Direkt zum Inhalt

25 Jahre Anyway LGBTI*-Jugendliche outen sich heute deutlich früher als damals

Von ms - 25.08.2023 - 11:00 Uhr
25 Jahre Anyway
Foto: IMAGO / Political-Moments
ANZEIGE
Loading audio player...

In Köln wird in diesen Tagen 25 Jahre Anyway gefeiert – die Beratungsstelle für LGBTI*-Jugendliche und junge Erwachsene ist seit einem Vierteljahrhundert zur Stelle, wenn es um das Coming-Out, Diskriminierung, Mobbing oder auch Depressionen geht. Dabei zeigte sich in den letzten Jahren, dass die Anfragen sowie auch die Dramatik der Fälle rapide zugenommen haben.

Ein Beschleuniger dieser Entwicklung war die Corona-Pandemie, ein anderer der stetig steigende Hass auf LGBTI*-Menschen in Deutschland, der sich nicht nur im Internet, sondern auch durch die jährlichen Fallzahlen bei der Hasskriminalität in Deutschland widerspiegelt.

Fehlendes Zugehörigkeitsgefühl

Im Gespräch mit dem WDR erklärten LGBTI*-Jugendliche, wie für sie das Anyway zur Anlaufstelle geworden ist, wichtig sei dabei das Zugehörigkeitsgefühl gewesen, das ihnen gerade in der Schule oftmals gefehlt habe. Die Beratungsstelle verweist dabei auf eine bundesweite Studie des Deutschen Jugendinstituts, demnach rund 80 Prozent der LGBTI*-Jugendlichen in Deutschland bereits Beschimpfungen, Spott und Ausgrenzung erfahren haben.

In den letzten Jahren haben diese Erfahrungen noch zugenommen, wie Jugendberaterin Rabea Maas gegenüber SCHWULISSIMO erklärte: „Das dritte Jahr der Corona-Pandemie lässt das Realität werden, wovor Expert:innen lange gewarnt haben: einen massiven Anstieg des psychischen Leidens insbesondere bei vulnerablen Gruppen. Die Jugendberatungsstelle des Anyway für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere Jugendliche sowie junge Erwachsene in Köln erlebt genau das.“ Dabei seien die Beratungsanfragen im Schnitt um rund ein Viertel angestiegen und immer öfter kommen neben klassischen Themen wie dem Coming-Out auch Aspekte wie Angst und Depressionen dazu.  

4.000 LGBTI*-Jugendliche suchen jährlich Rat

Seit 1998 gibt es das Anyway in Köln – der Bedarf an Schutzräumen war dabei immer hoch. Vor 25 Jahren war das Kölner Jugendzentrum eines der ersten seiner Art für LGBTI*-Jugendliche in ganz Europa. Rund 1.400 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 27 besuchen inzwischen jedes Jahr persönlich die Beratungsstelle, insgesamt berät die Einrichtung mit ihren 13 Mitarbeitern rund 4.000 LGBTI*-Jugendliche jährlich.

Nach wie vor betreibe das Jugendzentrum dabei auch bis heute sehr viel Pionierarbeit, so Geschäftsführer Jürgen Piger gegenüber dem WDR. Wöchentlich bekomme das Anyway so auch Anfragen von Schulsozialarbeitern und Eltern, die schlicht überfordert sind. Auch Führungskräfte oder Kollegen von anderen Jugendeinrichtungen würden immer wieder um Rat beim Anyway anfragen.

Eigentlich müsste mit steigenden Fallzahlen und stetig mehr Anfragen klar sein, dass eine Beratungsstelle wie das Anyway wichtig ist – trotzdem musste der Verein zuletzt erst 2022 um die weitere Finanzierung mit der Stadt Köln kämpfen – erst nach wochenlangen Protesten hatten die Stadtoberen ein Einsehen.

Jugendliche outen sich früher

Eines habe sich mit Blick auf die letzten 25 Jahre allerdings geändert, so Piper weiter – LGBTI*-Jugendliche outen sich inzwischen deutlich früher, teilweise schon im Alter von elf oder zwölf Jahren. Trotzdem zeigt sich, dass für viele junge LGBTI*-Menschen die ersten Schritte hinein in die Community bis heute als besonders schwierig wahrgenommen werden. Auch die Bandbreite habe sich geändert, denn bis vor wenigen Jahren ging es hauptsächlich um schwule und lesbische Jugendliche, inzwischen kommen verstärkt weitere LGBTI*-Bereiche wie beispielsweise Transsexualität mit hinzu. 

Bei den Feierlichkeiten in dieser Woche brachte es Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) aus Nordrhein-Westfalen so auf den Punkt: "Das Anyway ist ein Ort, an dem gelebt wird, was überall selbstverständlich sein sollte: Gutes Miteinander, bereichernde Vielfalt, echte Toleranz."

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffentazSchwuler Lehrer über Outing: „Als ob eine Bombe platzt“tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.
Coming-Out im Fußball

Schiedsrichter erzählt Details

Schiedsrichter Ryan Atkin spricht öffentlich über sein Schwulsein – und erhält dafür die Unterstützung des englischen Fußballverbands.
James Baldwin im Kino

Neuer Film über schwulen Autor

Barack und Michelle Obamas Produktionsfirma bringt „Baldwin: A Love Story“ über James Baldwins Leben, Lieben und Werk ins Kino.
Schwule Liebe gewinnt Gold

Fernfahrer-Drama holt Filmpreis

Das schwule Liebesdrama „Flesh & Fuel“ gewinnt beim Zurich Film Festival das Goldene Auge und erhält rund 26.700 Euro Preisgeld.
Blackfacing sorgt für Empörung

LGBTIQ+-Bar zieht Konsequenzen

Ein Blackface-Auftritt in einer LGBTIQ+-Bar in Pittsburgh sorgt landesweit für Empörung und entfacht eine Debatte über Rassismus in der Drag-Szene.
Eklat in Oregon

Streit um LGBTIQ+-Vorgabe

Oregon gewährt einer christlichen Adoptionsbewerberin eine Ausnahme von einer Vorgabe zur Unterstützung der LGBTIQ+-Identität von Kindern.
Fauci für HIV-Arbeit geehrt

Auszeichnung für Anthony Fauci

Anthony Fauci wird für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen HIV/Aids und seine Zusammenarbeit mit der LGBTIQ+-Community ausgezeichnet.
Meta sperrt Mister Gay Europe

Pereira kämpft um seine Konten

Meta sperrte sämtliche Konten von Mister Gay Europe Michael Pereira. Trotz Bezahlabo erfährt der Schweizer nicht, warum.