Direkt zum Inhalt

Wahlen in den Niederlanden Besteht eine Gefahr für LGBTI*-Menschen nach dem politischen Stimmungsumschwung?

Von ms - 23.11.2023 - 10:00 Uhr
Wahlen in den Niederlanden
Foto: IMAGO / ANP
ANZEIGE
Loading audio player...

Die politische Stimmung in den Niederlanden hat sich mit der gestrigen Parlamentswahl radikal verändert – schon jetzt ist klar: die stärkste Kraft ist die Partei PVV von Geert Wilders, wahrscheinlich kommt die rechtspopulistische Partei auf 37 der 150 Sitze im Parlament in Den Haag und konnte damit ihre Mandate mehr als verdoppeln.

Lange Regierungsbildung erwartet

Die rechtsliberale Volkspartei VVD des scheidenden Ministerpräsidenten Mark Rutte kommt mit 24 Sitzen nur noch auf den dritten Platz, dicht davor das Bündnis aus Sozialdemokraten und Grünen mit 25 Sitzen. Noch ist völlig unklar, wie die neue Regierung in den Niederlanden aussehen wird und wer tatsächlich der neue Ministerpräsident des LGBTI*-freundlichen Landes werden kann.

Wilders selbst bekräftigte bereits kurz nach der Wahl seine Entschlossenheit zur Übernahme der Regierungsverantwortung. Seine Partei wolle mit anderen Parteien zusammenarbeiten, dazu, so Wilders, müssten alle nun über ihren Schatten springen. Ob diese dazu bereit sind, ist ebenso offen, das rot-grüne Bündnis hat eine Zusammenarbeit bereits ausgeschlossen. Um regierungsfähig zu sein, braucht eine Koalition mindestens 76 Sitze im Parlament. Wahrscheinlich wird es zu einer langwierigen Regierungsbildung kommen.

Erste Signale für die grundsätzliche Möglichkeit einer Zusammenarbeit kamen indes bereits von zwei Parteien, der Zentrumspartei NSC sowie der rechtsliberalen Volkspartei VVD von Ministerpräsident Rutte – dieser strebt nach der neuen Regierungsbildung einen Posten als Nato-Generalsekretär an. Zu den vorgezogenen Parlamentswahlen war es deswegen gekommen, weil im Sommer die Mitte-Rechts-Koalition von Rutte nach knapp 18 Monaten geplatzt war, Grund dafür war der Streit um die Migrationspolitik.

Ende der Migration in den Niederlanden?

Wilders hingegen gilt seit Jahren als strikt islamkritisch und möchte ein Ende der Migration in die Niederlande erreichen. Zudem hatte er in der Vergangenheit ein Verbot von Moscheen und dem Koran gefordert. Zuletzt betonte er allerdings, dies sei aktuell kein Thema mehr, seine Priorität liege darauf, den „Asyl-Tsunami“ zu begrenzen. Weitere Forderungen seiner Partei ist eine Personalaufstockung in der Pflege sowie niedrigere Steuern und Mieten. Zudem will er die Niederländer über einen möglichen Ausstieg aus der Europäischen Union abstimmen lassen.

Wechselhafte Stimmung in der LGBTI*-Community

Die niederländische LGBTI*-Community zeigt sich indes zumindest online durchaus gespalten, was den Wahlsieg Wilders betrifft. Während die einen den Rechtspopulisten grundsätzlich ablehnen, begrüßen andere seinen Wahlsieg. Das liegt vor allem auch an Wilders Einstellung zur Community selbst – immer wieder hat der heute 60-Jährige Homosexuelle unterstützt und erklärt, dass er stolz darauf sei, dass die Niederlande als weltweit erstes Land vor inzwischen 23 Jahren die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet haben.

So erklärte er gegenüber Buzzfeed News: „Die Freiheit, die Homosexuelle haben sollten - sich zu küssen, zu heiraten, Kinder zu haben - ist genau das, was der Islam bekämpft.“ Und Parteimitbegründer Martin Bosma ergänzte: „Unser Parteiprogramm hat nie etwas Schlechtes über Homosexuelle gesagt, wir sagen nur, dass Schwule im Moment das Opfer der Masseneinwanderung sind – wenn Schwule verprügelt werden, geschieht das hauptsächlich durch Muslime. Amsterdam war einmal die Schwulenhauptstadt Europas, doch dank der Masseneinwanderung verstecken sich Schwule wieder.“

In seinem Parteiprogramm indes lehnt Wilders allerdings mehr Rechte für Trans-Menschen ab, gerade mit Blick auf Kinder spricht seine Partei davon, dass Minderjährige „indoktriniert“ werden sollen mit einem „Geschlechterwahnsinn“.

Kritik kam zuletzt auch von der niederländischen LGBT-Organisation COC Netherlands, sie sieht in Wilders „keinen sehr zuverlässigen Verbündeten“ und betonte, dass statistisch gesehen der größte Teil der Gewalt gegenüber LGBTI*-Personen von Menschen mit niederländischer Herkunft ausgeht – die Daten stammen allerdings aus einer Studie aus dem Jahr 2009.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazHomosexualität im japanischen Sport: Rui Takahashi macht den ganz mutigen AufschlagtazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.