Direkt zum Inhalt
Verbot von Cruising in Berlin

Verbot von Cruising in Berlin Streit über Umgang mit Cruising

ms - 11.06.2026 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Die Diskussion um schwules Cruising und sexuelle Kontakte im öffentlichen Raum an den Kaulsdorfer Seen im Berliner Osten gewinnt an politischer Brisanz. Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) spricht sich für ein entschiedeneres Vorgehen der Behörden gegen die dort aktive Cruising-Szene aus. Nach ihren Vorstellungen sollen Polizei und Ordnungsamt ihre Präsenz erhöhen und durch zusätzliche Maßnahmen für mehr Kontrolle in dem Gebiet sorgen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch fordert ein konsequenteres Vorgehen gegen die Cruising-Szene an den Kaulsdorfer Seen.
  • Ordnungsamt und Polizei sollen verstärkte Kontrollen durchführen.
  • Hintergrund sind Beschwerden von Anwohnern und Familien.
  • Die CDU-Politikerin sieht die Aufenthaltsqualität an den Seen beeinträchtigt.
  • Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano kritisiert eine einseitige Fokussierung auf schwule Männer.
  • Er fordert stattdessen Prävention, Aufklärung und Konfliktmanagement.

Atmosphäre sei belastend

Wie die CDU-Politikerin und Lebensgefährtin des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner mitteilte, soll neben verschärften Kontrollen auch ein neues Parkmanagement eingerichtet werden. Günther-Wünsch vertritt den Bezirk Marzahn-Hellersdorf als direkt gewählte Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus. Gemeinsam mit dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Mario Czaja thematisierte die Senatorin die Situation in einem Newsletter. Darin schilderte sie eine zunehmende Unzufriedenheit vieler Menschen vor Ort.

„Die Atmosphäre an den Seen ist inzwischen so belastend, dass sich viele Menschen vor Ort nicht mehr wohlfühlen“, erklärte Günther-Wünsch. Kritisch äußerte sie sich zudem über Internetplattformen, auf denen das Areal als Treffpunkt für Männer beworben werde, die Sex mit Männern haben. In dem Newsletter wurde auf eine Webseite verwiesen, die die Kaulsdorfer Seen als „perfekte Gay Cruising Area“ bezeichnet. Dort wird zugleich damit geworben, dass sich heterosexuelle Männer „außerhalb der Augen ihrer Frauen“ vergnügen könnten.

Traditioneller FKK-Bereich

Die Kaulsdorfer Seen liegen an der Grenze der Ortsteile Kaulsdorf und Mahlsdorf und gelten seit vielen Jahren als beliebter Ort für FKK-Freunde. Obwohl das Baden dort offiziell nicht erlaubt ist, wird dies von den Behörden bislang geduldet. Nach Angaben der CDU-Politikerin richtet sich die aktuelle Debatte nicht gegen das Nacktbaden selbst. Auslöser seien vielmehr wiederkehrende Beschwerden aus der Nachbarschaft. Kritisiert werde insbesondere, dass sexuelle Handlungen teilweise offen und in Bereichen stattfänden, die auch von Familien, Kindern und Spaziergängern eingesehen werden könnten.

Queerbeauftragter widerspricht

Deutliche Kritik an einem repressiven Vorgehen äußerte der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano. Der SPD-Politiker warnte davor, ausschließlich schwule Männer in den Mittelpunkt der Debatte zu stellen. „Cruising gehört zur queeren Geschichte Berlins – zumal an diesem See auch 'Paare' und Frauen Sex haben“, erklärte Pantisano am Dienstag auf Instagram. Aus seiner Sicht brauche es andere Lösungsansätze als Verbote oder eine öffentliche Skandalisierung.

„Die verantwortliche Antwort lautet deshalb nicht Skandalisierung, sondern kluges Konfliktmanagement: geschulte Parkläufer*innen, queere Streetwork, klare Regeln gegen sichtbare sexuelle Handlungen und Belästigung, ausreichend Toiletten und Abfallbehälter, gemeinschaftliche Aufräumaktionen sowie konsequenter Schutz vor queerfeindlicher Gewalt.“ Pantisano verwies zudem auf die Sicherheitslage in bekannten Cruising-Bereichen der Hauptstadt. Nach seinen Angaben seien Männer, die Sex mit Männern haben, dort zunehmend Ziel von Straftaten.

„In Berliner Cruising-Areas werden Männer, die Sex mit Männern haben, verfolgt, beraubt und zusammengeschlagen“, so Pantisano. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an Vorfälle im Volkspark Friedrichshain, bei dem eine Gruppe von 15 Männern gezielt Jagd auf homosexuelle Männer gemacht haben soll. Für Katharina Günther-Wünsch ist die aktuelle Debatte nicht die erste Auseinandersetzung mit queerpolitischen Themen. Die Bildungssenatorin war in der Vergangenheit in die Kritik geraten, weil sie homophobe Attacken gegen einen Lehrer über einen längeren Zeitraum verharmlost haben soll.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Appell an Frankreich

Sorge um LGBTIQ+-Rechte

Mehrere LGBTIQ+- und Menschenrechtsorganisationen fordern von Frankreich ein stärkeres internationales Engagement für die Rechte queerer Menschen.
New York setzt Zeichen

Pride-Empfang im Rathaus

Mit einer großen Pride-Veranstaltung hat New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani die Unterstützung seiner Stadt für queere Menschen bekräftigt.
Streit um US-Toilettengesetz

Idaho will DNA-Tests nutzen

Im US-Bundesstaat Idaho sorgt die mögliche Nutzung von DNA-Tests zur Durchsetzung des Toilettengesetzes für viel Kritik und Fragen zum Datenschutz,
Musiker stirbt in London

Ermittlungen nach Messerattacke

Der britische Singer-Songwriter Talay Riley, der mit Stars wie Britney Spears zusammenarbeitete, ist bei einer Messerattacke in London gestorben.
WM-Auftakt in Nordamerika

LSVD+ übt Kritik an US-Politik

Zum Start der Fußball-WM in Nordamerika fordert der LSVD+ mehr Aufmerksamkeit für die Lage queerer Menschen in den USA und warnt vor möglichen Risiken
Homophobe Gewalt in Hessen

Jugendbande attackiert drei Männer

Nach einem mutmaßlich homophoben Angriff auf drei junge Männer in Hessen ermittelt die Polizei gegen eine Jugendgruppe und bittet um Hinweise.
Ende des § 175 vor 32 Jahren

Kriminalisierung schwuler Männer

Der § 175 kriminalisierte über mehr als ein Jahrhundert schwule Männer in Deutschland. Heute vor 32 Jahren wurde er abgeschafft.
Essenstipps für Bottoms

Pride-Kampagne sorgt für Debatte

Ein Instagram-Beitrag von HelloFresh zum Pride Monat hat in den sozialen Netzwerken eine kontroverse Diskussion ausgelöst.
Problemfall Erektionsstörungen

Schockwellentherapie als Hilfe?

Eine nicht-invasive Schockwellentherapie könnte laut neuer US-Studie Männern mit Erektionsstörungen helfen, die Erektionsfähigkeit zu steigern.