Direkt zum Inhalt
Radikaler Kurs gegen Homosexuelle

Radikaler Kurs gegen Schwule Erst das Anti-Homosexuellen-Gesetz, jetzt sollen Schwule und Lesben im Irak ganz isoliert werden

ms - 07.05.2024 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Erst vor wenigen Tagen verabschiedete das irakische Parlament ein neues Anti-Homosexuellen-Gesetz, das für „Werbung“ für Homosexualität sowie für homosexuelle Handlungen selbst bis zu 15 Jahre Haft vorsieht. Die angedachte Einführung der Todesstrafe konnte wohl nur auf wirtschaftlichen Druck seitens der USA abgewendet werden. Bereits jetzt scheinen irakische Behörden aktiv zu versuchen, die letzten verbliebenen Kommunikationswege von Schwulen und Lesben im Land zu zerstören. 

Lebenswichtig: Social Media im Irak

Bisher konnten Homosexuelle sich über soziale Medien wie Facebook und Instagram relativ sicher austauschen und in einem geschützten Raum in geschlossenen Gruppen anonym auch Themen rund um die eigene Sexualität besprechen. „Mit der 2018 eingeführten Instagram-Story-Funktion ‚Enge Freunde‘ wurde es für Menschen noch einfacher, sich zu vernetzen und sogar Liebe zu finden“, erzählt so der 22-jährige Student Khalid der Deutschen Welle. 

Und Shalal Kado, Geschäftsführer der irakischen Menschenrechtsorganisation IraQueer, erklärt weiter: „Die sozialen Medien sind hier die wichtigste Plattform für jegliche Art der Meinungsäußerung, insbesondere für diejenigen, die keine eigenen Räume haben. Dazu gehören gefährdete Gruppen wie die LGBTI*-Community. Die sozialen Medien waren für diese Menschen die eine Möglichkeit, sich auszudrücken, sich zu vernetzen und Gemeinschaften zu bilden.“ 

Digitale Jagd auf Schwule und Lesben

Ähnlich wie in Ägypten bereits seit einigen Jahren bestand natürlich trotzdem auch im Irak immer die Gefahr, dass auch geschlossene Gruppen von den irakischen Behörden ausspioniert werden können – bereits Anfang dieses Jahres warnte Human Rights Watch davor. Bisher allerdings gab es dafür zumindest keine direkte rechtliche Grundlage – das ändert sich nun mit dem neuen Anti-Homosexuellen-Gesetz. 

Zudem scheinen irakische Fahnder sowie auch Mitarbeiter der irakischen Kommunikations- und Medienkommission seit einigen Tagen sehr gezielt und verstärkt zu versuchen, homosexuelle Gruppen ausfindig zu machen und die beteiligten Personen zu identifizieren. Gerade das neue „Werbe-Verbot“ von Homosexualität erlaubt hier einen weitreichenden Spielraum und viel Platz für Interpretationen.  

Homosexuelle wollen sich wehren 

Die Angst, entdeckt zu werden, sei nicht neu, sagt Khalid: „Wir haben schon immer in Angst und im Verborgenen gelebt. Jetzt gibt es nur noch mehr Grund zur Sorge.“ Kämpferischer präsentiert sich da IraQueer, Geschäftsführer Kado erklärt so: „Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu wehren, und genau daran arbeitet die Community derzeit. Die Sicherheit hat oberste Priorität. Aber wir werden nicht aufgeben. Das ist keine Option.“ 

Dabei verweist er auf mehrere Lynchmorde von LGBTI*-Influencern in den letzten Monaten, angestachelt vermutlich von der irakischen Regierung. „Die Geschichte zeigt uns, dass, wenn eine Gruppe ins Visier genommen wird, eine andere gefährdete Gruppe zwangsläufig die nächste sein wird. Sobald man den Tätern erlaubt, einen Schritt zu tun, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, werden sie weitere Schritte unternehmen. Irgendwann wird es zu spät sein, sie aufzuhalten.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Folgen für trans* Personen

LGBTIQ+-Soldaten in Gefahr

Die Ankündigung von Trump, ohne Zustimmung des Kongresses militärische Operationen gegen den Iran einzuleiten, sorgt für Sorgen auch bei LGBTIQ+.
Keine Männer im Bau?

Die Männchen werden nicht gebraucht

Bei der in Japan heimischen Ameisenart Temnothorax kinomurai existieren ausschließlich Königinnen – Arbeiterinnen und Männchen fehlen vollständig.
Humorvolle Selbstironie

Erik Bottcher mit „twinkigem“ Look

Mit Rekordergebnis hat Erik Bottcher, offen schwuler Politiker der Demokraten, die Nachwahl zum Senat des Bundesstaates New York für sich entschieden.
Mann bringt Sexpartner um

Neun Jahre Haft

Ein 43 Jahre alter Mann ist in Berlin wegen der Tötung seines Sexpartners zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt worden.
Dauererektion dank Honig?

Warnung vor besonderer Honigpaste

Das Landratsamt Tübingen warnt vor einer Honigpaste, die bei Amazon erhältlich war. Die Nebenwirkung? Eine mögliche Dauererektion.
Soziale Medien in Deutschland

Starker Zuwachs in vier Jahren

Die Mehrheit der Deutschen (59%) nutzt inzwischen soziale Medien, besonders immer mehr junge queere Menschen, bestätigt das Bundesamt für Statistik.
Neue Spielklasse im US-Rugby

Kategorie für queere Athleten

Der Dachverband USA Rugby führt eine offene Spielklasse für queere und trans* Sportlerinnen ein, um ihnen so die Möglichkeit der Teilhabe anzubieten.
Kritik an US-Regierung

Neue Regeln bei Entwicklungshilfe

Die USA haben Richtlinien zur Entwicklungshilfe angepasst: Geld bekommt, wer nicht gegen die Trump-Agenda verstößt. Der LSVD+ kritisiert die Maxime.
Angriffe auf Rob Jetten

Homophobe Hass-Botschaften

Der neue schwule Premierminister der Niederlande, Rob Jetten, hat in den ersten Tagen seit Amtsantritt hunderte homophobe Hass-Nachrichten bekommen.