Stillstand in Sri Lanka Die neue linke Regierung wollte Verbotsgesetze gegen Homosexualität aufheben – doch nichts passiert. Stattdessen steigt die Gewalt gegen Schwule an.
In Sri Lanka kämpfen seit Jahren homosexuelle Aktivisten gegen die zwei berüchtigten Paragrafen 365 und 365A des Strafgesetzbuches, die Homosexualität noch immer als „Geschlechtsverkehr gegen die Natur“ und „grobe Unzucht“ unter Strafe stellen. Zwei Gesetze aus der Kolonialzeit. Dazu kommen Konversionstherapien, die im Land noch immer von Ärzten praktiziert werden – und die Gewalt besonders gegen junge Schwule nimmt weiter zu.
Selbstjustiz und Gewalt
Zwar wird Homosexualität von den beiden dominanten Religionen, dem Hinduismus und dem Buddhismus, nicht verurteilt beziehungsweise sogar im Gegenteil noch unterstützt, doch noch immer schaffte es das Parlament nicht, die dunklen Schatten der Vergangenheit abzustreifen und ein modernes Gesetz vorzulegen. Zudem befeuert die aktuelle Rechtsprechung die Gewalt sowie die Selbstjustiz gegenüber Schwulen, wie die Deutsche Welle berichtet. Die Verbote wirken als Legitimation, vor allem homosexuelle Männer zu überfallen und zusammenzuschlagen.
Dabei schrecken die Täter auch nicht davor zurück, junge schwule Männer mittels den sozialen Medien wie Facebook zu einem Treffen zu locken, um sie dort brutal zu attackieren. Eines der Opfer der letzten Zeit ist der 20-jährige Maya, der gegenüber der DW berichtete: „Sie sagten: 'Wie kannst du nur so sein? Das ist in Sri Lanka nicht legal', und schlugen auf mich ein. Ich bin nicht zur Polizei gegangen, weil es kein Gesetz gibt und sie nichts unternehmen werden.“ Dazu kommt, dass sich noch immer viele Familien von ihren Kindern distanzieren, wenn sie von deren Homosexualität erfahren.
Hoffnung ruht auf neue Regierung
Aktivisten und queere Bürgerrechtler betonen dabei die besondere Tragik, dass die derzeit gelebte Homophobie im Land von Europäern eingeführt worden ist. „Die Sri Lanker hatten nie ein Problem mit Homosexualität. Es waren die Briten, die dies in unser Land brachten, und es wurde von einigen Politikern benutzt, um LGBTIQ+-Menschen zu verunglimpfen, um so die Gesellschaft zu spalten“, so Rosanna Flamer-Caldera, Gründerin der queeren Organisation Equal Ground.
Nach wie vor hoffen viele Schwule und Lesben, dass die aktuelle linke Regierung im Land die Gesetze aus der Kolonialzeit aufheben wird, wie sie das bei den Parlamentswahlen im letzten November versprochen hatten. Passiert ist seitdem allerdings noch nichts. Der Geschäftsführer der LGBTIQ+-Organisation Equite, Adhil Suraj, blickt inzwischen skeptisch auf die gewählten Politiker und hält die Untätigkeit der Regierung für sehr fragwürdig. „Wir können uns nicht so ausdrücken, wie wir wirklich sind. Das Gesetz behindert unser tägliches Leben auf vielen Ebenen – wirtschaftlich, sozial und politisch. Wenn es endlich eine Gesetzesänderung gibt, werden die Jungen keine Angst mehr haben, miteinander zu reden, sich zu verlieben oder Sex zu haben. Sie werden frei und ohne Angst sein!“, so die Hoffnung von Suraj.