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Welle der Gewalt gegen LGBTI* Großbritannien: Immer mehr brutale Übergriffe

Von ms - 07.02.2022 - 15:30 Uhr
Die britische LGBTI*-Community lebt in Angst
Foto: © Ole Schwander
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Die einstmals positive Stimmung gegenüber LGBTI*-Menschen ist gekippt – da sind sich immer mehr Aktivisten und LGBTI*-Worker in Großbritannien einig. Seit mehreren Jahren verzeichnet die offizielle Statistik des Innenministeriums einen stetigen Anstieg von brutalen Hassverbrechen gegenüber queeren Menschen – wobei die Dunkelziffer noch dramatischer sein dürfte. Zuletzt registrierte die britische Regierung rund 17.000 Vorfälle innerhalb eines Jahres – damit haben sich die Zahlen binnen von vier Jahren verdoppelt. Tendenz weiter steigend. Die Angriffe auf Trans-Personen haben sich sogar mehr als verdoppelt auf aktuell rund 2.600 Fälle.

Diese neue „Akzeptanz“ von Gewalt gegenüber LGBTI*-Personen bestätigte jüngst auch die lesbische LGBTI*-Aktivistin Lisa Power gegenüber der BBC. Power war Generalsekretärin der International Lesbian and Gay Association und Mitbegründerin von Stonewall Equality Limited, der größten Rechtshilfeorganisation für queere Menschen in Europa. In diesen Tagen wird diese neue Welle der Gewalt gegenüber queeren Menschen anhand des grausamen Mordes an dem bisexuellen Dr. Gary Jenkins erneut deutlich. Der Arzt wurde nach einem Restaurantbesuch im Juni 2021 in einem Park in Cardiff brutal von drei jungen Menschen im Alter zwischen 16 und 36 Jahren angegriffen und zu Tode geprügelt. Die drei jungen Briten hatten sich dabei gegenseitig angestachelt und nach Auswertung von Ton- und Videobeweisen machte ihnen die Gewalttat sichtlich Spaß. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass es sich dabei eindeutig um einen Angriff handelte, der von Habgier, Homophobie und unverhohlener Gewalt motiviert war. Letzte Woche wurden die drei Briten verurteilt – im März erfolgt die Urteilsverkündung beziehungsweise die Haftstrafe.

© laflor
© laflor

Dieser vorerst letzte Höhepunkt der Gewalteruption gegenüber queeren Menschen in Großbritannien entsetzte auch Lisa Power: „Traurigerweise ist dies etwas, das in unserer Gemeinschaft inzwischen wieder nur allzu oft vorkommt, es gibt tatsächlich eine steigende Zahl von Hassverbrechen gegen alle Arten von LGBTI*-Menschen. Die Dinge haben sich vorwärts bewegt, aber ich fürchte, in den letzten Jahren haben sie sich zurückentwickelt. Ich befürchte, dass die Zahl der Diskriminierungen weiter zunimmt, und zwar für LGBTI*-Menschen und insbesondere für Trans-Personen (…) Es gibt keine Entschuldigung für diese Art von Hassverbrechen und sie sind viel zu häufig! Es spielt keine Rolle, wer die Menschen sind oder was sie tun, sie sollten nicht willkürlicher Gewalt ausgesetzt sein, nur weil sie lieben oder sind, wer sie sind.“ Abschließend fasst Power zusammen: „Die Menschen fühlen sich frei, wieder böse sein zu dürfen!“

In besonderem Maße macht die Willkürlichkeit des Verbrechens der gesamten LGBTI*-Community zu schaffen – der angesehene Arzt war ein zufälliges Opfer. Für Power ist klar, dass alle queere Menschen in Großbritannien derzeit Angst haben, es könne jeden treffen. Ähnlich dramatisch bewertet auch der schwule Labour-Abgeordnete Stephen Doughty die Situation – er selbst wurde auch mehrfach Opfer von homophoben Angriffen: "Ich habe Leute erlebt, die mir gegenüber homophobe Beschimpfungen geschrien haben. Ich wurde auch online beschimpft, und Leute sagten, sie würden meine Probleme endgültig lösen. Ich weiß, dass viele andere Mitglieder der Gemeinschaft in Cardiff und Wales, im ganzen Vereinigten Königreich, in letzter Zeit solche Erfahrungen gemacht haben. Die Liste ist leider ziemlich lang, und viele von uns sprechen nicht öffentlich darüber, weil sie natürlich zutiefst beunruhigt sind, aber ich fürchte, es passiert sehr häufig! Wir scheinen wieder Rückschritte zu machen, anstatt vorwärts zu gehen, wenn es darum geht, was die Menschen in ihrem täglichen Leben tatsächlich erleben.“ Doughty ist stellvertretender Vorsitzender einer parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppe für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender.

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