Trans Pride Istanbul Mindestens zehn Teilnehmer von Polizei festgenommen
LGBTIQ+-Aktivisten haben sich am vergangenen Wochenende in Istanbul versammelt, um trotz offizieller Verbote den 12. Istanbul Pride March abzuhalten. Die Versammlung fand im Stadtteil Fenerbahçe statt, einem nicht angekündigten Ort, der bewusst gewählt wurde, um die Demonstrationsverbote zu umgehen – eine Strategie, die in den vergangenen Jahren bereits angewandt wurde. Die Polizei griff schlussendlich hart durch und nahm mindestens zehn Teilnehmer fest.
Das Wichtigste im Überblick
- Istanbul Pride March trotz offizieller Verbote durchgeführt
- Polizei umstellte Gruppe und nahm mindestens 10 Personen fest
- Unter den Festgenommenen waren zwei Journalisten
- Tausende Polizisten bereits im Vorfeld im Einsatz
- Demonstrationsverbote auch in Beyoğlu und Kadıköy
- Aktivisten thematisieren Gewalt gegen trans* Menschen
Festnahmen nach Pride
Während der Demonstration erinnerten die Teilnehmet an ermordete trans* Personen in der Türkei. In einer öffentlichen Erklärung hieß es: „Wir werden eine Welt aufbauen, in der trans* Menschen alt werden und eines natürlichen Todes sterben.“ Auch die Abgeordnete Özgül Saki von der pro-kurdischen Partei der Völker für Gleichheit und Demokratie (DEM-Partei) nahm an der Demonstration teil. Später traf die Polizei am Ort des Geschehens ein, umzingelte die Gruppe und nahm mindestens zehn Personen fest, darunter auch die bekannten Journalisten Yusuf Çelik und Doğa Tekneci.
Polizeigroßeinsatz vor Demo
Bereits vor der Veranstaltung hatten die Behörden tausende Polizisten insbesondere rund um den Taksim-Platz und die umliegenden Gebiete eingesetzt, um die Pride-Demonstration zu verhindern. Die Bezirksverwaltungen von Beyoğlu und Kadıköy hatten zuvor Demonstrationsverbote für ihre jeweiligen Bezirke ausgesprochen. Auch an Hauptverkehrsstraßen und Ausgängen von Verkehrsknotenpunkten waren Polizeikräfte stationiert. In Taksim wurden Metro- und Standseilbahnstationen vollständig geschlossen, der Taksim-Platz blieb leer, während die Polizei Seitenstraßen blockierte. Anwohner mussten teilweise nachweisen, dass sie im Gebiet wohnen, um ihre Wohnungen zu erreichen. Da die eigentliche Demonstration an einem anderen Ort stattfand, sicherten die massiven Polizeikräfte in Taksim letztlich einen leeren Platz.
Kampfansage an Regierung
In einer längeren Erklärung der Aktivisten hieß es als eine Kampfansage an die queerfeindliche Politik der türkischen Regierung unter anderem: „Die gesamte Stadt ist blockiert! Aber hier beim 12. Trans Pride March sind wir zusammen, Seite an Seite, stark! Denn wir stellen es uns vor – und es wird Realität! Wie in den vergangenen Jahren zuvor haben sie auch dieses Jahr versucht, und aufzuhalten und dafür die ganze Stadt blockiert – aber wir sind wieder hier. Wir haben uns auf den Straßen getroffen, in der ganzen Stadt. Wir trans* Menschen leben jeden Tag, jeden Moment – trotz Hass und Gewalt gegen unsere Körper, Gedanken und Träume, die zeigen, dass ein anderes Leben möglich ist. Wir leben trotz des Drucks von Familie, Gesellschaft und Staat, die eine angeblich ´normale´ Ordnung erzwingen wollen, in die niemand passt. Wir werden nicht zum Schweigen gebracht! Wir entschuldigen uns nicht für unsere Existenz!“ Abschließend bekräftigen die Aktivisten ihre Forderung nach einer Gesellschaft ohne Diskriminierung sowie nach Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und sozialer Teilhabe.