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Verurteilung wegen Homo-Propaganda Ein Interview mit einem Schwulen reichte als Urteilsbegründung aus

Von ms - 21.07.2022 - 12:00 Uhr
Russland geht aggressiv gegen Journalisten vor
Foto: iStock / wrangel
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Einmal mehr beweist Russland in diesen Tagen, wie engstirnig die Führungsriege in puncto LGBTI* unterwegs ist und dass sich die Situation vor Ort anscheinend immer mehr zuspitzt. Bereits seit 2013 existiert in Russland das sogenannte “Homo-Propaganda“-Gesetz, welches “Werbung“ für Homosexualität und de facto jede Information zu LGBTI*-Themen gerade mit Bezug auf Jugendliche verbietet. Nun wurde ein russischer Blogger aufgrund dessen zu einer Geldstrafe verurteilt und es ist klar, es soll ein Exempel an ihm statuiert werden. Das besonders Lächerliche dabei: Über Homosexualität hat der YouTuber gar nicht gesprochen.

Juri Dud (35) ist ein Blogger und kritischer Journalist, der jüngst in seinem Online-Format “vDud“ auf YouTube den schwulen Künstler Fyodor Pavlov-Andreevich interviewt hatte. Das reichte bereits aus, um den Unmut der russischen Behörden auf sich zu ziehen und Dud zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund 2.100 Euro zu verurteilen. Dud habe allein durch die Befragung seines Interview-Gastes, für Kinder zugängig, zu “Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen“ aufgerufen – auch wenn das Thema Homosexualität im Gespräch selbst gar nicht erwähnt worden war. Duds Anwalt Ilnur Sharapov hat bereits Berufung gegen das Urteil des Moskauer Gerichts eingelegt, auch wenn die Aussicht auf Erfolg sehr zweifelhaft sein dürfte. Dud selbst lebt inzwischen in Istanbul, sodass er sich aktuell einem direkten Zugriff der russischen Behörden entziehen kann. 

Der russische Journalist gehört inzwischen zu den bekanntesten Bloggern seines Landes, interviewte bereits vielfach bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Politik und war Produzent mehrerer Dokumentationen. Zuvor arbeitete er bis 2017 als Sportreporter fürs russische Fernsehen. Auf YouTube hat Dud inzwischen mehr als zehn Millionen Follower. Russland versucht bereits seit längerem gegen den kritischen Journalisten vorzugehen und verurteilte ihn bereits zuvor, Propaganda für Drogen gemacht zu haben, ein anderes Mal erklärten ihn die Behörden direkt zum Staatsfeind und “ausländischen Geheimagenten“. So übertrieben und auch lächerlich diese Denunziations- und Einschüchterungsversuche auch wirken mögen, dahinter verbirgt sich eine brutale Maxime, die immer weiter vorangetrieben wird. Erst vor wenigen Tagen erklärte die russische Regierung, dass sie das “Homo-Propaganda“-Gesetz noch in diesem Jahr auf alle Erwachsenen ausweiten wolle, was im Grunde einem Komplettverbot von Homosexualität in Russland gleichkommen würde.

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