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Keine Dating-Apps bei Olympia
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Keine Dating-Apps bei Olympia? Kann schwules Dating im Olympischen Dorf zur Gefahr werden?

ms - 24.07.2024 - 11:00 Uhr

Ob das wirklich im Sinne der rund 10.500 Athleten ist, die in diesen Tagen nach und nach ins Olympische Dorf in Paris einziehen? Das Komitee sperrte für die gesamte Zeit der Olympischen Spiele bis Mitte August auf dem Gelände wesentliche Funktionen der schwulen Dating-App Grindr. 

Keine Geolokalisierung mehr

Nachdem sich die ersten schwulen Sportler via X über die Sperrung echauffiert hatten, erklärten die Olympia-Organisatoren auf Rückfrage der britischen Daily Mail, dass grundsätzlich Dating-Apps im olympischen Dorf zwar zugängig seien, aber jene mit Geolokalisierung seien gesperrt beziehungsweise sei von Seiten der Anbieter die Standortangabe zwischenzeitlich deaktiviert worden.

Grindr selbst erklärte dazu inzwischen: „Grindr hat dieselbe Einschränkung während der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking eingeführt. Wir wollen, dass Grindr ein Ort ist, an dem sich alle queeren Athleten, egal woher sie kommen, sicher fühlen, wenn sie sich im olympischen Dorf aufhalten“, so der Leiter der Gleichstellungsabteilung, Jack Harrison-Quintan. 

Vorfall in Brasilien 

Hintergrund der Entscheidung ist ein Vorfall aus dem Jahr 2016 – damals loggten sich zwei Journalisten der Daily Best auf dem Gelände des Olympischen Dorfes im brasilianischen Rio de Janeiro in die schwule Dating-App ein und berichteten anschließend erfreut darüber, dass sie binnen einer Stunde drei Dates mit schwulen Männern hätten klarmachen können. 

Das große Problem: Der Artikel enthielt genügend Detailinformationen, um einige schwule Sportler zu outen, darunter auch solche, die in Ländern leben, in denen Homosexualität bis heute kriminalisiert wird. Erst nach massiver Kritik änderte die Daily Beast ihren Onlinetext einen Tag später ab. Grindr möchte mit der Entscheidung also offenbar kein erneutes Risiko eingehen. 

Flirts und schwule Affären 

Online gibt es an der teilweisen Sperrung der schwulen Dating-App allerdings trotzdem mitunter Kritik, vor allem deswegen, weil andere Plattformen für homosexuelle Männer wie Sniffies, Jack´d, Blowers oder auch Tindr weiterhin frei zur Verfügung stehen – allerdings bündeln diese Anbieter allem Anschein nach bei weitem nicht so viele schwule Athleten bei sich wie Grindr. 

Offenbar sind Verabredungen, Flirts und Affären bei den Athleten dabei durchaus ein Thema, kostenfrei werden im Olympischen Dorf auch Kondome zur Verfügung gestellt. Ein Sportler schreibt unter Pseudonym auf X: „Bringt man junge, superfitte Athleten an einem Ort zusammen, ist ein Feuerwerk vorprogrammiert, unabhängig von der Orientierung.“ Ähnlich sieht das auch der schwule amerikanische Turmspringer Tyler Downs (21) gegenüber der US Weekly: „Ich meine, es ist nicht völlig aus meinem Kopf. Was auch immer passiert, passiert. Es ist Paris. Es ist die Stadt der Liebe, oder?“ 

Die Ansicht scheint der 21-Jährige Olympionike mit anderen Sportlern zu teilen, sein britischer Kollege Tom Daley zumindest testete im Olympischen Dorf erst einmal die Stabilität der „Anti-Sex-Betten“. Offiziell sind in diesem Jahr mindestens 144 homosexuelle und queere Athleten am Start

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