Direkt zum Inhalt
Wiedergutmachung in Irland

Wiedergutmachung in Irland Aufhebung historischer Verurteilungen von Schwulen

ms - 23.01.2026 - 14:00 Uhr
Loading audio player...

Irland wird voraussichtlich im März dieses Jahres ein Gesetz verabschieden, das historische Verurteilungen für gleichgeschlechtliche Handlungen vor der Entkriminalisierung im Jahr 1993 aufhebt. Der Minister für Justiz Jim O’Callaghan kündigte an, einen entsprechenden Änderungsantrag zum Zivilrecht einbringen zu wollen, der den Prozess zur Streichung dieser Verurteilungen festlegt.

Bis zu 2.000 Männer betroffen

Laut dem Irish Council for Civil Liberties wurden mindestens 941 Männer vor der Entkriminalisierung 1993 wegen „homosexueller Handlungen“ verurteilt. Die tatsächliche Zahl könnte jedoch mehr als 2.000 betragen. In einem Statement erklärte Ged Nash, Vorsitzender der Labour-Partei und Entwickler des neuen Gesetzes, dass der Minister im März den Änderungsantrag vorlegen werde. Dieser werde ein Verfahren zur Aufhebung der Verurteilungen einführen. 

Nash betonte dabei, dass der Wiedergutmachungs-Prozess bereits vor neun Jahren gestartet war: „Der erste Teil des Maßnahmenpakets war die historische Entschuldigung des Staates an die LGBT+-Bürger im Jahr 2018, der zweite Teil war mein Vorschlag zur Rehabilitierung der Männer, die wegen Aktivitäten verurteilt wurden, die heute legal sind. Es gibt Männer mit Verurteilungen in ihren Akten, die zu Unrecht kriminalisiert wurden wegen dem, wer sie sind, wen sie liebten und wann. Das ist falsch, und es ist für mich und meine Kollegen in der Labour-Partei eine große Ehre, dass diese neun Jahre andauernde Kampagne nun zu einem erfolgreichen Ende kommt.“

Freude in der Community

Nash bedankte sich bei seiner Abteilung, der Arbeitsgruppe sowie bei den Aktivisten Kieran Rose, Karl Hayden und Brian Sheehan, die sich im Rahmen der sogenannten LGBT Restorative Justice Campaign über Jahre hinweg für die Aufhebung dieser Verurteilungen eingesetzt haben. Die Aktivisten begrüßten die Fortschritte bei der Gesetzgebung und erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Wir freuen uns, dass die Regierung vorgeschlagen hat, die Bestimmungen zur Aufhebung als Teil des Gesetzesvorhabens voranzutreiben. Mit einem weiteren großen Push hoffen wir, dass bis Mitte des Jahres diejenigen, die unter den Anti-Gay-Gesetzen verurteilt wurden, endlich Gerechtigkeit erfahren.“

Adam Long, Vorstandsdirektor der NXF (National LGBT Federation), äußerte ebenfalls seine Unterstützung für den Vorstoß. „Die betreffenden Gesetze waren ein schwerwiegender Verstoß gegen grundlegende Menschenrechte, der vor allem schwule und bisexuelle Männer einer staatlich sanktionierten Homophobie aussetzte, nur weil sie ihre wahre Identität ausdrückten. Lange nach der Unabhängigkeit setzte der irische Staat die kolonialen Gesetze weiterhin aktiv durch.“ 

Zudem erklärte er: „Mehr als 30 Jahre nach der Entkriminalisierung 1993 und acht Jahre nach der formellen Entschuldigung des Staates ist es erschütternd, an diejenigen zu denken, die noch heute am Leben sind und weiterhin die Last einer 'kriminellen' Verurteilung tragen, nur weil sie sind, wer sie sind. Sie verdienen nichts weniger als vollständige Rehabilitierung, und der nun einzuleitende Prozess muss sowohl sensibel als auch umfassend sein, um die Opfer nicht zu retraumatisieren.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Er sei besser als Donald Trump

Ex-CNN-Moderator ins Weiße Haus?

Don Lemon hat erstmals öffentlich darüber gesprochen, sich vorstellen zu können, als erster offen schwuler US-Präsident zu kandidieren.
25 Jahren nicht in Deutschland

Entscheidung fällt im Oktober

Dresden steht vor der Ausrichtung des Europride 2029, Deutschland wäre nach 25 Jahren wieder Ausrichter.
Urteil gegen Jacques Tilly

102 Monate Haft für Karnevalsbauer

Ein Gericht in Moskau hat den Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Diskriminierung bei Gesundheit

RKI legt neue Studiendaten vor

Eine neue Studie des RKI zeigt auf, dass queere Menschen nach wie vor im deutschen Gesundheitsbereich besonders oft Diskriminierung erleben.
Überraschung bei US-Studie

Mehrheit für trans* Community

Die Mehrheit der US-Amerikaner unterstützt die trans* Community, offenbart nun eine neue Studie der queeren Human Rights Campaign.
Bundesweite Segnung für alle

Forderung des LSBT+ Komitees

Etwas mehr als die Hälfe der Bistümer segnet bisher homosexuelle Paare. Zu wenig, stellt jetzt das Katholische LSBT+ Komitee klar.
Brutale Attacke in Spanien

Angriff auf Miss Trans Zamora

Eine Gruppe junger Frauen hat in einem Club im Nordwesten Spaniens eine junge trans* Frau und Titelträgerin von Miss Trans Zamora zusammengeschlagen.