Verbot von Cruising in Berlin Streit über Umgang mit Cruising
Die Diskussion um schwules Cruising und sexuelle Kontakte im öffentlichen Raum an den Kaulsdorfer Seen im Berliner Osten gewinnt an politischer Brisanz. Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) spricht sich für ein entschiedeneres Vorgehen der Behörden gegen die dort aktive Cruising-Szene aus. Nach ihren Vorstellungen sollen Polizei und Ordnungsamt ihre Präsenz erhöhen und durch zusätzliche Maßnahmen für mehr Kontrolle in dem Gebiet sorgen.
Das Wichtigste im Überblick
- Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch fordert ein konsequenteres Vorgehen gegen die Cruising-Szene an den Kaulsdorfer Seen.
- Ordnungsamt und Polizei sollen verstärkte Kontrollen durchführen.
- Hintergrund sind Beschwerden von Anwohnern und Familien.
- Die CDU-Politikerin sieht die Aufenthaltsqualität an den Seen beeinträchtigt.
- Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano kritisiert eine einseitige Fokussierung auf schwule Männer.
- Er fordert stattdessen Prävention, Aufklärung und Konfliktmanagement.
Atmosphäre sei belastend
Wie die CDU-Politikerin und Lebensgefährtin des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner mitteilte, soll neben verschärften Kontrollen auch ein neues Parkmanagement eingerichtet werden. Günther-Wünsch vertritt den Bezirk Marzahn-Hellersdorf als direkt gewählte Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus. Gemeinsam mit dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Mario Czaja thematisierte die Senatorin die Situation in einem Newsletter. Darin schilderte sie eine zunehmende Unzufriedenheit vieler Menschen vor Ort.
„Die Atmosphäre an den Seen ist inzwischen so belastend, dass sich viele Menschen vor Ort nicht mehr wohlfühlen“, erklärte Günther-Wünsch. Kritisch äußerte sie sich zudem über Internetplattformen, auf denen das Areal als Treffpunkt für Männer beworben werde, die Sex mit Männern haben. In dem Newsletter wurde auf eine Webseite verwiesen, die die Kaulsdorfer Seen als „perfekte Gay Cruising Area“ bezeichnet. Dort wird zugleich damit geworben, dass sich heterosexuelle Männer „außerhalb der Augen ihrer Frauen“ vergnügen könnten.
Traditioneller FKK-Bereich
Die Kaulsdorfer Seen liegen an der Grenze der Ortsteile Kaulsdorf und Mahlsdorf und gelten seit vielen Jahren als beliebter Ort für FKK-Freunde. Obwohl das Baden dort offiziell nicht erlaubt ist, wird dies von den Behörden bislang geduldet. Nach Angaben der CDU-Politikerin richtet sich die aktuelle Debatte nicht gegen das Nacktbaden selbst. Auslöser seien vielmehr wiederkehrende Beschwerden aus der Nachbarschaft. Kritisiert werde insbesondere, dass sexuelle Handlungen teilweise offen und in Bereichen stattfänden, die auch von Familien, Kindern und Spaziergängern eingesehen werden könnten.
Queerbeauftragter widerspricht
Deutliche Kritik an einem repressiven Vorgehen äußerte der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano. Der SPD-Politiker warnte davor, ausschließlich schwule Männer in den Mittelpunkt der Debatte zu stellen. „Cruising gehört zur queeren Geschichte Berlins – zumal an diesem See auch 'Paare' und Frauen Sex haben“, erklärte Pantisano am Dienstag auf Instagram. Aus seiner Sicht brauche es andere Lösungsansätze als Verbote oder eine öffentliche Skandalisierung.
„Die verantwortliche Antwort lautet deshalb nicht Skandalisierung, sondern kluges Konfliktmanagement: geschulte Parkläufer*innen, queere Streetwork, klare Regeln gegen sichtbare sexuelle Handlungen und Belästigung, ausreichend Toiletten und Abfallbehälter, gemeinschaftliche Aufräumaktionen sowie konsequenter Schutz vor queerfeindlicher Gewalt.“ Pantisano verwies zudem auf die Sicherheitslage in bekannten Cruising-Bereichen der Hauptstadt. Nach seinen Angaben seien Männer, die Sex mit Männern haben, dort zunehmend Ziel von Straftaten.
„In Berliner Cruising-Areas werden Männer, die Sex mit Männern haben, verfolgt, beraubt und zusammengeschlagen“, so Pantisano. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an Vorfälle im Volkspark Friedrichshain, bei dem eine Gruppe von 15 Männern gezielt Jagd auf homosexuelle Männer gemacht haben soll. Für Katharina Günther-Wünsch ist die aktuelle Debatte nicht die erste Auseinandersetzung mit queerpolitischen Themen. Die Bildungssenatorin war in der Vergangenheit in die Kritik geraten, weil sie homophobe Attacken gegen einen Lehrer über einen längeren Zeitraum verharmlost haben soll.