Direkt zum Inhalt
Schwule Touristen unerwünscht!

Schwule unerwünscht! Floridas offizielle Tourismus-Webseite verbannt alle LGBTI*-Themen

ms - 20.08.2024 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Der US-Bundesstaat Florida will offenbar keine schwulen Touristen mehr, die bisher in Scharen Jahr für Jahr aus anderen Teilen der USA sowie weltweit in den Sunshine State gekommen sind. Lange Zeit war Florida international ein Mekka der internationalen Gay-Community. Nun bitte nicht mehr – und generell scheint man von LGBTI*-Menschen als Urlaubsgäste auch nicht mehr viel zu halten. 

Löschaktion bei schwulen Themen

Zumindest, wenn es nach der offiziellen Tourismus-Webseite Floridas geht. Jahrelang bewarb man den US-Bundestaat dort ausführlich und sichtbar als eines der LGBTI*-freundlichsten Reiseziele in den USA inklusive zahlreicher Tipps und Angebote für Homosexuelle und queere Menschen. Still und leise hat die Tourismusmarketinggesellschaft des Bundesstaates, VisitFlorida.com, nun praktisch alles zum Thema LGBTI* gelöscht. Eine eigne Landing Page mit Blogbeiträgen und Videos zu den schwulenfreundlichen Stränden des Bundesstaates, zu Pride-Veranstaltungen und Ideen für LGBTI*-Ausflüge in der Region wie bisher sucht man ebenso vergebens. 

Bis vor kurzem war dort indes noch zu lesen: „Die Strände Floridas, das warme Wetter und die unzähligen Aktivitäten vermitteln ein Gefühl von Freiheit - ein Anziehungspunkt für Menschen aller Orientierungen, aber besonders attraktiv für die schwule Community, die nach einem Gefühl der Zugehörigkeit und Akzeptanz sucht. Egal, ob Sie als Paar einen romantischen Urlaub suchen oder als moderne Familie auf der Suche nach kinderfreundlichem Spaß sind, hier gibt es viele LGBTI*-freundliche Reiseziele im gesamten Sunshine State für Sie.“

Homophobe Taktik

Eine offizielle Stellungnahme, warum Visit Florida so plötzlich alle Anknüpfungspunkte zur LGBTI*-Community gelöscht hat, gibt es trotz mehrfacher Presserückfragen bis heute nicht. Die Vorgehensweise passt allerdings bestens in die homophobe Agenda von Gouverneur Ron DeSantis, geistiger Vater des „Don´t Say Gay“-Gesetzes im US-Bundesstaat, welches seit 2022 in Kraft ist und LGBTI*-Themen an Schulen verbietet – ein Klima der Angst hat sich seitdem vielerorts manifestiert.

Florida ist seitdem zu einem unsichereren Ort für LGBTI*-Menschen geworden, ein wesentlicher Grund, weswegen letztes Jahr auch die Human Rights Campaign eine öffentliche Reisewarnung für den Bundesstaat ausgesprochen hatte. Eine Umfrage der International Gay and Lesbian Travel Association unter 2.300 LGBTI*-Amerikanern ergab in diesem Jahr, das aufgrund der neuen Gesetze inzwischen 52 Prozent von ihnen davon absehen, überhaupt nach Florida zu reisen.

Starke Negativ-Botschaft an die Community

Die „Sorge“ um die Sicherheit dürfte dabei allerdings kaum die Ursache der brachialen Löschaktion gewesen sein – es bleibt ein Fall von Homophobie. Bemerkenswert ist dabei zudem, dass alle anderen Minderheitengruppen wie Schwarze oder  hispanische Touristen nach wie vor mit einer eigenen Landing Page online angesprochen werden – nur die Homosexuellen finden sich dort eben nicht mehr. 

„Es fühlt sich wirklich so an, als wären wir einfach ausradiert worden. Wir wollen, dass LGBT-Leute hierher kommen, wir haben wirklich coole Orte, die wir hervorheben und präsentieren können, aber wenn die staatliche Plattform jede Spur von uns in Florida entfernt, sendet das eine ziemlich starke Botschaft an unsere Touristen und an unsere ganze Community in Florida“, so die bekannte lesbische Reisebloggerin Rachel Covello, die über die Plattform OutCoast über LGBTI*-freundliche Reiseziele in Florida berichtet.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Tee trinken macht schwul

Debatte über absurde Klischees

Ein viraler Reddit-Thread zeigt, mit welchen skurrilen Vorstellungen über Männlichkeit und Homosexualität Menschen noch immer konfrontiert werden.
Have a Gay Summer

Bizarrer Streit an US-Schule

Ein Aushang mit der Botschaft „Have a Gay Summer“ hat an einer Highschool in Massachusetts eine kontroverse Debatte ausgelöst.
Queere Stimmen im Iran

Aktivistin warnt vor Verfolgung

Die iranische Aktivistin Shadi Amin fordert mehr Aufmerksamkeit für die Situation von LGBTIQ+-Menschen im Iran und warnt vor Verfolgung und Gewalt.
Krisenlage in Usbekistan

Mehr Strafverfahren gegen Schwule

Queere Verbände werfen Usbekistan vor, mit der verschärften Anwendung eines Anti-Homosexualitätsgesetzes grundlegende Menschenrechte zu verletzen.
XTube beendet Betrieb

Pornoplattform vor dem Aus

Die einst beliebte Plattform XTube stellt ihren Betrieb nach 13 Jahren ein – begleitet von anhaltenden Kontroversen um illegale Inhalte.
KI und die queere Community

Risiken für LGBTIQ+-Menschen

Künstliche Intelligenz kann LGBTIQ+-Menschen unterstützen, birgt aber auch Risiken durch Vorurteile, Desinformation und Diskriminierung.
20 Jahre Gay Help Line

Italiens Community feiert Jubiläum

Die italienische Gay Help Line wird 20 Jahre alt und registriert seit einiger Zeit einen massiven Anstieg von Homofeindlichkeit, Gewalt und Erpressung
Neue ZDF-Doku über Aids

Blick auf zwei Künstler der DDR

Eine neue ZDF-Doku erzählt anders und spannend über die HIV-Krise in Ost- und Westdeutschland anhand der Lebensgeschichte zweier DDR-Künstler.
Suizid bei trans* Jugendlichen

Neue US-Studie belegt Vermutungen

Eine US-Studie zeigt einen starken Zusammenhang zwischen Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen sowie erhöhten Suizidgedanken bei trans* Personen.