Bündnisses “Kein Schritt nach Rechts” sagte dazu: „Magnus Hirschfeld ist der Begründer der Sexualwissenschaften und seine Bücher waren mit unter den ersten, die von den Nationalsozialisten verbrannt wurden. Außerdem wurde er als Jude verfolgt und aus Deutschland vertrieben.”

Reizthema LGBTIQ+-Akzeptanz

Der geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Helmut Metzner, zeigte sich inzwischen ebenso erschüttert: „Am 14. Mai gedenken wir des 90. Todestags und 167. Geburtstages des großen Arztes, Aufklärers und Vorkämpfers für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Er hat sich stets gegen die Kriminalisierung und Pathologisierung queerer Menschen engagiert. Das provoziert Uneinsichtige offenbar bis hin zur Aggression. Wir dürfen nicht zulassen, dass die aggressive Tat eine dauerhafte Lücke reißt. Das ist in Zeiten, in der queere Menschen sich verstärkten Angriffen ausgesetzt sehen, als Zeichen sichtbarer Solidarität der demokratischen Gesellschaft besonders wichtig.“

Forderung nach besserer Aufklärung

Und die Linke queer Baden-Württemberg betonte überdies: „Der Anschlag auf die Gedenktafel reiht sich ein in eine inzwischen viel zu lange Liste queerfeindlicher Angriffe in ganz Deutschland und ist für uns ein eindeutiges Hassverbrechen. Dass solche Taten auf offener Straße passieren können, ist erschütternd (…) Wir fordern ernsthafte Aufklärung dieses Falls und eine Aufnahme in die Statistik der rechtsradikalen Straftaten. Angriffe wie diese sollen die queere Community einschüchtern und wieder in die Unsichtbarkeit drängen. Dem stellen wir uns entschieden entgegen“, so Landessprecher Johannes Schmidt, der überdies nahelegt, dass queerfeindliche Angriffe wie diese „immer wieder von den Behörden nicht ernst genommen werden“ würden.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

ntv"Man hat sich geschminkt": Thomas Anders vergleicht sich mit Bill KaulitzSüddeutsche ZeitungHip-Hop aus München: Wie Rapperin Ebow das Lebensgefühl von Gastarbeiterkindern vertontFalterTipp Pop: Ebow – Cool, queer und gesellschaftskritischtazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Sexszenen bei Heated Rivalry

Dreharbeiten und Proben laufen

Die Vorbereitungen für „Heated Rivalry“ Staffel 2 laufen. Regisseur Jacob Tierney spricht über Sexszenen, Nacktheit und den Schutz seiner Stars.
Heiße Sportstars

Besondere Nominierungen

Bei Grindrs Jahreswahl „Unwrapped 2026“ konkurrieren Fußballstars, Tennisprofi Carlos Alcaraz und Olympiasiegerin Alysa Liu um besondere Titel.
„Black Doves“ kehrt zurück

Netflix setzt Spionagethriller fort

Ab 5. November läuft die zweite Staffel von „Black Doves“ auf Netflix. Ben Whishaw kehrt als schwuler Auftragskiller mit bewegter Vergangenheit zurück
Ehemann ist schwul: Frau klagt

50.000 Euro Schadensersatz?

Eine Italienerin fordert 50.000 Euro von ihrem schwulen Ex-Mann, weil ihr Kinderwunsch unerfüllt blieb. Das Gericht entscheidet nicht über die Klage.
Queere Jugend macht Politik

Mit 16 schon mitbestimmen

Die US-Initiative „Queer the Ballot“ zeigt LGBTIQ+-Jugendlichen, wie sie politische Entscheidungen beeinflussen können – auch ohne Wahlrecht.
Ein Vorbild nimmt Abschied

Basketballstar beendet Karriere

Der offen schwule Basketballprofi Isaac Humphries beendet mit 28 Jahren seine Karriere. Sein Coming-Out bezeichnet er als seinen stolzesten Moment.
Spendenboom bei Gallant

350.000 Dollar nach Enthüllung

Nach der Veröffentlichung alter BDSM-Fotos erhält der schwule US-Demokrat Chris Gallant mehr als 350.000 Dollar Spenden und übertrifft seinen Rivalen.
Russland fahndet nach Reporter

Schwuler Journalist auf der Flucht

Russland geht zunehmend gegen homosexuelle Journalisten vor. Der geflüchtete Vadim Vaganov berichtet über staatliche Verfolgung und Einschüchterung.
Hoffnung für Jugendliche

Unterstützung senkt Suizidrisiken

Eine US-Langzeitstudie zeigt: Trotz zunehmender Diskriminierung gehen Selbstverletzungen und Suizidversuche bei LGBTIQ+-Jugendlichen zurück.