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US-Athlet Jacob Harmon Mutmacher für junge schwule Sportler

Von ms - 13.07.2026 - 14:30 Uhr
US-Athlet Jacob Harmon
Foto: Ohio State Athletics / Bildbearbeitung FASH Medien
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Für Jacob Harmon (21) ging es nie vor allem um Medaillen. Sein größter Wunsch war es, überhaupt Teil eines College-Turnteams zu werden. „Ich habe meinen Traum erfüllt“, sagte der offen schwule Turner jetzt nach seiner Teilnahme an den NCAA-Nationalmeisterschaften. „In ein Team zu kommen, war wirklich das einzige Ziel, das ich mir gesetzt hatte – und ich habe es geschafft.“ Der junge US-Athlet gehört zu den ganz großen Hoffnungen im Land. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Jacob Harmon schaffte trotz begrenzter Möglichkeiten im Männerturnen den Sprung in das NCAA-Team der Ohio State University.
  • Der Turner war bereits vor seinem Studium offen schwul und erlebte nach eigenen Angaben mehr Unterstützung als erwartet.
  • Harmon sieht schwule Sichtbarkeit im Sport als wichtiges Signal für jüngere Athleten.
  • Männerturnen sei weiterhin von traditionellen Vorstellungen über Männlichkeit geprägt.
  • Nach seinem Abschluss plant der 21-Jährige zunächst eine Pause, bevor er über seine nächsten Schritte entscheidet.

Naturtalent mit Erfolgschancen 

Sein Traum wurde an der Ohio State University Wirklichkeit. Vier Jahre lang gehörte Harmon als offen schwuler Turner zu einem der renommiertesten NCAA-Männerturnprogramme der USA. Nach seinem Abschluss in Sportwissenschaften sucht der 21-Jährige nun nach dem nächsten Schritt. Vielleicht New York, vielleicht später eine Ausbildung im Bereich Physiotherapie – oder zunächst eine Pause nach einem Leben mit strengen Trainingsplänen. Oder vielleicht führt sein Weg ihn doch weiter Richtung Sport. „Ich möchte wirklich ein oder zwei freie Jahre genießen und einfach jung sein“, sagte Harmon. „Turnen hat mich so lange in einen derart strengen Zeitplan gezwungen.“

Der Sport begleitet Harmon fast sein gesamtes Leben. Wie viele Turner begann er bereits als Kleinkind in Eltern-Kind-Kursen beim YMCA in seinem Heimatstaat New Hampshire. Andere Sportarten wie T-Ball oder Fußball probierte er ebenfalls aus, doch keine davon passte zu ihm. „Meine Fähigkeiten waren nur in einer Sache wirklich natürlich“, sagte Harmon. „Und das war Turnen.“ Bereits in der ersten Klasse nahm er ernsthaft an Wettkämpfen teil. Der Sport wurde schnell zum Mittelpunkt seines Alltags. Der Weg in den College-Sport war jedoch nicht garantiert. Männerturnen gehört zu den kleinsten Sportarten der NCAA. Landesweit gibt es nur wenige Division-I-Programme. Bei den jüngsten NCAA-Nationalmeisterschaften stellten lediglich sechs Universitäten vollständige Teams, darunter Ohio State.

Coming-Out ohne großen Rückschlag

Harmon belegte bei den Meisterschaften 2026 den 17. Platz am Boden und den 13. Platz am Reck. Während seiner letzten Schuljahre suchte er intensiv nach einer Möglichkeit. Er schrieb Trainer an, verschickte Videos und hoffte auf eine Chance. Schließlich erhielt er von Ohio State ein Angebot als sogenannter Walk-on-Athlet. Als er in Columbus ankam, wusste er zunächst nicht, ob er überhaupt einen Platz im Team bekommen würde. „Ich war sehr auf das Turnen konzentriert“, erinnerte sich Harmon. „Ich dachte: ‚Ich muss zuerst dieses Team schaffen. Danach werde ich herausfinden, wo ich stehe.‘“ Am Ende seines ersten Semesters hatte er sich einen Platz gesichert. Er blieb während seiner gesamten vier Jahre an der Universität im Kader.

