Direkt zum Inhalt

Neue Leitlinien Sexuelles Online-Dating ist weitestgehend kein Problem mehr, auch nicht für LGBTI*-Soldaten!

Von ms - 26.09.2023 - 14:30 Uhr
Neue Leitlinien
Foto: iStock / Wicki58
ANZEIGE
Loading audio player...

Nach dem Rechtsstreit mit der transgeschlechtlichen ehemaligen Kommandeurin Anastasia Biefang hat die Bundeswehr jetzt ihre Richtlinien im Umgang mit Sexualität und „sexualisiertem Fehlverhalten“ überarbeitet und zum September in Kraft treten lassen. Biefang hatte sich durch mehrere Instanzen geklagt, weil sie von ihrem Vorgesetzen einen Verweis für ihr privates Dating-Profil bekommen hatte – darin suchte die Trans-Frau nach sexuellen Kontakten.

Im Mai letzten Jahres entschied dann das Bundesverwaltungsgericht zugunsten der Bundeswehr und hob die angebliche „sexuelle Disziplinlosigkeit“ der Bundeswehroffizierin hervor. Biefang reichte daraufhin Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Ausgangspunkt des gesamten Streits war dabei der Paragraf 17 des Soldatengesetzes, der Soldaten vorschreibt, auch außerhalb ihrer Dienstzeit sich so zu verhalten, dass das Ansehen der Bundeswehr dadurch nicht verletzt wird.

Sexualität bleibt Privatsache – auch für LGBTI*-Soldaten

Mehrfach lag zuletzt allerdings auch immer wieder der Vorwurf im Raum, die Bundeswehr agiere hier LGBTI*-feindlich. In den neuen Richtlinien nun betont diese: „Sexualität ist natürlich und Ausdruck der Persönlichkeit. Sie ist dem Privatleben zuzuordnen und als Bestandteil der Privat- und Intimsphäre vor staatlichem Zugriff besonders geschützt.  Die Intimsphäre und mit ihr die Sexualität der Angehörigen des GBGeschäftsbereich BMVgBundesministerium der Verteidigung sind daher einer Einflussnahme durch den Dienstherrn grundsätzlich entzogen.“ Dies treffe gerade auch für sexuelle Beziehungen außerhalb des Dienstes zu.

Trotzdem hat der Paragraf 17 weiterhin Gültigkeit, wie die Bundeswehr erneut betont. Und zum Thema Online-Dating bekräftigt die Bundeswehr überdies, dass eine „öffentliche geschlechtsbezogene Zurschaustellung“ sehr wohl zum Problem werden könnte, vor allem dann, wenn Grenzen der Obszönität oder der Pornografie überschritten werden würden – gerade auch in Verbindung mit Bundeswehrsymbolen wie Uniformen, Ausrüstung oder Wappen. „Bezüglich des strafrechts- und ordnungsrechtskonformen privaten Auslebens der Sexualität hat der Dienstherr keine besondere Erwartungshaltung (mehr) an die moralische Integrität als Anknüpfungspunkt von Achtung und Vertrauen.“

Klares Statement gegen sexuelle Belästigungen

Des Weiteren spricht sich die Bundeswehr in den neuen Richtlinien auch klar gegen sexuelle Belästigungen jedweder Art aus: „Sexuelle Belästigungen sowie jede andere Verletzung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung können einen schwerwiegenden Angriff auf die Würde und die körperliche Integrität der betroffenen Person darstellen. Es besteht zudem der Verdacht einer Dienstpflichtverletzung sowie einer Straftat.“

Ebenso nicht geduldet werden dabei auch alle weiteren unerwünschten sexuellen Handlungen oder Aufforderungen sowie sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie das unerwünschte Zeigen und sichtbare Anbringen von Darstellungen mit pornografischem Inhalt, insbesondere wenn damit ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird, so die Bundeswehr weiter.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER SPIEGEL»Selling Sunset«-Star: Chrishell Stause gibt Trennung von G Flip bekanntBerliner MorgenpostBerliner Theater senden Zeichen an LGBTQ-Community: „Ihr gehört dazu“WDRFast ausgestorben: Schwule Pinguine werden ElternDER STANDARDVerhetzungsprozess um "Dachau" und "Mauthausen" gegen lautstarken UneinsichtigenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Empörung über Nicki Minaj

Rapperin gegen trans* Jugendliche

Bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Donald Trump kritisierte Nicki Minaj erneut geschlechtsangleichende Behandlungen für trans* Minderjährige.
Italiens Sexualkunde

Verbotsgesetz wird überprüft

Italiens Kassationsgericht macht den Weg frei für eine Volksabstimmung über ein Gesetz, das Sexualbildung inklusive LGBTIQ+ an Schulen einschränkt.
Auszeichnung für Tugay Saraç

Ehrung für mutige Aufklärungsarbeit

Der schwule 29-jährige Tugay Saraç wird für seine Präventionsarbeit an Schulen und seinen Einsatz für LGBTIQ+-Muslime mit 10.000 Euro ausgezeichnet.
ESC 2027 ohne Niederlande

Rundfunk zieht Teilnahme zurück

Die Niederlande verzichten trotz vorheriger Zusage doch auf den ESC 2027. Hintergrund sind anhaltende Konflikte über Israels Teilnahme.
Trauer um André Höhl

Fernsehballett-Star ist tot

Der langjährige schwule Tänzer des Deutschen Fernsehballetts André Höhl ist tot. Viele gemeinsame Auftritte verbinden ihn mit bekannten Musikstars.
Regenbogenbänke in ganz Berlin

Zeichen gegen Queerfeindlichkeit

Nach wiederholten Beschädigungen der Gedenkbank im Tiergarten wollen Berliner Kulturinstitutionen mit Regenbogenbänken Solidarität zeigen.
Viel Stoff, bequemer Halt

Schwule Jungs, lockere Hosen

Zum Tag der Boxershorts wird es luftig: Warum schwule Männer auf lockeren und besonders elastischen Stoff stehen und weshalb das mehr Erotik bedeutet.
Wünsche der Glee-Fans

Viel Liebe und neue Songs

Das „Glee“-Reboot sorgt für Vorfreude: Fans wünschen sich Hits von Chappell Roan, Troye Sivan und Sabrina Carpenter – samt chaotischer Geschichten.
Grusel trifft Glamour

Halloween wird schwul

Von Madonna bis „Heated Rivalry“: Diese Halloween-Kostüme bringen schwulen Glamour, viel nackte Haut und reichlich Selbstironie auf die Party.