Zensur im Klassenzimmer Mehr denn je zuvor werden LGBTIQ+-Bücher an US-Schulen verbannt
Die Zensur an amerikanischen Schulen geht weiter – die neuste Untersuchung der unabhängigen US-Autoren-Organisation PEN America belegt nun eindrucksvoll die aktuelle Lage. Im Jahr 2024 wurden an mehr als 10.000 Schulen und Bildungseinrichtungen im ganzen Land über 4.200 Bücher entfernt und aus den Lehrplänen gestrichen, ein großer Teil davon waren Werke mit LGBTIQ+-Bezug. Ähnlich dramatisch die Lage bei Sachbüchern über die US-Geschichte und bei Biografien von bekannten Persönlichkeiten. Die Hälfte aller hier entfernten Publikationen handelten von schwarzen Menschen und LGBTIQ+-Personen.
Angriffe nehmen weiter zu
„Diese gezielte Zensur stellt einen schädlichen Angriff auf historisch marginalisierte und unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen dar – ein gefährlicher Versuch, ihre Geschichten, Errungenschaften und die Geschichte selbst aus den Schulen zu löschen. Wenn wir weiterhin Bibliotheksregale von Büchern über bestimmte Gruppen säubern, machen wir den Zweck einer Bibliothekssammlung zunichte, die das Leben aller Menschen widerspiegeln soll. Die schädlichen Folgen für junge Menschen sind real“, so Sabrina Baêta, Senior Managerin für das Freedom to Read-Programm von PEN America.
Die Lage scheint sich dabei immer weiter zu verschlimmern – waren es im Schuljahr 2021 noch rund 1.600 Bücher, die zensiert wurden, wurden im letzten Jahr 4.218 unterschiedliche Titel aus den Regalen entfernt. Nach Angaben der American Library Association werden die Verbote vor allem von konservativen Aktivisten und Eltern weiter vorangetrieben.
Gefahr für LGBTIQ+-Schüler
Der Ausschluss von Texten über schwarze Menschen und LGBTIQ+ sei auch deswegen besonders bedenklich, so PEN America weiter, weil die Hälfte aller US-Schüler inzwischen schwarz sind und sich überdies laut der jüngsten Gallup-Umfrage 23,1 Prozent der jungen amerikanischen Generation Z, zu denen die Schüler gehören, als LGBTIQ+ definieren.
Besonders oft wurden dabei auch Titel entfernt, die das Thema Sexualität kindgerecht und sachlich thematisierten, fernab jeder Form von echter Pornografie. „Bücher mit sexuellem Inhalt ermöglichen es den Schülern, Fragen zu diesem Aspekt der menschlichen Erfahrung zu stellen, was ihnen helfen kann, sich zu orientieren“, so PEN America abschließend.