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Eltern in Australien droht bei Kritik strafrechtliche Verfolgung
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Trans-Diagnose unter Strafandrohung „Die Gesetzgebung ist ganz außergewöhnlich - sie basiert auf einer Ideologie und einer Unwahrheit.“

ms - 16.08.2022 - 15:30 Uhr
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Immer mehr Eltern im australischen Bundesstaat Victoria sind verzweifelt – eine neue Richtlinie schreibt ihnen nun vor, dass sie bei der Selbstdiagnose Transsexualität ihres Kindes nicht mehr widersprechen dürfen oder eine medizinisch-therapeutische Ursachen-Abklärung durchführen lassen können. Verstoßen Eltern dagegen, begehen sie nach der jüngsten Gesetzgebung eine Straftat, können verklagt werden und es droht der dauerhafte Entzug der eigenen Kinder. Festgeschrieben hatte die neuen Richtlinie Victorias Kommission für Chancengleichheit und Menschenrechte, basierend auf dem sogenannten Change of Suppression (Conversion) Practices Prohibition Act von 2021. Das Gesetz wird von Juristen stark kritisiert, es sei sehr weit gefasst, dabei sehr schlecht formuliert und erlaube ein weites Feld der Interpretationen.

Die Kommission von Victoria erklärte auf ihrer eigenen Homepage die neuen Handhabungen: Strafbar ist demnach das Verweigern der Eltern einer medizinischen Behandlung, inklusive der Einnahme von Medikamenten und Operationen in der Pubertät. Eltern müssen ihrem Kind mit einem Wunsch zur Transition den Zugang zu einem Gesundheitsdienst gestatten, der dies anbietet. Eltern dürfen die gewünschte Geschlechtsidentität ihres Kinders nicht hinterfragen, unterdrücken oder direkt ablehnen. Sie dürfen sich auch nicht außerhalb des Bundestaates Victoria beraten lassen, anderenfalls begehen sie ebenso eine Straftat. Das neue Gesetz ist so weitreichend, dass selbst der Versuch, eine Beratung und ein Gutachten für sein Kind zu organisieren, dazu führen kann, dass sowohl die Eltern wie auch die daran teilnehmenden Fachleute wie beispielsweise Psychologen strafrechtlich verfolgt werden können, wenn die Beratung etwas anderes bewirkt, als die Bestätigung der neu entdeckten Geschlechtsdysphorie des Kindes.

Aktuell schließen sich immer mehr Eltern in Victoria im Geheimen online zusammen, um zu beraten, wie sie künftig möglichen Straftaten entgehen können. Mehrfach wurden Eltern ganz offen bedroht, dass das Jugendamt ihre Kinder übernehmen werde, wenn diese nicht den Wünschen des Kindes entsprechen. Eine Mutter fand Textnachrichten eines schulischen Beraters an ihre Tochter, in denen er ihrem Kind riet, von zu Hause wegzugehen, damit sie ihren skeptischen Eltern entkommen und ihrem neu entdeckten Wunsch, ein Junge zu werden, nachgehen könne.

Auch viele Psychologen spüren in diesen Tagen massiv Druck – entweder sprechen sie sich unkritisch für die Behandlungen einer Geschlechtsumwandlung aus, oder sie verweigern solche Patienten gänzlich, wie Fachärzte der australisch-britischen Daily Male berichteten. Andere Ursachen, die den Wunsch auf eine Geschlechtsumwandlung begünstigen können, beispielsweise eine unterdrückte Homosexualität, Autismus-Störungen, Traumata, familiäre Dysfunktionen oder auch neurodiverse Probleme dürfen nicht mehr angesprochen werden. Gegenüber der Zeitung sprechen Ärzte von einem “radikal neuen Gesetz“, das auf "Ideologie und Unwahrheit" beruhe. Offensichtlich werde jede kritische Auseinandersetzung mit einer geforderten Transition bei Jugendlichen als illegale Konversionstherapie interpretiert. Für Eltern stellt sich neben der Strafandrohung so zudem die Problematik, dass sie inzwischen kaum noch Therapeuten finden, die ihrem Kind bei psychischen Problemen helfen, ohne dass der Fachmann vielleicht direkt auf eine Transsexualität verweist. Eine Mutter erklärt gegenüber der Daily Male: „Ich habe Angst, wenn wir etwas Falsches sagen, könnte sich jemand an die Kinderschutzbehörde wenden und uns beschuldigen, sie zu missbrauchen, und sie aus unserer Obhut nehmen. Wir haben es auch unserer Hausärztin nicht gesagt, weil ich nicht weiß, wie sie zum Thema Geschlecht steht.“ Im Netzwerk der Eltern erklären immer wieder auch betroffene Mütter und Väter, dass oftmals bereits nach ein bis zwei Sitzungen ein Therapeut die Diagnose Transsexualität stellt und mit der Einnahme von Pubertätsblockern oder geschlechtsspezifischen Medikamenten wie Testosteron beginnen will. „Mein Kind ist nur ein politischer Spielball für Politiker, die auf Stimmenfang sind. Ich habe das Gefühl, dass sich die Regierung massiv in Familien und persönliche Beziehungen einmischt. Dieser Gedanke macht mich sehr wütend!“, so ein Vater.

Die ehemalige Professorin für Psychologie an der Universität Sydney, Dr. Dianna Kenny, behandelt seit etwa vier Jahren Kinder mit Geschlechtsdysphorie und erklärte,  dass sich seit der Verabschiedung des Gesetzes immer mehr Eltern aus Victoria an sie wenden und verzweifelt um Hilfe bitten würden: „Es handelt sich um ein sehr mangelhaftes Gesetz, und es ist schwer, vor Gericht zu beweisen, dass man nicht eine Konversionstherapie praktiziert, die ein völlig falscher Begriff ist und in unangemessener Weise auf die Gender-Therapie angewandt wird", so Dr. Kenny. Interne Studien der Gender-Kliniken bestätigten beispielsweise laut Kenny, dass allein bei 40 Prozent der Kinder, die mit einem trans-Wunsch vorstellig werden, eigentlich schwerwiegende psychische Probleme wie Autismus ursächlich sind – das ändere allerdings nichts am Verfahren, mit der Umwandlung würde unbeirrt weitergemacht werden, so die Fachärztin. Kenny erklärte zudem, dass Victorias Gender-Gesetzgebung die am weitesten verbreitete im ganzen Land sei und bezeichnete den Staat als "Brutstätte" für geschlechtsangleichende Therapien und das Royal Children's Hospital in der Hauptstadt Melbourne als deren Zentrum.

Patrick Parkinson, Juraprofessor an der Universität Queensland, bekräftigte, dass alle Eltern in Victoria sehr besorgt sein sollten über jeden Aspekt dieses neuen Regierungsansatzes – keine Familie mit Kindern sei aktuell davor sicher: „Die Gesetzgebung ist ganz außergewöhnlich - sie basiert auf einer Ideologie und einer Unwahrheit.“ Er hob zudem die Scheinheiligkeit des Gesetzes hervor, das die Ermutigung eines Kindes, das Geschlecht zu wechseln, nicht als Konversionstherapie betrachtet, aber jede Therapie, die es Kindern ermöglicht, sich mit ihrem Geburtsgeschlecht wohler zu fühlen, als solche definiert wird. Ein Sprecher der Regierungs-Kommission hatte auf mehrfache Rückfrage bisher nur erklärt, dass das neue Gesetz dazu gedacht sei, Schaden von LGBTI*-Personen in Victoria abzuwenden und es solle überdies sicherstellen, dass diese Menschen ein “authentisches Leben in Würde und Sicherheit“ führen könnten.

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