Urteil nach Grindr-Dates Erstes Urteil in London gegen Täter, die Schwule ausraubten
Die bekannte Grindr-Dating-Masche sorgte in neuer Variante in London jetzt zur Verurteilung von zwei jungen Kriminellen: Die zwei Männer hatten über die schwule Dating-App Kontakt zu homosexuellen Männern aufgenommen, um in deren Wohnungen einzubrechen. Jetzt folgte der Urteilsspruch: Das Duo wurde zu insgesamt achteinhalb Jahren Haft verurteilt.
Mindestens 22 schwule Opfer
Rahmat Khan Mohammadi (22) und Mohammed Bilal Hotak (21) wurden vom Isleworth Crown Court für schuldig befunden. Sie waren wegen Einbruchs, Betrugs und Diebstahls angeklagt, wie die Metropolitan Police in einer Mitteilung jetzt bekanntgab. Die beiden Männer gehörten zu einer größeren organisierten Gruppe, die zwischen Oktober 2024 und März 2025 tätig war. In diesem Zeitraum wurden 22 homosexuelle Männer gezielt angegriffen, wobei die Polizei das Netzwerk mit 35 Einbrüchen und 20 Betrugsdelikten in Verbindung brachte.
Die Ermittler erklärten, dass die Täter gezielt Grindr genutzt hätten, um den Kontakt zu den Opfern herzustellen und Treffen in deren Wohnungen zu organisieren. Ihre Profile auf der Plattform enthielten meist keine Bilder, und wenn sie gefragt wurden, sendeten sie Bilder, die nicht von ihnen stammten. Nachdem sie in die Wohnungen eingeladen wurden, überredeten die Kriminellen ihre Opfer, ihre Handys zu entsperren und Passwörter preiszugeben, angeblich um Musik auf YouTube abzuspielen. Anschließend lenkten sie die Opfer ab – etwa indem sie sie baten, vor dem Sex zu duschen, das Bad zu benutzen oder Getränke zuzubereiten – und verließen derweil die Wohnungen mit den Handys und anderen Wertsachen wie Pässen, Uhren und Geldbörsen. Die gestohlenen Daten wurden später außerdem dazu genutzt, um Geld zwischen Konten zu transferieren, Bargeld abzuheben und Zahlungen zu leisten.
Schwule Männer gezielt ausgesucht
Staatsanwalt David Patience erklärte, dass die Opfer aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gezielt ausgesucht wurden, was die Delikte als Hassverbrechen qualifizieren könne. „Sie haben keine Frauen oder heterosexuelle Männer ins Visier genommen – sie haben homosexuelle Männer gezielt angegriffen“, sagte Patience vor Gericht. „Sie dachten, sie würden einfacher Straftaten gegen sie begehen können.“
Richterin Adenike Balogun sagte bei der Verurteilung: „Ich habe die psychologischen Traumata und die Unannehmlichkeiten der Opfer zur Kenntnis genommen sowie die Bestürzung, die alle zum Ausdruck brachten, als sie Sie in ihre Wohnungen – in ihre privaten Räume – einluden, nur um verletzt zu werden.“ Sie fügte hinzu, dass die Opfer aufgrund ihrer „wahrgenommenen Verwundbarkeit“ ausgesucht worden seien, jedoch betonte sie, dass die Verbrechen nicht aus „Feindseligkeit“ motiviert gewesen seien. Vielmehr sei Grindr genutzt worden, weil es eine „einfache Möglichkeit“ geboten habe, Zugang zu den Wohnungen der Opfer zu erhalten. „Ich vermute, Sie haben darauf gesetzt, dass die Opfer die Straftaten nicht melden“, fügte sie hinzu. Mohammadi wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, Hotak erhielt eine Strafe von dreieinhalb Jahren.
Forderungen nach mehr Einsatz
Die Metropolitan Police erklärte, dass sie bei der Untersuchung mit der LGBT+-Beratungsgruppe der Polizei und der Anti-LGBTIQ+-Missbrauchsorganisation GALOP zusammengearbeitet habe. Der Verein erklärte gegenüber der BBC: „Wir wissen, dass Grindr von vielen LGBTIQ+-Menschen nicht nur zum Dating genutzt wird, sondern auch für Gemeinschaft, Verbindung und gegenseitige Unterstützung – besonders für Menschen, die sich sonst isoliert fühlen könnten. Die Kenntnis darüber, wie Grindr gezielt und schädlich genutzt wurde, um LGBTIQ+-Menschen anzugreifen, wird wahrscheinlich das Sicherheitsgefühl unserer gesamten Gemeinschaft beeinträchtigen. Es muss mehr getan werden, um sicherzustellen, dass marginalisierte Opfer von Straftaten echten Zugang zu Sicherheit und Strafjustiz haben.“