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Spätes Urteil nach Jahrzehnten
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Spätes Urteil nach Jahrzehnten Gerechtigkeit für Anthony Littler in Großbritannien

ms - 13.07.2026 - 12:00 Uhr
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Mehr als vier Jahrzehnte nach dem Tod des britischen Beamten Anthony Littler ist ein jahrzehntealter Mordfall vor Gericht abgeschlossen worden. Die Brüder Michael Stewart (57) und Anthony Stewart (60) wurden jetzt am Old Bailey in London des Mordes für schuldig befunden. Nach Überzeugung der Ermittler wurde Littler Opfer eines homophob motivierten Angriffs. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Zwei Brüder wurden in London wegen Mordes an Anthony Littler verurteilt.
  • Die Tat ereignete sich 1984 nach einem homophoben Angriff.
  • Das Opfer wurde auf dem Heimweg in East Finchley getötet.
  • Der jahrzehntealte Fall wurde 2022 erneut aufgerollt.
  • Staatsanwaltschaft und Polizei sprechen von einem Hassverbrechen.

Urteil nach mehr als 40 Jahren

Zum Zeitpunkt der Tat waren die beiden späteren Angeklagten 15 und 18 Jahre alt. Der 45-jährige Littler, der als Staatsbediensteter arbeitete, war in den frühen Morgenstunden des 1. Mai 1984 auf dem Heimweg in East Finchley angegriffen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam Littler kurz nach Mitternacht an der U-Bahn-Station East Finchley an. Anschließend ging er durch eine schmale Gasse mit dem Namen The Causeway. Dort soll er kurz darauf von den Tätern abgefangen und mit einem stumpfen Gegenstand zweimal am Kopf getroffen worden sein. Die Verletzungen führten zu zwei Schädelbrüchen, darunter einer schweren Hirnverletzung. Obwohl Littler eine Aktentasche, etwa 80 Pfund Bargeld und Kreditkarten bei sich hatte, nahmen die Angreifer keine seiner persönlichen Gegenstände an sich.

Notruf und ein ungelöster Fall

Nur wenige Minuten nach der Attacke ging ein Notruf aus einer nahe gelegenen Telefonzelle ein. Der Anrufer sagte: „Ich kann nicht bleiben, schicken Sie einfach einen Krankenwagen zur East Finchley Station, dort liegt ein verletzter Mann vor dem Bahnhof.“ Danach wurde das Gespräch beendet, ohne dass weitere Informationen genannt wurden. Mitarbeiter der Station suchten anschließend die Umgebung ab, fanden jedoch niemanden. Der Rettungseinsatz wurde daraufhin beendet. Rund 30 Minuten später entdeckte ein Paar auf dem Heimweg von der Station Anthony Littler in der Gasse. Er starb noch am Ort des Geschehens.

Trotz landesweiter Fahndungsaufrufe, unter anderem in den BBC-Sendungen „Crimewatch“ und ITV „Police 5“, blieb der Fall jahrzehntelang ungelöst. Erst 2022 wurde die Untersuchung nach einer erneuten Prüfung durch ein Cold-Case-Team wieder aufgenommen. Da aus den damaligen Ermittlungen keine verwertbaren DNA-Spuren, Überwachungsvideos oder Telefondaten vorhanden waren, stützten sich die Ermittler auf Zeugenaussagen, historische Beweise und verdeckte Ermittlungen.

Gezielter Angriff auf schwulen Mann

Im Prozess wurde dargelegt, dass die Brüder und ihr Umfeld bereits im Frühjahr 1984 Männer angegriffen haben sollen, die sie für schwul hielten. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft wurde Littler ausgewählt, weil er allein und schutzlos unterwegs gewesen sei. Die feindliche Haltung gegenüber seiner vermeintlichen sexuellen Orientierung sei ein entscheidender Faktor für die Tat gewesen. Ein wichtiger Fortschritt bei den Ermittlungen gelang durch Aussagen eines jüngeren Geschwisters der Brüder. Diese Person soll der Polizei berichtet haben, dass beide Männer im Laufe der Jahre ihre Beteiligung an der Tötung eingeräumt und über sogenanntes „Schwulen-Bashing“ – also gezielte Gewalt auf schwule Männer – gesprochen hätten.

Nach der Wiederaufnahme des Falls konnten die Ermittler außerdem weitere Beweise durch verdeckte Aufnahmen sammeln. Nach dem Urteil zeigte sich die leitende Staatsanwältin Samantha Yelland erleichtert: „Ich bin sehr froh, dass wir all diese Jahre später Gerechtigkeit für Anthony Littler erreichen konnten. Es ist niemals richtig, dass jemand unter solchen Umständen stirbt, insbesondere nicht durch ein Hassverbrechen. Ich bin froh, dass wir seiner Familie Gerechtigkeit verschaffen konnten.“

Grausame Tat homophober Jugendlicher 

Auch Detective Chief Inspector Neil John äußerte sich nach dem Schuldspruch: „Anthonys Leben wurde plötzlich beendet, als er bei einem brutalen Angriff durch zwei Jugendliche getötet wurde, von denen wir heute wissen, dass sie eine eindeutige Neigung zu der abscheulichsten Art von Gewalt hatten. Sie hatten Anthony zum Ziel gemacht, weil er allein, wehrlos und in einer dunklen Gasse unterwegs war, in der sie wussten, dass niemand sie bei ihrer schrecklichen Tat sehen würde. Sie warteten darauf, dass jemand ihren Weg kreuzte – und tragischerweise wurde Anthony ihr ahnungsloses Opfer.“ Die beiden Brüder hatten die Vorwürfe zurückgewiesen und im Prozess keine Aussage gemacht. Nach dem Urteil wurden sie bis zur Verkündung des Strafmaßes in Gewahrsam genommen.

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