Harmon kam bereits als offen schwuler Sportler an die Ohio State University. Sein Coming-Out hatte er während seines dritten Highschool-Jahres mit einem Snapchat-Beitrag gegenüber Freunden und Mitschülern öffentlich gemacht. „Zur Überraschung von niemandem“, sagte er scherzhaft. Die Reaktion sei fast überraschend unspektakulär gewesen. „Ich erinnere mich, dass ich es in sozialen Medien gepostet habe und sehr nervös war“, sagte Harmon. „Und dann hat niemand überhaupt kommentiert. Ich glaube, alle dachten: ‚Natürlich.‘“ 

Trotzdem habe er Angst vor dem nächsten Trainingstag gehabt. „Wenn du 15 bist, fühlt es sich wie das Ende der Welt an“, sagte er. Harmon sagt, er habe das Glück gehabt, mit unterstützenden Eltern und in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem sein Schwulsein nicht als Krise betrachtet wurde. Diese Sicherheit habe ihm geholfen, selbstbewusst in den College-Sport zu gehen. Auch bei Ohio State habe er sofort Akzeptanz erlebt. „Die Jungs waren unglaublich aufgeschlossen“, sagte Harmon. „Es war nie ein Geheimnis. Ich bin generell ein sehr offener Mensch.“ 

Vorstellungen von Männlichkeit

Trotz dieser positiven Erfahrungen sieht Harmon weiterhin Herausforderungen für offen schwule Athleten im Männerturnen. Der Sport kämpfe teilweise mit Vorstellungen davon, wie Männlichkeit aussehen müsse. „Es gibt nicht viele offen schwule Turner im Männerbereich“, sagte Harmon. „Viele Jungs in diesem Sport versuchen, sich besonders ‚Macho‘ zu geben.“ Gleichzeitig betonte er, dass viele dieser Teamkollegen zu seinen engsten Freunden geworden seien. Harmon weiß, wie wichtig sichtbare Vorbilder für junge Sportler sind. Als Teenager habe er selbst zu offen schwulen Turnern wie Eddie Penev und dem früheren Arizona-State-Turner Jackson Harrison aufgeschaut.

Allein zu sehen, dass LGBTIQ+-Athleten erfolgreich und offen leben können, habe ihm geholfen. Heute erkennt er, dass jüngere Turner möglicherweise ihn selbst als Vorbild sehen. „Dieses eine schwule Kind, das ein Programm anschaut und dort eine offene Person im Team sieht, macht einen riesigen Unterschied“, sagte Harmon. Trotz gesellschaftlicher und politischer Diskussionen über LGBTQ-Inklusion im Sport sieht Harmon Fortschritte. „Ich denke, dass inzwischen die meisten Männerturnprogramme einige offen lebende Athleten haben“, sagte er. „Für die nächste Generation ist es wirklich gut zu sehen: ‚Oh, ich kann das auch.‘“

Botschaft an jüngere schwule Sportler

„Menschen schätzen Authentizität viel mehr, als man denkt. Wenn man als man selbst auftritt, bringt das sehr viel.“ Harmon glaubt, dass die persönliche Entwicklung rund um ein Coming-Out auch eine Stärke für Teams sein kann. Sportler, die überlegen, sich zu outen, sollten ihre Sorgen ernst nehmen, sagte Harmon. Gleichzeitig könne Offenheit zeigen, ob ein Umfeld wirklich passe. „Wenn ein Ort dich deswegen nicht akzeptiert, weißt du, von welchem Umfeld du dich fernhalten solltest.“

Heute wirken die Ängste aus seiner Jugend für Harmon weit entfernt. „Damals fühlte es sich wie das Ende der Welt an. Heute denke ich kaum noch über mein Coming-out nach. Ich bin einfach präsent und die ganze Zeit schwul. Ich bin einfach ich selbst.“ Mit seiner Geschichte möchte Harmon vor allem zeigen, dass sportlicher Erfolg und eine offene LGBTIQ+-Identität selbstverständlich zusammengehören können.

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