Schwerbehindert und LGBTIQ+ Rund 850.000 Menschen aus der Community sind davon betroffen
Zum Jahresende 2025 haben in Deutschland rund 7,8 Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung gelebt. Das entspricht 9,4 Prozent der Bevölkerung. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, waren 49,9 Prozent der Schwerbehinderten Männer und 50,1 Prozent Frauen. Auf Grundlage der Ipsos-Studie sind darunter unter Einbeziehung der Altersstruktur und der Verteilung in der Gesamtgesellschaft geschätzt auch rund 858.000 homosexuelle und queere Menschen.
Das Wichtigste im Überblick
- Ende 2025 lebten in Deutschland rund 7,8 Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung.
- Das entspricht 9,4 Prozent der Bevölkerung.
- Nach einer Schätzung auf Grundlage der Ipsos-Studie 2025 leben darunter etwa 858.000 LGBTIQ+-Menschen.
- Die meisten schweren Behinderungen entstehen erst im höheren Lebensalter.
- Fachverbände weisen darauf hin, dass queere Menschen mit Behinderung häufig mehrfach von Diskriminierung betroffen sind.
Leben mit einer Schwerbehinderung
Im Vergleich zur letzten Erhebung zum Jahresende 2023 ging die Zahl der schwerbehinderten Menschen leicht zurück. Damals waren knapp 7,9 Millionen Menschen registriert, rund 27.000 mehr als Ende 2025. Das Statistische Bundesamt weist jedoch darauf hin, dass die Vergleichbarkeit der Daten eingeschränkt ist. Hintergrund sind umfangreiche Bereinigungen der Verwaltungsdaten in Hessen und Sachsen. Dort lag die Zahl der erfassten schwerbehinderten Menschen Ende 2025 zusammen um rund 195.000 Personen niedriger als zwei Jahre zuvor. Nach Einschätzung der Statistiker war es zuvor zu einer Übererfassung gekommen. Als schwerbehindert gelten Menschen, denen die zuständigen Versorgungsämter einen Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt und einen gültigen Schwerbehindertenausweis ausgestellt haben.
858.000 schwerbehinderte LGBTIQ+-Menschen
Berücksichtigt man die Ergebnisse der Ipsos-Studie 2025 zur Größe der LGBTIQ+-Bevölkerung und überträgt deren Anteil auf die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen, leben in Deutschland schätzungsweise rund 858.000 lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen mit einer Schwerbehinderung. Für diese Menschen überschneiden sich häufig mehrere Formen gesellschaftlicher Benachteiligung. Fachverbände und Interessenvertretungen sprechen in diesem Zusammenhang immer wieder von Mehrfachdiskriminierung. Neben Hürden aufgrund einer Behinderung erleben viele Betroffene auch Benachteiligungen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität.
Besonders deutlich wird diese Problematik häufig im höheren Lebensalter. Viele ältere LGBTIQ+-Menschen haben bereits Diskriminierung oder strafrechtliche Verfolgung erlebt und befürchten deshalb, ihre Identität in Pflegeeinrichtungen oder bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten erneut verbergen zu müssen. Verbände weisen darauf hin, dass mangelnde Sensibilisierung oder homophobe Einstellungen einzelner Beschäftigter in Pflegeheimen dazu führen können, dass Betroffene Benachteiligungen erfahren oder aus Angst vor Ausgrenzung ihre Partnerschaften und Identität verschweigen. Deshalb fordern Interessenvertretungen seit Jahren mehr Fortbildungen, diskriminierungssensible Pflegekonzepte und eine stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse älterer LGBTIQ+-Menschen in der Pflege.
Behinderungen im höheren Alter und Krankheiten
Die Statistik zeigt, dass schwere Behinderungen überwiegend nicht von Geburt an bestehen, sondern meist erst im Laufe des Lebens auftreten. So waren Ende 2025 gut 34 Prozent beziehungsweise rund 2,7 Millionen der schwerbehinderten Menschen mindestens 75 Jahre alt. Weitere 45 Prozent oder rund 3,5 Millionen gehörten zur Altersgruppe zwischen 55 und 74 Jahren. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren machten mit 231.000 Menschen rund drei Prozent aller Schwerbehinderten aus.
In den meisten Fällen wurden schwere Behinderungen durch Krankheiten verursacht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes traf dies auf gut 91 Prozent der Betroffenen zu. Rund drei Prozent der Behinderungen waren angeboren oder traten bereits im ersten Lebensjahr auf. Gut ein Prozent ging auf Unfälle oder Berufskrankheiten zurück. Die übrigen Ursachen summierten sich auf etwas mehr als vier Prozent.
Körperliche Einschränkungen überwiegen
Mit 57 Prozent entfiel der größte Anteil der Schwerbehinderungen auf körperliche Einschränkungen. Bei 27 Prozent waren innere Organe oder Organsysteme betroffen. Zehn Prozent wiesen Funktionseinschränkungen an Armen oder Beinen auf, weitere neun Prozent litten unter Beeinträchtigungen der Wirbelsäule oder des Rumpfes. Vier Prozent waren blind oder sehbehindert, weitere vier Prozent hatten schwere Hör-, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Bei zwei Prozent war der Verlust einer oder beider Brüste Ursache der Schwerbehinderung.
Geistige oder seelische Behinderungen lagen bei insgesamt 16 Prozent der Betroffenen vor. Neun Prozent entfielen auf zerebrale Störungen. Bei den übrigen 19 Prozent wurde die Art der schwersten Behinderung statistisch nicht ausgewiesen. Bei etwas mehr als einem Fünftel aller schwerbehinderten Menschen (21 Prozent) wurde der höchste Grad der Behinderung von 100 festgestellt. Den Behinderungsgrad 50, der die Voraussetzung für die Anerkennung einer Schwerbehinderung bildet, wiesen 36 Prozent der Betroffenen auf.