Direkt zum Inhalt
Tilly Prozess in Russland
ANZEIGE

Tilly Prozess in Russland Farce um Karnevalswagen geht weiter

ms - 28.01.2026 - 08:30 Uhr
Loading audio player...

In der russischen Hauptstadt Moskau wird heute der Gerichtsprozess gegen den Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly fortgesetzt. Das Verfahren war im Dezember kurz nach Beginn vertagt worden, da die Pflichtverteidigerin nicht erschienen war. Nach Angaben Tillys wird er selbst an dem heutigen Verhandlungstermin nicht teilnehmen.

Zehn Jahre Haft möglich

Den Ermittlungen zufolge wird dem Künstler vorgeworfen, russische Staatsorgane verunglimpft zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren. Die entsprechende Rechtsvorschrift wurde von der russischen Justiz in den vergangenen Jahren wiederholt eingesetzt, um gegen Kritikerinnen und Kritiker vorzugehen.

Auslöser des Verfahrens sind Darstellungen auf Karnevalswagen, mit denen Tilly den russischen Präsidenten Wladimir Putin immer wieder wegen des Krieges gegen die Ukraine oder wegen seiner Einstellung zu Homosexuellen und queeren Menschen kritisiert hatte. Auf einem Motivwagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs waren unter anderem Putin und der frühere US-Präsident Donald Trump dargestellt, die einen als „Hitler-Stalin-Pakt 2.0“ bezeichneten Handschlag vollziehen – dargestellt als Abkommen zulasten der Ukraine. Ein anderes Mal sah man Putin in einer blutgefüllten Badewanne sitzen oder sich die Ukraine mit dem Schriftzug „Erstick dran!!!“ einverleiben. Bereits 2014 protestierte Tilly mit einem Wagen gegen die Homophobie von Kirche und Staat in Russland und zeigte dabei Putin und Patriarch Kyrill I. bei einem Blowjob. 

Humor tut weh 

Tilly selbst hatte bereits im Dezember gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt: „Humor tut anscheinend doch weh.“ Das Verfahren halte er insgesamt für absurd – zu ähnlichen Einschätzungen kamen sowohl deutsche Politiker und Politikerinnen wie auch die internationale Presse. „Wer ernsthaft Karnevalswagen kriminalisiert, offenbart vor allem eines: Angst. In freien Gesellschaften wird Widerspruch ausgehalten – autoritäre Systeme bekämpfen ihn“, so die stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin aus Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur. Der Prozess wird indes unbeirrt fortgesetzt, wann mit einer Entscheidung des Gerichts zu rechnen ist, blieb zunächst offen, ein Schuldspruch gilt als sicher. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Allein in der Wohnung

Queere Menschen häufig betroffen

Rund 2,1 Millionen homosexuelle und queere Menschen leben allein, besonders ältere Menschen sind häufig davon betroffen.
Kritik an der US-Polizei

Queere Menschen im Fokus?

Eine neue Studie offenbart: In Kalifornien werden Menschen, die als trans* wahrgenommen werden, häufiger von der Polizei durchsucht und festgenommen.
Aktivisten verlassen Kamerun

Community massiv unter Druck

In Kamerun bedrohen Exil, Erschöpfung und sinkende Fördermittel die Strukturen der LGBTIQ+-Community und ihre bisherigen Erfolge.
Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.