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Russland verklagt Tilly Strafverfahren gegen Düsseldorfer Karnevalskünstler

Von ms - 19.12.2025 - 09:30 Uhr
Russland verklagt Tilly
Foto: IMAGO / epd
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Russland geht gegen den deutschen Bildhauer und Wagenbauer Jacques Tilly vor. Hintergrund sind seine satirischen Karnevalswagen, auf denen immer wieder der russische Präsident Wladimir Putin dargestellt wird. Nach Angaben eines Moskauer Gerichts wird Tilly beschuldigt, die russische Armee herabgewürdigt zu haben, wie die Rheinische Post berichtet.

Prozessbeginn an Weihnachten

Demnach wurde das Verfahren Anfang dieser Woche eingereicht, die erste Gerichtsverhandlung ist ausgerechnet für den 24. Dezember angesetzt, in Abwesenheit des deutschen Künstler. Laut dem Nachrichtenportal „Ostoroschno Nowosti“ werfen die Ermittlungsbehörden Tilly vor, Fake News über das russische Militär verbreitet zu haben mit Verweis auf Putin als Oberbefehlshaber im Ukraine-Krieg. Zudem heißt es, Tilly habe aus eigennützigen Motiven und aus politischem Hass heraus gehandelt.

„Humor tut doch weh“

Tilly selbst nahm es erneut mit Humor, der von dem Verfahren erst durch einen Hinweis der Initiative „Freies Russland NRW“ erfahren hatte. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er augenzwinkernd: „Humor tut anscheinend doch weh.“ Er halte das Vorgehen für absurd, da er in seinen Arbeiten nicht die russische Armee thematisiere, sondern gezielt Putin ins Visier nehme. „Russland ist ein Mafia-Staat mit einer entsprechenden Gerichtsbarkeit.“ Den Vorwurf, er handle aus Eigennutz, wies er indes deutlich zurück: „Ich bin ein Idealist. Geld verdiene ich damit nicht.“ Mit Blick auf den Zeitpunkt des Verfahrens kündigte er eine karnevalistische Reaktion an: „Kurz vor Rosenmontag ist das ein ungünstiger Zeitpunkt für Demagogen und Despoten. Da ist uns anscheinend ein kapitaler Hirsch vor die Flinte gelaufen.“

Unterstützung erhielt Tilly aus der nordrhein-westfälischen Landespolitik. Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur schrieb auf X: „Satire & Kunst sind keine Verbrechen, sondern Ausdruck von Meinungsfreiheit & demokratischer Kultur. Wer ernsthaft Karnevalswagen kriminalisiert, offenbart vor allem eines: Angst. In freien Gesellschaften wird Widerspruch ausgehalten – autoritäre Systeme bekämpfen ihn.“

Internationale Beachtung 

Jacques Tilly zählt zu den bekanntesten Karnevalswagenbauern Deutschlands. Seit 1984 entwirft und baut er die politisch-satirischen Mottowagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug, die immer wieder weltweit für Aufmerksamkeit sorgen. Mehrfach nahm Tilly dabei Putin bereits ins Visier. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen eine Putin-Figur in Handschellen sowie Darstellungen, in denen der russische Präsident in einer blutgefüllten Badewanne sitzt oder sich die Ukraine mit dem Schriftzug „Erstick dran!!!“ in den Mund stopft. Bereits 2014 protestierte Tilly mit einem Wagen gegen die Homophobie von Kirche und Staat in Russland und zeigte dabei Putin und Patriarch Kyrill I. bei einem Zungenkuss und gegenseitiger Masturbation. 

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