Direkt zum Inhalt

Urteil gegen Hass Haft- und Geldstrafen für schwulenfeindliche Aussagen

Von ms - 15.04.2024 - 10:00 Uhr
Urteil gegen Hass
Foto: iStock / fergregory
ANZEIGE
Loading audio player...

In zwei Fällen haben Gerichte in Österreich in den letzten Tagen klare Urteile gegen homophoben Hass gefällt. Im ersten Fall wurde eine Frau zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, im zweiten Prozess muss ein Chefinspektor 8.000 Euro Strafe zahlen. 

„Homosexuelle gehören erschossen“

In Salzburg stand jetzt eine 53-jährige Deutsche vor Gericht, weil sie im Juli 2023 immer wieder ihre schwulen Nachbarn in Saalfelden beschimpft hatte. So schrie die angetrunkene Frau dem homosexuellen Paar mehrfach entgegen: „Alle homosexuellen Männer gehören erschossen!“ Als später infolgedessen die Polizei anrückte, erklärte sie, „Alle Homosexuellen gehören vergast“ und zeigte dabei den Hitlergruß. Dazu rief die 53-jährige auch „Heil Hitler“. Kurz darauf, nachdem die Polizei wieder weggefahren war, drohte die Deutsche damit, das schwule Paar zu ermorden. Ein paar Tage später schließlich kletterte sie auf den Balkon der beiden Männer und zerstörte ihre Blumentöpfe. 

Therapie und Bewährung

Vor Gericht räumte die Frau nun alle Vorwürfe ein und betonte, sie sei nicht rechtsradikal, sondern habe im Sommer des letzten Jahres zu früh mit dem Trinken angefangen. Ferner erklärte sie auch auf Rückfrage, dass ihr nicht bewusst gewesen sei, dass zur Zeit des Dritten Reichs neben Juden auch Homosexuelle zu den Opfern der Nazi-Verfolgung gehört hatten. Nebst der Bewährungsstrafe von 14 Monaten muss sich die Deutsche jetzt einer Alkohol-Therapie unterziehen und verpflichtend die KZ-Gedenkstätte Mauthausen besuchen.   

Ermahnungen blieben wirkungslos 

Ähnlich homophob zeigte sich zu Beginn des letzten Jahres bereits ein Chefinspektor aus Oberösterreich – er hatte sich mehrfach immer wieder abwertend über Homosexuelle geäußert und beispielsweise erklärt: „Schwulsein ist eine Krankheit“. Nach drei Ermahnungen, die offensichtlich nicht zu einer Änderung seines Verhaltens führten, wurde er von seinem Vorgesetzen ermahnt, dass solche Aussagen „absolut unangebracht sind, nicht geduldet werden und absolut und strikt zu unterlassen sind.“

Einsichtig zeigte sich der Mann nicht, sodass es abermals im Laufe des letzten Jahres immer wieder zu Zwischenfällen kam. Am internationalen Tag gegen Homophobie Mitte Mai 2023 erklärte er so im Rahmen einer Weiterbildung vor Kollegen: „Von Schwuchteln geht keine Gefahr aus. Schwul sein ist ja nur eine Krankheit, wobei man das ja heutzutage nicht mehr sagen darf.“ Damit überspannte der Chefinspektor den Bogen allerdings und landete vor der Disziplinarbehörde, wo er auf „nicht schuldig“ plädierte. Die Verantwortlichen hatten hier nun kein Einsehen mehr und verurteilten ihn jetzt zu einer Geldstrafe von 8.000 Euro. Noch unklar ist, ob der Fall auch dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen wird. 

Hasskriminalität in Österreich

Die letzten Daten des Innenministeriums zeigten 2023 klar auf, dass die Fälle von Hasskriminalität ähnlich wie in Deutschland auch in Österreich zuletzt rapide angestiegen sind. Binnen eines Jahres kletterten die Fallzahlen um sieben Prozent in die Höhe, die Dunkelziffer dürfte noch einmal deutlich höher liegen. Täglich kommt es nach Angaben des Innenministeriums inzwischen zu Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung der Opfer. LGBTI*-Organisationen sowie die politische Opposition kritisierte bereits mehrfach, dass die Problematik in Österreich noch immer größtenteils „totgeschwiegen“ werden würde. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesSüddeutsche Zeitung„Sextortion“ in München: Er wollte sich zum Sex treffen. Dann wurde er erpresstrbb24Queere Demo in Kreuzberg: Mehrere tausend Menschen fordern Schutz queeren LebensndQueeres Leben | Casa Kuá Demo in Berlin: »Hände weg von Trans Leben!«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Silva gewinnt Richtungswahl

Neue Hoffnung in LGBTIQ+-Community

Präsident Silvas Wahlsieg verhindert eine Rückkehr des Bolsonaro-Lagers an die Macht und weckt Hoffnungen auf eine offenere Gesellschaft.
Taiwan Pride setzt ein Zeichen

Solidarität statt Ausgrenzung

Vor der Pride am 31. Oktober fordern die Organisatoren Respekt für queere Menschen mit Behinderung, HIV und unterschiedlichen sexuellen Lebensweisen.
Phuket übt den queeren Empfang

InterPride tagt erstmals in Asien

Vor der InterPride-Konferenz schult Phuket Personal im Umgang mit internationalen LGBTIQ+-Gästen. Der Kongress beginnt am 29. Oktober.
Iga lehnt Ehe-Anmeldung ab

Bürgermeister fordert Reform

Die japanische Stadt Iga wollte die Ehe-Anmeldung eines gleichgeschlechtlichen Paars prüfen. Die Justizbehörde bestand auf einer Ablehnung.
Ärger um den sexy Jesus

Film lief trotz Protest in Genf

Civitas wollte „Hunky Jesus“ aus dem Genfer Festivalprogramm drängen. Der Film lief trotzdem. Nun erwägt die Organisation eine Anzeige.
Schwuler Tory sagt Tschüss

Boff geht im Menschenrechtsstreit

Andrew Boff verlässt die Konservativen. Der Londoner Politiker will am Schutz durch die Europäische Menschenrechtskonvention festhalten.
Stars zeigen Solidarität

Berlin feiert für die Aids-Hilfe

Sven Ratzke, T-Seven und The Baseballs: Am 2. November steigt „Künstler gegen Aids“. Annabelle Mandeng führt durch die Berliner Gala.
Comeback für das Kurioos

Neustart am 29. Oktober

Das Kurioos öffnet am 29. Oktober um 18 Uhr wieder. Kevin Bauer übernimmt die queere Koblenzer Bar – und startet rauchfrei.
Urteil nach Schwulen-Hetze

Ex-AfD-Mann fehlt bei Verkündung

800 Euro Geldstrafe nach homophoben Beleidigungen in Hamburg: Ein früherer AfD-Kommunalpolitiker erschien nicht zur Urteilsverkündung.