Ungleichheiten im Job Angstzustände unter LGBTIQ+-Menschen im Berufsleben
Die britische LGBTIQ+-Organisation Queerwell warnte jetzt vor strukturellen Ungleichheiten bei der psychischen Gesundheit von queeren Menschen im Job und hat ein neues Programm für den Arbeitsplatz vorgestellt.
Angstzustände bei jedem Zweiten
Der jetzt veröffentlichte Bericht „LGBTQIA+ Mental Health: Disparities, Barriers, and Interventions“ dokumentiert das Ausmaß von Depressionen, Angststörungen, selbstschädigendem Verhalten und Suizidgedanken in der LGBTIQ+-Community. Die Studie stützt sich auf britische und internationale Daten, auch aus Deutschland. Laut Queerwell entstehen schlechtere psychische Gesundheitswerte nicht durch die Identität selbst, sondern durch Stigmatisierung, Diskriminierung und soziale Ausgrenzung.
Mehr als die Hälfte der LGBTIQ+-Menschen im Vereinigten Königreich berichtet demnach jährlich über Symptome von Angstzuständen oder Depressionen. Besonders betroffen sind trans* und nicht-binäre Personen, bisexuelle Personen sowie junge Menschen. Hinzu kommen lange Wartezeiten, fehlende kulturelle Kompetenz im Gesundheitssystem und unsichere Umgebungen als zentrale Hindernisse für Unterstützung. „Unsere Studienergebnisse fordern dazu auf, über bloße symbolische Inklusion hinauszugehen und echte Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte Tim Spoor, Geschäftsführer von Queerwell.
Ungleichheiten sind vermeidbar
Dr. Alessandro De Arcangelis, Autor des Berichts, betonte außerdem: „Dieser Bericht macht deutlich, dass Ungleichheiten in der psychischen Gesundheit von LGBTIQ+ nicht unvermeidbar sind – sie sind strukturell. Dort, wo Organisationen in inklusive Kulturen, unterstützende Angebote und frühe Intervention investieren, verbessern sich die Ergebnisse für die psychische Gesundheit.“
Das neue Programm „Wellness in the Workspace“ richtet sich an Arbeitgeber und Bildungseinrichtungen. Ziel ist es dabei, die Forschungsergebnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen, psychologisch sichere Umgebungen zu schaffen, Minderheitenstress zu reduzieren und präventionsorientierte Strategien für das Wohlbefinden zu etablieren. „Arbeitsplätze können die psychische Gesundheit entweder schützen oder untergraben“, so Spoor. „Es geht darum, Menschen zu ermöglichen, zu gedeihen, nicht nur zu überleben.“
Queerwell hofft, dass das Programm Organisationen zu langfristigem kulturellem Wandel bewegt. Die Wohltätigkeitsorganisation betont, dass proaktive Unterstützung und wirklich inklusive Richtlinien entscheidend seien, um die Lücke bei der psychischen Gesundheit von LGBTIQ+-Menschen zu schließen.